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Gehälter: Wunsch und Wirklichkeit klaffen in der Logistik auseinander

Laut BirdieMatch-Gehaltsreport spiegelt der Verdienst häufig nicht den Fachkräftemangel wider.

Wie die Job-Matching-Plattform BirdieMatch herausfand, entspricht der Gehaltswunsch von Logistikern selten der Realität. (Symbolbild: Hyejin Kang/Adobe Stock)
Wie die Job-Matching-Plattform BirdieMatch herausfand, entspricht der Gehaltswunsch von Logistikern selten der Realität. (Symbolbild: Hyejin Kang/Adobe Stock)
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Sandra Lehmann

Trotz wachsender Anforderungen durch die Digitalisierung bleiben Gehaltsangebote in der Logistikwirtschaft deutlich hinter den Erwartungen der Arbeitnehmer zurück. Das geht aus dem „Gehaltsreport 2020“ der Job-Matching-Plattform BirdieMatch hervor. Wie das Hamburger Unternehmen am 12. Februar bekannt gab, liegen die angegebenen Dotierungen für Vakanzen in der Regel unter den aktuellen Ist-Gehältern wechselwilliger Talente. So würde etwa die Position eines Vertriebsleiters in der Logistik im Durchschnitt mit 70.652 Euro ausgeschrieben. Arbeitnehmer, die sich für diese Funktion interessierten, wünschen sich BirdieMatch zufolge jedoch ein Jahresgehalt von etwas mehr als 84.000 Euro.

„Für den Vertriebsleiter, dessen Ist-Gehalt bei 74.969 Euro liegt, ist das kaum ein Anreiz, seinen Arbeitgeber zu wechseln“, kommentiert BirdieMatch-Geschäftsführer Bernd Vögele das Ergebnis. Dabei würden Vertriebler und auch Kundenberater gerade händeringend gesucht. „Obwohl die Logistik unter einem massiven Fachkräftemangel leidet, verbessern sich die Verdienstchancen in vielen Berufen nicht wesentlich“, so Vögele weiter. „Gerade in Leitungsfunktionen beobachten wir nach wie vor eine große Diskrepanz zwischen Wunschgehalt und dem Gehaltsangebot der Arbeitgeber.“

Ähnlich sieht es laut dem Bericht für die Funktion Leiter Operations aus, die aktuell mit 69.434 Euro vergütet werde. Wechselwillige würden hier beim Gehalt gern bei 76.116 Euro landen, streichen aber in der Realität lediglich 64.110 Euro ein. Zufrieden dürfen BirdieMatch zufolge hingegen Niederlassungsleiter sein: Zwischen Wunsch (84.775 Euro) und Wirklichkeit (84.464 Euro) liegen hier gerade einmal 311 Euro – bei einem Ist-Gehalt von 78.365 Euro sei dies genug Anreiz für einen Jobwechsel. Gut bezahlt und gesucht würden in der Logistikwirtschaft Fachkenntnisse. In einzelnen Berufsgruppen, beispielsweise in der Disposition, werde spezielles Know-how unterschiedlich bewertet: Wer Erfahrungen im Seeverkehr mitbringt, verdient laut der Plattform 39.700 Euro und liegt damit noch vor den Kollegen aus dem Landverkehr (38.101 Euro) oder der Luftfracht (36.739 Euro).

Deutlich weniger liegen Wunsch und Wirklichkeit beim Gehalt im gewerblichen Bereich auseinander, der erstmals im Rahmen des BirdieMatch-Gehaltsreports untersucht wurde. Lkw-Fahrer würden gern 2.833 Euro im Monat verdienen – im Schnitt erhielten sie derzeit 2.614 Euro. Etwas weiter geht es im Lager auseinander. Die Beschäftigten bekommen hier nach BirdieMatch-Angaben derzeit 2.380 Euro angeboten, würden aber gern mit 2.702 Euro nach Hause gehen.

Digital Natives sind begehrt

Beste Job-Chancen in der Logistik haben indes Digital Natives, die zur Generation Y und Z (geboren ab 1980 gehören). „Die Nutzung digitaler Werkzeuge ist für Talente zwischen 30 und 39 Jahren selbstverständlich“, berichtet Vögele. „Und die Generation ist wechselwillig.“ Knapp 60 Prozent der rund 25.000 Talente, die auf BirdieMatch aktuell registriert sind, gehörten dieser Altersgruppe an.

Arbeitnehmer mit Landverkehrserfahrung gesucht

Ebenfalls begehrt sind dem Bericht zufolge Arbeitnehmer mit Landverkehrserfahrung. Unabhängig von Verkehrsträgerkenntnissen seien darüber hinaus Talente mit Kenntnissen im Vertrieb sowie im Kundenservice gefragt, gefolgt von solchen mit erfahrungen in der Zollabwicklung. Daraus lässt sich ablesen, welche Erfahrungen Wechselwillige in Ihren Bewerbungen hervorheben oder kurz- und mittelfristig erwerben könnten, um ihren Marktwert anzuheben, so BirdieMatch.

Herzenswünsche werden erfüllt

Die eigene Attraktivität zu steigern, liegt inzwischen aber auch im Interesse von Arbeitgebern, wie der Jobreport zeigt. So hätten etliche Unternehmen die Bedeutung von sogenannten „Heart Skills“, Leistungen, die über das eigentliche Gehalt hinausgehen, erkannt. In diesem Jahr habe die Untersuchung etwa ergeben, dass die meisten Arbeitgeber den Wünschen der Arbeitnehmer in vielen Bereichen entsprechen. Allein das Thema „Home Office“ und in einigen Bereichen die Erfüllung des Wunsches nach einem Firmenwagen bleiben noch hinter den Bedürfnissen der Talente zurück.

Im Osten gibt`s weniger Gehalt

Wie bereits in den vergangenen Gehaltreporten von BirdieMatch, gibt es auch 2020 einige Gruppen, die in Sachen Vergütung unter dem Durchschnitt liegen. So würden Mitarbeiter in der Logistikwirtschaft in Ostdeutschland häufig schlechter bezahlt als in anderen Teilen der Bundesrepublik. Ein Gefälle von Süden nach Norden lasse sich allerdings nur selten ablesen.

Frauen nach wie vor benachteiligt

Benachteiligt seien auch nach wie vor Frauen im Wirtschaftszweig. Sie werden BirdieMatch zufolge in vielen Segmenten schlechter bezahlt als Männer und besetzten deutlich weniger als 50 Prozent der Arbeitsplätze in der Logistik. Allerdings weist der Bericht auch auf Ausnahmen hin: Im Bereich Operations verdienten Frauen genauso gut wie ihre männlichen Kollegen. In den Sektoren Administration und Kundenservice liegt der Verdienst von Frauen sogar leicht über denen von Männern in ähnlichen Positionen, so die Autoren.

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