Getränkelogistik: Corona läutet Wandel ein

Das Beratungsunternehmen Miebach Consulting präsentiert die Ergebnisse der zweiten Getränkelogistikstudie.

Die Getränkelogistik befindet sich im Wandel – sowohl auf Seiten der Hersteller als auch des (Groß-)Handels. | Bild: Pixabay
Die Getränkelogistik befindet sich im Wandel – sowohl auf Seiten der Hersteller als auch des (Groß-)Handels. | Bild: Pixabay
Sandra Lehmann
(erschienen bei LOGISTRA von Tobias Schweikl)

Die Getränkelogistik durchläuft einen Wandel – sowohl aufseiten der Hersteller als auch des (Groß-)Handels. Dies sind Ergebnisse aus der zweiten Ausgabe der Miebach Consulting Getränkelogistikstudie. Die Vorgängerstudie stammt aus dem Jahr 2017.

Laut der Studie sehen sich die Akteure in der Getränke-Supply-Chain veränderten Anforderungen gegenüber, denen sie unter anderem mit Investitionen in Automatisierung und Digitalisierung begegnen.

„18 Monate Corona mit erheblichen Einschränkungen in der Gastronomie und den damit verbundenen teilweise starken Absatzverlagerungen und Absatzeinbußen verstärken die Dringlichkeit, dass sich Hersteller wie Handel neu orientieren müssen“, so Dr. Klaus-Peter Jung, Partner, Miebach Consulting GmbH.

Im Folgenden einige Highlights aus den Studienergebnissen:

Lagerung wird noch vielfach selbst erbracht, während insbesondere der Outsourcinggrad im Transport deutlich gestiegen ist

In der Getränkeindustrie spielt das Thema Logistikoutsourcing für Lagerprozesse eine untergeordnete Rolle. So sind die meisten Produktionsläger nahe den Abfülllinien gelegen, um zusätzliche Umfuhren und Handlingskosten zu vermeiden. Auch im Getränkefachgroßhandel (GfGh) spielt das Outsourcing des Lagers keine Rolle, da die Lagerung und Kommissionierung integrierter Leistungsbestandteil des Angebots des GfGhs ist. Deutlich anders verhält es sich im Transport. Der Anteil derer, die ihre Transporte überwiegend oder zu 100% outgesourct haben, stieg von 26% in 2017 auf 65% in 2021. Ebenfalls einen, wenn auch nur leichten, Anstieg verzeichnet das Outsourcing der Sortierung.

Steigender Automatisierungsgrad in der Lagertechnik sowie zunehmender Systemsupport

Auf die Frage, welche Lagertechniken heute in der Getränkeindustrie im Einsatz sind, dominiert weiterhin das Blocklager. Allerdings gibt knapp die Hälfte der Antwortenden an, zumindest auch ein automatisches Hochregallager im Einsatz zu haben. Auch bezüglich der Nutzung unterschiedlicher IT-Support-Systeme kann eine deutliche Steigerung festgestellt werden. Den größten Anstieg des Durchdringungsgrades zwischen 2017 und 2021 verzeichnen dabei Demand-Planning- und Forecasting-Systeme, während Lagerverwaltungssysteme den insgesamt größten Durchdringungsgrad aufweisen.

Kein direkter Zusammenhang zwischen Logistik- und Unternehmensperformance ableitbar

Im Gegensatz zu anderen Branchen lasse sich kein direkter Zusammenhang zwischen der Logistikperformance der Unternehmen und deren Unternehmensperformance ableiten. Treibende Kräfte der Unternehmensperformance in der Getränkeindustrie sind vielmehr Marke, Reichweite als auch die vertrieblichen Aktivitäten. Eine performante Logistik versteht sich in dieser Branche vielmehr als Hygienefaktor denn als Erfolgstreiber.

Digitalisierungsprojekte zur Serviceverbesserung

Erstmals hat Miebach in diesem Jahr nach Eigenangaben auch Fragen zu Digitalisierungsprojekten berücksichtigt. Hierbei zeigt sich, dass die Digitalisierungsprojekte insbesondere auf die Serviceverbesserung abzielen, während Kostenreduktion und Kapazitätserhöhung in den Hintergrund treten. Dies gelte für bisherige Projekte in diesem Umfeld ebenso wie für zukünftig geplante Projekte. Digitalisierungsprojekte wurden bisher von Data-Lake-Anwendungen und innovativen Lagertechnologien wie Drohnen oder AGV dominiert. Andere Projekttypen wie Robot Process Automation oder Digital Twins/Supply Chain Risk Management spielten hingegen kaum eine Rolle. Der Fokus der Projekttypen könnte sich jedoch zukünftig verschieben, weg vom Data Lake hin zu Control Tower. 

„Hier geht noch deutlich mehr! Sowohl die Möglichkeiten des digitalen Zwillings als auch der Digital/Robot Process Automation, gerade in der Getränkeindustrie, bieten unseres Erachtens immenses Potenzial zur Optimierung, das angegangen werden sollte“, so Dr. Klaus-Peter Jung, Partner, Miebach Consulting GmbH. 

Der vollständige Studienreport mit weiteren Erkenntnissen kann bei Miebach Consulting kostenfrei angefordert werden.

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