Gasversorgung: In Stade beginnt der Bau eines weiteren LNG-Terminals

Ein neuer LNG-Terminal in Stade soll künftig jährlich mindestens fünf Milliarden Kubikmeter Erdgas ins Netz einspeisen. Dessen Fertigstellung ist bis zum Winter 2023/24 geplant.

Nachdem in Wilhelmshaven der erste LNG-Terminal in Betrieb ging, gab es jetzt den ersten Rammschlag für ein Terminal in Stade. (Bild: NPorts/Wolfhart Scheer)
Nachdem in Wilhelmshaven der erste LNG-Terminal in Betrieb ging, gab es jetzt den ersten Rammschlag für ein Terminal in Stade. (Bild: NPorts/Wolfhart Scheer)
Gunnar Knüpffer
(erschienen bei Transport von Nadine Bradl)

Baubeginn für Niedersachsens zweiten LNG-Anleger in Stade: Symbolisch setzten der niedersächsische Energieminister Christian Meyer und Wirtschaftsminister Olaf Lies am 20. Januar den ersten Rammschlag für den Hafenausbau durch die landeseigene „NPorts" im Stader Nordhafen. Die Fertigstellung des Anlegers an der Elbe für die schwimmende Regasifizierungsanlage (FSRU) ist bis zum Winter 2023/24 geplant, heißt es in einer Mitteilung von Niedersachsen Ports vom selben Tag.

Fünf Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr

Wie bereits die im Dezember in Betrieb genommene FSRU „Esperanza" in Wilhelmshaven soll auch die Anlage in Stade jährlich mindestens fünf Milliarden Kubikmeter Erdgas ins Netz einspeisen, etwa zehn Prozent der im Jahr 2021 aus Russland gelieferten Menge. Die Kosten für den Hafenausbau von bis zu 300 Millionen Euro werden anteilig von Bund und Land mit jeweils 100 Millionen Euro sowie zusätzlich durch einen Kredit der Nord-LB für NPorts getragen.

„Stade ist ein weiterer Baustein, um kurzfristig unabhängig in der Energieversorgung zu werden. Die gesamte Anlage wird „Green Gas Ready", da hier in Zukunft auch grüne, klimaneutrale Gase anlanden werden. Der von Bund und Land unterstützte Hafenausbau in Stade ist daher eine echte Zukunftsinvestition", sagte Umwelt- und Energieminister Meyer. „Je schneller wir den Turbo bei den Erneuerbaren Energien starten und den Import grüner Gase ermöglichen, desto eher erreichen wir die Klimaziele und schaffen eine saubere und unabhängige Energieversorgung. Daher ist es gut, dass die FSRU schnell realisiert wird."

„Angesichts der durch den russischen Angriffskrieg ausgelösten Krise ist der Import von fossilem Flüssiggas vorübergehend notwendig, um die Energieversorgung sicherzustellen. Nach Wilhelmshaven werden wir Niedersachsen auch in Stade liefern. Wir brauchen diese Terminals, um die Versorgungssicherheit der deutschen Wirtschaft und genauso der Haushalte zu gewährleisten", sagte Niedersachsens Wirtschafts- und Hafenminister Olaf Lies am Rande der Veranstaltung. „Denn wir haben Glück, dass wir dieses Jahr einen besonders milden Winter erleben."

Sich darauf aber auch im kommenden Winter zu verlassen, wäre eine fahrlässige Wette gegen den Industriestandort. Um hier sicher und gut aufgestellt zu sein, brauche Deutschland dringend auch diese zusätzliche Importkapazität, meinte Lies. Parallel würde dort auch die Voraussetzung für den Import grüner Gase geschaffen werden. So könne diese Infrastruktur zum Sprungbrett für die Energiewende werden.

Weitere Planungen

Anfang Juni 2022 hatte NPorts für den Hafenausbau die Unterlagen zum Planfeststellungsverfahren eingereicht. Die Genehmigung für vorbereitende Baumaßnahmen wurde bereits Mitte September erteilt. Zum Planfeststellungsverfahren gab es knapp 50 Einwendungen, die vom NLWKN geprüft wurden. Betreiber der FSRU in Stade wird der Hanseatic Energy Hub (HEH) sein. HEH plant auch bereits ein stationäres Terminal in Stade-Bützfleth zur Anlandung von jährlich circa 13 Milliarden Kubikmeter regenerativ erzeugter Gase, die Fertigstellung ist bis Ende 2026 geplant. Damit soll die jetzt entstehende FSRU abgelöst werden. Es besteht vom Hafen Bützfleth eine kurze Netzanbindung (2,5 Kilometer) an das Fernleitungsnetz der „Gasunie". Bis 2026 ist eine weitere 25 Kilometer lange Netzanbindung geplant, damit größere Mengen klimaneutraler Gase in das Ferngasnetz eingespeist werden können.

„Der Norden Niedersachsens soll mit Wilhelmshaven und Stade zur Drehscheibe für regenerativ erzeugte Gase und damit auch für Wasserstoff werden", sagte Energieminister Meyer. „Das ist nur mit den stationären Terminals möglich."

Mit dem massiven Ausbau von Windkraft, Fotovoltaik und der Wasserstoffwirtschaft würden sie Versorgungssicherheit und Klimaneutralität miteinander verbinden und den Industriestandort Niedersachsen als Zukunftsstandort stärken. Allein in Niedersachsen sind Wasserstoffprojekte im Umfang von 2,3 Milliarden Euro geplant.

Wirtschaftsminister Lies ergänzte: „Was wir hier nun mit der neuen Deutschlandgeschwindigkeit umsetzen, müssen wir für die Transformation unserer Wirtschaft und die Energiewende nun auch bei Aufbau landseitiger Infrastruktur, beim Ausbau von Wind und Solar und beim Ausbau der Energienetze schaffen. Das bedeutet: Wir brauchen auch die gesetzlichen Möglichkeiten für alle Transformations- und Energiewendeprojekte. Dann dient das, was wir heute schaffen, tatsächlich zum Sprungbrett für die Energiewende."

Die Bundesregierung hat Charterverträge für insgesamt fünf schwimmende LNG-Terminals unterzeichnet. Kürzlich ist in Lubmin das zweite Terminal in Betrieb gegangen, ebenfalls am 20. Januar wird das nächste im schleswig-holsteinischen Brunsbüttel eröffnet. In Niedersachsen wird es neben Stade eine weitere FSRU in Wilhelmshaven geben. Auch dort ist bereits ein festes Terminal geplant.

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