Getränke: Dr. Oetker kauft Flaschenpost wohl in Milliardendeal

Die Logistikstrukturen des Getränkebringdienstes sollen in den nächsten Wochen beibehalten werden.

Mit der Übernahme des Lieferdienstes Flaschenpost erschließt sich Dr. Oetker direkte Absatzkanäle zum Endverbraucher. (Foto: Flaschenpost)
Mit der Übernahme des Lieferdienstes Flaschenpost erschließt sich Dr. Oetker direkte Absatzkanäle zum Endverbraucher. (Foto: Flaschenpost)
Therese Meitinger

Wie am Sonntag bekannt wurde, hat die Bielefelder Dr. August Oetker KG das Münsteraner Start-up Flaschenpost übernommen. Als Kaufpreis nannten mehrere Medien eine Summe von über einer Milliarde Euro; der Lebensmittelriese bestätigte diese Zahl jedoch nicht. Man habe Stillschweigen über den genauen Betrag vereinbart, hieß am Montag in einem Statement. Der Deal zwischen dem Getränkebringdienst und Dr. Oetker steht aktuell noch unter dem Vorbehalt der Kartellbehörden.

Dr. Oetker verfügt neben dem Geschäft mit Nahrungsmitteln auch über ein großes Portfolio von alkoholischen und nicht alkoholischen Getränken – mit Marken wie Jever oder Selters. Den direkten Absatzkanal zum Endverbraucher sucht das Unternehmen dabei bereits seit einiger Zeit: Mit dem 2017 gegründeten Durstexpress verfügt das Bielefelder Unternehmen über einen eigenen Getränkebringdienst, der sich an dem Modell der 2014 von Dieter Büchl an den Start gebrachten Flaschenpost orientierte.

Getränkelieferung 120 Minuten nach Bestellung

Flaschenpost, dessen zentrales Markenversprechen die Warenlieferung binnen 120 Minuten nach Bestelleingang ist, war zuletzt jedoch ungleich erfolgreicher: 150 Städte beliefert das Unternehmen derzeit nach Eigenangaben von 22 Standorten aus, die jeweils bis zu 150 Fahrzeuge aufweisen. Täglich sollen mehr als 60.000 Kisten ausgeliefert werden. Durstexpress gibt an, lediglich in zehn Städten aktiv zu sein und 14 Liefer-Hubs zu betreiben.

Die separaten Strukturen der beiden Marken sollen in der Übergangszeit erst einmal erhalten bleiben:

„An der Logistik ändert sich in den nächsten Wochen zunächst einmal nichts“, sagte ein Unternehmenssprecher von Dr. Oetker. „Wir warten die Zustimmung der Kartellbehörden ab, bevor wir weitergehende Entscheidungen bezüglich der Strukturen treffen.“

Über das Konzept von Flaschenpost berichtete Titus Braden, Head of Operations des Unternehmens, im Oktober 2019 auf dem LOGISTIK HEUTE-Fachforum Lebensmittellogistik: „Getränkeeinkauf an sich ist langweilig“, schilderte Braden damals die Geschäftsgrundlage des Start-ups. Statt sich durchschnittlich 40 Stunden pro Jahr im Getränkemarkt zu langweilen, träten gestresste Großstädter diese Aufgabe gern an einen Lieferservice ab. Die Neigung, unbequeme Aufgaben an den Onlinehandel abzutreten, hat in Coronazeiten bekanntermaßen noch einmal zugenommen.

Printer Friendly, PDF & Email