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Großhandel: Insolvenzverfahren des Buchlogistikers KNV eröffnet

Insolvenzverwalter: „Das Vertrauen ist da und der Buchkreislauf zirkuliert weiter.“

 Blick auf das Betriebsgebäude der KNV Logistik in Erfurt: Im Zentrallager in Erfurt hat KNV nach eigenen Angaben ständig rund 590.000 Titel von mehr als 5.000 Verlagen vorrätig. (Foto: Koch, Neff und Volckmar GmbH, Stuttgart.)
Blick auf das Betriebsgebäude der KNV Logistik in Erfurt: Im Zentrallager in Erfurt hat KNV nach eigenen Angaben ständig rund 590.000 Titel von mehr als 5.000 Verlagen vorrätig. (Foto: Koch, Neff und Volckmar GmbH, Stuttgart.)
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Matthias Pieringer

Das Amtsgericht Stuttgart hat am 1. Mai 2019 die Insolvenzverfahren über das Vermögen von sechs der sieben insolventen Gesellschaften des Buchlogistikers Koch, Neff und Volckmar (KNV) eröffnet. Das geht aus einer am 2. Mai im Auftrag des Insolvenzverwalters, Rechtsanwalt Tobias Wahl von Anchor Rechtsanwälte, verbreiteten Pressemitteilung hervor.

Für diese sechs Gesellschaften sei Rechtsanwalt Wahl zum Insolvenzverwalter bestellt. „Lediglich bei einer Gesellschaft, die weder Mitarbeiter beschäftigt, noch operativ tätig ist und daher keine Auswirkungen auf die KNV Gruppe hat, wurde das Insolvenzverfahren nicht eröffnet“, hieß es.

Gespräche und Informationsveranstaltungen

Vor der Eröffnung der Insolvenzverfahren hatten den Angaben zufolge die Geschäftsleitung und Sanierungsexperte Wahl den Geschäftsbetrieb bei der KNV Gruppe stabilisiert und fortgeführt. Durch konstruktive Gespräche des Insolvenzverwalters mit Verlagen, Lieferanten und dem Bucheinzelhandel sei es gelungen, das Vertrauen im Buchmarkt auf dem Niveau vor der Insolvenzanmeldung wiederherzustellen. Mit dazu beigetragen hätten auch die vielen deutschlandweit organisierten Informationsveranstaltungen des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, bei denen Tobias Wahl den Teilnehmern ihre Fragen beantwortete, geht aus der Pressemitteilung hervor.

Geschäftsbetrieb normalisiert

„Im Ergebnis haben die Verlage die Belieferung an KNV zügig wieder aufgenommen“, hieß es. „Der für die gesamte Buchbranche existentiell wichtige Warenkreislauf konnte somit von den einzelnen Verlagen über KNV an die Buchhandlungen fortgesetzt werden. Nach anfänglichen insolvenzbedingten Verzögerungen unmittelbar nach den Insolvenzanträgen im Februar hat sich der Geschäftsbetrieb normalisiert. Inzwischen hat KNV wieder 95 Prozent seines bisherigen Einkaufvolumens bei den Verlagen erreicht, sodass die Buchhandlungen auf ein sehr breites Artikelspektrum zugreifen können.“

Zukunftssicherung im Blick

„Das Vertrauen ist da und der Buchkreislauf zirkuliert weiter. Das ist ein wichtiger Baustein und ein solides Fundament für die Zukunftssicherung der KNV Gruppe“, sagte Insolvenzverwalter Wahl.

Wie weiter mitgeteilt wurde, werden nach Ablauf des Insolvenzgeldzeitraums und der Eröffnung der Insolvenzverfahren die Löhne und Gehälter der rund 1.800 Mitarbeiter an allen KNV-Standorten inzwischen wieder von den Gesellschaften selbst gezahlt. „Mein Ziel ist es, die KNV Gruppe an einen starken Erwerber als Ganzes zu übertragen und möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten“, so Wahl. Oberstes Ziel sei es weiterhin, die KNV-Unternehmen langfristig und robust am Markt zu positionieren.

Strukturierter Verkaufsprozess im Gange

Inzwischen ist gemäß der Pressemitteilung auch der strukturierte Verkaufsprozess gestartet, der von einem M&A-Beratungsunternehmen durchgeführt werde und im vollen Gange sei. Aufgrund der strikten Vertraulichkeit nenne der Insolvenzverwalter weder Namen noch die Anzahl der Bieter und mache auch keine Angaben zu den Interessenten.

Über KNV

Die Koch, Neff & Volckmar GmbH (‚KNV‘) ist Buchgroßhändler mit Hauptsitz in Stuttgart. Seit über 185 Jahren hat das Familienunternehmen seine Kernkompetenz in der Distribution von Büchern, E-Books, Spielen, DVDs, Musik-CDs, Kalendern und weiteren Buchhandel-Artikeln. Die KNV sieht sich als Bindeglied zwischen den Verlagen und Buchhandlungen und hat nach eigenen Angaben ständig rund 590.000 Titel von mehr als 5.000 Verlagen in ihrem Zentrallager in Erfurt vorrätig. Diese können durch den firmeneigenen Fahrdienst über Nacht ausgeliefert werden.

Darüber hinaus bietet die KNV dem Buchhandel weitere Serviceleistungen wie spezielle Software, Marketingunterstützung und Logistikdienstleistungen an. Die KNV beliefert Buchhändler in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie 70 weiteren Ländern weltweit.

Für über 300 Verlage agiert das Schwesterunternehmen KNO Verlagsauslieferung als Fullservice-Anbieter für Lager, Distribution und weitere Dienstleistungen wie Auftragsbearbeitung, Fakturierung, Buchhaltung, IT-Entwicklung, Statistiken und Auswertungen. Neben dem Hauptsitz in Stuttgart und dem Lager in Erfurt gehört noch eine weitere Verlagsauslieferung, die LKG Leipziger Kommissions- und Großbuchhandelsgesellschaft mbh in Rötha bei Leipzig, zur KNV Gruppe, die aber nicht von der Insolvenz betroffen ist.
 

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