Globalisierung: DHL Global Connectedness Index 2020

DHL und die NYU Stern School of Business haben eine wissenschaftliche Einschätzung zur Entwicklung der Globalisierung während der Covid-19-Pandemie vorgelegt.

Der GCI bildet den Grad der Globalisierung von 169 Ländern von 2001 bis 2019 anhand von 3,5 Millionen Datenpunkten ab. (Bild: Deutsche Post DHL Group)
Der GCI bildet den Grad der Globalisierung von 169 Ländern von 2001 bis 2019 anhand von 3,5 Millionen Datenpunkten ab. (Bild: Deutsche Post DHL Group)
Melanie Endres

DHL und die NYU Stern School of Business haben am 3. Dezember den „DHL Global Connectedness Index 2020 (GCI)“ vorgestellt und damit eine umfassende wissenschaftliche Einschätzung zur Entwicklung der Globalisierung während der Covid-19-Pandemie vorgelegt. Den jüngsten Daten zufolge weisen die Niederlande erneut den höchsten Globalisierungsgrad auf, gefolgt von Singapur, Belgien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Irland. Deutschland liegt auf Platz 13. Im Verhältnis zur Größe der Binnenwirtschaft hat Singapur die Nase vorn, mit der breitesten Verteilung seiner Vernetzung kann Großbritannien aufwarten, so die Pressemeldung. Europa sei die am besten vernetzte Region der Welt. Hier befinden sich laut Mitteilung acht der zehn Länder mit dem höchsten Vernetzungsgrad.

Europa mehrfach führend

Europa führe auch bei internationalen Handels- und Personenströmen. Bei den internationalen Informations- und Kapitalströmen steht dem Index zufolge Nordamerika auf Platz eins. Kambodscha, Singapur, Vietnam, Malaysia und die Niederlande führen die Liste der Volkswirtschaften an, deren internationale Ströme die Erwartungen am stärksten übertreffen. Die gute Position der südostasiatischen Länder sei hauptsächlich regionalen Lieferketten zu verdanken.

Siebte Auflage der weltweiten Studie

Die mittlerweile siebte Auflage der Studie hat internationale Handels-, Kapital-, Informations- und Personenströme aus 169 Ländern und Territorien analysiert, so die Angaben. Nach einer stabilen Entwicklung im Vorjahr bestätigen laut Pressemeldung aktuelle Prognosen für 2020 einen deutlichen Rückgang der weltweiten Vernetzung. Begründet werde dies durch die coronabedingte gesellschaftliche Distanzierung, basierend unter anderem auf Grenzschließungen, Reisebeschränkungen und zeitweisen Stillstand im Personenflugverkehr. Wahrscheinlich werde der Index jedoch nicht unter das Niveau der globalen Finanzkrise von 2008/09 fallen. Handels- und Kapitalströme ziehen bereits wieder an und internationale Datenströme konnten von der Pandemie sogar stark profitieren, „da sich die zwischenmenschliche und grenzüberschreitende Kommunikation ins Digitale verlagerte“, heißt es in der Mitteilung. Hauptreiber dieser „digitalen Globalisierung“ waren demnach vor allem Online-Datenverkehr, Telefonate und E-Commerce die einen starken Anstieg verzeichneten. Der GCI bildet laut Mitteilung den Grad der Globalisierung von 169 Ländern von 2001 bis 2019 anhand von 3,5 Millionen Datenpunkten ab. Konkret misst der GCI die globale Vernetzung eines Landes zum einen anhand des Umfangs seiner internationalen Ströme im Verhältnis zur Größe seiner Binnenwirtschaft. Zum anderen ermittelt er, wie breit die internationalen Ströme eines Landes weltweit verteilt seien.

„Die aktuelle Krise hat gezeigt, wie unverzichtbar internationale Verbindungen sind, um die Weltwirtschaft zu stützen, den Lebensunterhalt der Menschen zu sichern und den Unternehmen zu helfen, ihr Handelsaufkommen zu verbessern“, sagt John Pearson, CEO von DHL Express. „Gut funktionierende Lieferketten und Logistik-Netze spielen eine entscheidende Rolle, um die Welt am Laufen zu halten und die Globalisierung zu stabilisieren – insbesondere bei einer Pandemie, die alle Kontinente erfasst hat. Das verdeutlicht wieder einmal, dass man auf jede Herausforderung gefasst sein muss. Der aktuelle Durchbruch bei den Corona-Impfstoffen hat die systemische Relevanz von schneller und sicherer Logistik in den Blickpunkt gerückt, die für eine schnelle und internationale Verteilung vor allem ein weltweites Netzwerk voraussetzt.“

Starke Beeinträchtigungen durch Covid-19

Wie zu erwarten war, verzeichneten die Personenströme 2020 „angesichts der Lockdowns und Reisebeschränkungen, die im Kampf gegen das Virus angeordnet wurden, einen beispiellosen Rückgang“, so die Meldung. Jüngsten Prognosen der Vereinten Nationen zufolge werde die Zahl der Auslandsreisenden 2020 um 70 Prozent einbrechen. Der internationale Tourismus erreicht demnach das Vorkrisenniveau möglicherweise erst wieder 2023. Im Gegensatz dazu haben sich der Studie zufolge die Handels-, Kapital- und Informationsströme überraschend gut behauptet. Nach einem deutlichen Rückgang zu Beginn der Pandemie konnte der internationale Handel eine kräftige Erholung verzeichnen und bleibt für Volkswirtschaften weltweit ein unverzichtbarer Stützpfeiler.

„Wie unsere Studie zeigt, ist die Globalisierung in 2020 nicht kollabiert, auch wenn sich durch die Pandemie die Art und Weise, wie Länder miteinander verbunden sind –  zumindest vorübergehend – verändert hat. Sie macht auch klar, welche Risiken bestehen, wenn kritische Verbindungen zusammenbrechen, und wie dringlich es ist, dass angesichts globaler Herausforderungen effektiver kooperiert werden muss“, erklärt GCI-Hauptautor Steven A. Altman, Direktor der DHL Initiative on Globalization und Professor an der Stern School of Business der New York University. „Eine stärkere globale Vernetzung könnte dazu beitragen, dass die Welt die Covid-19-Pandemie schneller hinter sich lässt, da Länder mit einer besseren Anbindung an internationale Ströme tendenziell ein höheres Wirtschaftswachstum verzeichnen.“

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Schlag für Kapitalströme

Ausländische Direktinvestitionen (ADI), ein Maß für die unternehmerische Einkaufs-, Bau- und Reinvestitionstätigkeit im Ausland, könnten den Vereinten Nationen zufolge in diesem Jahr um 30 bis 40 Prozent sinken. Nicht zuletzt dank entschiedener staatlicher und geldpolitischer Reaktionen konnten sich die Märkte jedoch stabilisieren, so das Ergebnis des GCI. Als sich Arbeit, Freizeit und Bildung mit der Pandemie zunehmend ins Digitale verlagerten, wuchsen demnach die digitalen Informationsströme rasch an. Um in Verbindung zu bleiben, führten Privatpersonen und Unternehmen in Rekordzeit digitale Lösungen ein und sorgten so beim Online-Datenverkehr für zweistellige Zuwachsraten.

Neue Forschungsinitiative

Der diesjährige GCI-Bericht markiert auch den Beginn der neuen „DHL Initiative on Globalization“ an der Stern School of Business der New York University. Ziel dieser Forschungsinitiative sei die Schaffung eines führenden Exzellenzzentrums für datengestützte Globalisierungsforschung.

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