Forschungsprojekt: Autonome CityBots üben im Stadion von Eintracht Frankfurt für die Citylogistik

Das Konsortialprojekt „Campus FreeCity“ will ein holistisches Mobilitätssystem für die Innenstadt entwickeln – und probt den Einsatz autonomer Transport- und Serviceroboter im Deutsche Bank Park.

Der CityBot gibt über ein Display Auskunft darüber, mit welcher Aufgabe er gerade beschäftigt ist, und lässt sich mittels Spracheingabe steuern. (Bild: Therese Meitinger)
Der CityBot gibt über ein Display Auskunft darüber, mit welcher Aufgabe er gerade beschäftigt ist, und lässt sich mittels Spracheingabe steuern. (Bild: Therese Meitinger)
Therese Meitinger

Ein Fußballstadion scheint auf den ersten Blick nicht unbedingt die naheliegendste Umgebung für zwei autonome Transport- und Serviceroboter zu sein. Und doch drehen seit wenigen Wochen zwei Prototypen des „CityBot“ von Edag ihre Runden im Umfeld „Deutsche Bank Park“, dem Stadion des Bundesliga-Erstligisten Eintracht Frankfurt. Das Ganze ist Teil des Konsortialprojekts „Campus FreeCity“, in dem sich Partner wie Ideengeber Edag, Konsortialführer HOLM (House of Logistics and Mobility) oder EintrachtTech der Entlastung des urbanen Verkehrs und der Logistik verschrieben haben. Dass die Fahrzeuge flexibel Fußballfans befördern oder den Rasen bewässern und perspektivisch auch Stadionkioske mit Waren beliefern und Abfall entsorgen ist als „Erprobung im Reallabor“ Teil zwei des auf 30 Monate angelegten Langfristprojektes.

Vorausgegangen ist dem seit November 2021 Forschungs- und Entwicklungsarbeit bei allen beteiligten Konsortialpartnern, zu denen auch T-Systems International, das Start-up Compredict, die DEKRA und auf der wissenschaftlichen Seite die Hochschule Fulda und die Technische Universität Darmstadt gehören. Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) fördert das Vorhaben mit 10,9 Millionen Euro, Edag steuerte rund fünf Millionen bei.

„Das Projektvolumen war enorm und die Arbeit daran sehr intensiv, was der Größe der Aufgabe entspricht“, resümierte Bent Nowack, Senior Projectmanager Innovations- und Netzwerkmanagement am HOLM, dazu am 13. März auf einer Presseveranstaltung im Stadion.

Holistischer Ansatz mit autonomen Fahrzeug im Zentrum

Man habe einen holistischen Ansatz verfolgt, um ein umfassendes Mobilitätssystem bei dem der CityBot im Mittelpunkt stand, so Nowack weiter. Die F&E-Bereiche reichten von dem Bot selbst und der dazugehörigen IT-Infrastruktur über Teleoperation und die technische Aufsicht, virtuelle Sensoren, Sicherheits- und Zulassungsfragen bis hin zur Begleitung zu ethischen, rechtlichen und sozialen Implikationen. So ist beispielsweise auch ein Bürgerdialog Teil des Projekts, der die Akzeptanz der autonomen Fahrzeuge erfragt.  

Den scheinbaren Widerspruch zwischen dem Testfeld Fußballstadion und dem Einsatz in der urbanen Logistik löste Dr. Oliver Bäcker, Leiter des Digitalzentrums „Arena of IoT“ von EintrachtTech auf:

„Ein Fußballstadion ist ein ideales Testfeld für die Innenstadt, da hier viele vergleichbare Funktionen zum Einsatz kommen, zugleich die Komplexität überschaubar bleibt“, so Bäcker.

Forschungsprojekt als digitaler Leuchtturm

Eintracht Frankfurt sehe das Projekt als digitalen Leuchtturm und als gute Gelegenheit, die Forschung zu betreiben, die nicht am Stadionrand halt mache – gemäß dem Motto „smart stadion, smart city, smart region“. In der Arena of IoT ist auch die „Kommandozentrale“ des Projekts angesiedelt, von der aus die Bots ihre Order sowie ein Monitoring erhalten.

Johannes Barckmann, Edag CityBot Concept & Product Owner bei Edag, gab Einblicke in die Roadmap des Projekts: So ist nach der Erprobung im Reallabor Stadion perspektivisch ein zweites Reallabor im Flughafenvorfeld geplant, das eine etwas erhöhte Komplexität aufweist. Hierzu sei man bereits auf der Suche nach einem Realisierungspartner, bevorzugt einem kleineren Flughafen.

„Bis der CityBot in der Stadt zum Einsatz kommt, ist es allerdings noch ein weiter Weg. Wir rechnen frühestens 2030 damit“, so der „Vater des CityBot“, wie Barckmann sich scherzhaft vorstellte.