Gabelstapler: Linde Material Handling setzt auf radargestütztes Assistenzsystem

Das neu entwickelte „Linde Reverse Assist Radar“  kann den Stapler im Gefahrenfall zum Stillstand bringen.

Das neue Assistenzsystem Linde Reverse Assist Radar erkennt bewegliche und statische Objekte im rückwärtigen Raum von Gegengewichtsstaplern und bremst das Fahrzeug im Gefahrenfall sehr schnell bis zum Stillstand ab. |(Bild: Linde Material Handling)
Das neue Assistenzsystem Linde Reverse Assist Radar erkennt bewegliche und statische Objekte im rückwärtigen Raum von Gegengewichtsstaplern und bremst das Fahrzeug im Gefahrenfall sehr schnell bis zum Stillstand ab. |(Bild: Linde Material Handling)
Therese Meitinger
(erschienen bei LOGISTRA von Tobias Schweikl)

Der Flurförderzeughersteller Linde Material Handling hat mit dem „Reverse Assist Radar“ ein neues Assistenzsystem für Gabelstapler entwickelt. Das Sicherheitssystem schützt Personen und vermeidet Schäden an Waren und Infrastruktur, indem es bewegliche und statische Objekte im rückwärtigen Raum von Gegengewichtsstaplern erkennt. Im Gefahrenfall wird das Fahrzeug bis zum Stillstand abgebremst.

„Mehr als die Hälfte aller Unfälle mit Flurförderzeugen passieren beim Rückwärtsfahren“, so Fabian Zimmermann, Produktmanager Safety Solutions bei Linde MH.

Als einen der Hauptgründe nennt er die eingeschränkte Sicht der Fahrer nach hinten.

„Bei einem Blickwinkel von mehr als 180 Grad beginnt der tote Winkel. Doch schon vorher werden Personen und Gegenstände, die sich hinter dem Fahrzeug befinden, nicht mehr gut wahrgenommen“, so der Experte.

Als großen Vorteil der Lösung nennt der Hersteller die starke Bremsleistung im Gefahrenfall. Wird ein Hindernis erkannt, bremst der „Linde Reverse Assist Radar“ das Fahrzeug mit einer Stärke von bis zu 3 m/s2 bis zum Stillstand ab. Die Bremswirkung wird in Abhängigkeit von der Hubhöhe, der Fahrgeschwindigkeit, dem Lenkwinkel sowie dem Abstand zum Hindernis berechnet und ist damit auf die individuelle Fahr- und Gefahrensituation abgestimmt.

Unterschiedliche Lichtverhältnisse beeinträchtigen das System nicht.

„Gerade in Situationen, wenn es hektisch im Lager zugeht oder unerfahrene Staplerfahrer am Steuer sitzen, Material falsch abgestellt wurde und in den Fahrweg reicht oder die Fahrer abgelenkt sind, leistet das System wertvolle Hilfe“, so Produktmanager Zimmermann.

Im Gefahrenfall warnt das System den Fahrer mehrstufig durch ein akustisches Signal. Ist der Stapler mit einem optionalen 7‘‘-Display ausgestattet, erhält der Bediener zusätzlich eine visuelle Warnung und wird aufgefordert, den rückwärtigen Raum zu prüfen. Der Detektionsbereich ist standardmäßig auf die Breite des Hecks ausgelegt, lässt sich aber individuell einstellen.

„Das System reagiert nur auf Hindernisse im definierten Fahrweg“, erklärt der Produktexperte weiter.

Waren oder andere Objekte, die sich beispielsweise in einem Blocklager rechts und links der Strecke befinden, führen nicht zum Eingriff des Systems. Dadurch werden unnötige Störungen oder Unterbrechungen verhindert.

Ein weiterer Produktvorteil ist die Kombinierbarkeit des Linde Reverse Assist Radars mit anderen Sicherheitsassistenzlösungen.

„Um Risiken im Lager zu minimieren und Gefahrensituationen mit Flurförderzeugen zu vermeiden, kann es durchaus sinnvoll sein, mehrere Lösungen miteinander zu kombinieren“, erklärt Fabian Zimmermann.

Dazu zählt beispielsweise die auf künstlicher Intelligenz basierende „Linde Front Assist Camera“, die Gefahrensituationen mit Fußgängern bei der Vorwärtsfahrt erkennt und die Geschwindigkeit des Fahrzeuges entsprechend reduziert. In "naher Zukunft", so der Hersteller, soll es den Linde Reverse Assist Radar auch als Nachrüstlösung geben.