Forschungscampus: Arena2036 zeigt fluide Produktion und chaotische Greifer

Auf dem Projektstatustag des Forschungsareals wurde ein Querschnitt durch die Projekte präsentiert. Intralogistik war dabei eines der verbindenden Themen.

Auch eine automatisierte Gepäckübergabe zwischen zwei AMR wurde auf dem Projektstatustag gezeigt. (Bild: Therese Meitinger)
Auch eine automatisierte Gepäckübergabe zwischen zwei AMR wurde auf dem Projektstatustag gezeigt. (Bild: Therese Meitinger)
Therese Meitinger

Der Forschungscampus Arena2036 an der Universität Stuttgart hat sich auf die Fahnen geschrieben, Wirtschaft und Wissenschaft zusammenzubringen – und setzt dabei auf Verbundprojekte, die akademische Organisationen, Start-ups, Mittelstand wie Großunternehmen gemeinsam in Angriff nehmen. Wie das auf dem Areal konkret aussieht, war am 29. September beim Projektstatustag zu erleben: Die Arena2036, die als „Forschungscampus“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt wird, feierte den Übergang von der zweiten in die dritte Förderphase und präsentierte einige der 50 interdisziplinären Projekte vor Ort. Intralogistik war dabei eines der verbindenden Themen.

Von sieben zu sechzig Partnern

„Vordenken für die Themen der Zukunft“ umriss Arena2036-Geschäftsführer Peter Fröschle zu Beginn die Mission des Forschungscampus. Dabei gehe es auch dabei, den Zusammenschluss zwischen Wirtschaft und Wissenschaft immer weiter auszubauen:

„Als wir 2013 mit sieben Partnern in die erste Förderphase gestartet sind, liefen die Projekte in der Regel parallel, in der zweiten Phase haben wir sie zunehmend verknüpft“, so Fröschle.

Die rund 60 Akteure vor Ort sollen in der dritten Phase die Fokusfelder Nachhaltigkeit, Produktion, Mobilität und Konnektivität von vornherein gemeinsam in Angriff nehmen.

„Innovation ist schön und gut, aber sie muss auch im Mittelstand ankommen“, erläuterte auch Dr. Clemens Ackermann, stellvertretender Geschäftsführer der Arena beim Rundgang durch die Exponate. Der Campus ist mit vielen Community-Bereichen so angelegt, dass die Interaktion zwischen den Akteuren vorangertrieben werden soll. Territorienbildung soll vermieden werden. Man „zwinge“ die Beteiligten quasi zum Miteinanderarbeiten, so Ackermannn scherzhaft. Ein Gros der Forschungsmittel stamme dabei von den beteiligten Unternehmen.

Von FlexCAR bis fluide Produktion

Vier Verbundprojekte prägten in der Arena2036 die letzten Jahre: „Agiler Innovationshub“, „Digitaler Fingerabdruck“, „FlexCAR“ und „Fluide Produktion“.  In der fluiden Produktion, an der unter anderem Bosch, Kuka, Peakboard und die Universität Stuttgart beteiligt waren, stand etwa die Entwicklung eines cyberphysischen Produktionskonzepts für die Automobilindustrie im Vordergrund: Ortsflexible Module sollen die Trennung von Wertschöpfung in der Logistik aufheben. Dabei sollte die Rolle des Menschen als zentraler Akteur in der Produktionslandschaft unterstrichen werden. Fünf Teilprojekte reichen von der Planung bis zu Implementierung.

„FlexCAR“, mit Mercedes Benz als Konsortialführer, hatte sich hingegen dem Aufbau einer Plattform für das update- und upgradefähige Fahrzeug der Zukunft verschrieben. Dabei wurden unter anderem Fragen der präzisen Lokalisierung auf Basis von 6G-Sensing und LiDAR untersucht sowie die Frage, wie sich verschiedene Systeme fusionieren lassen. Das dabei entwickelte Prinzip der autonomen Haltestelle, bei der die Gepäckübergabe zwischen zwei autonomen Transportfahrzeugen automatisiert erfolgt, wurde auf dem Projektstatustag ebenso demonstriert wie ein Ausweichmanöver einer AMR mit einem Plüscheinhorn.

Wie Start-ups und Großunternehmen im Rahmen des Forschungscampus zusammenarbeiten, zeigte das Beispiel von Sereact: Das Stuttgarter KI-Start-up entwickelte für die Produktion von Daimler Trucks einen „chaotischen Greifer“: Ein mit verschiedenen Saugnäpfen ausgestatteter Greifer ist dabei mithilfe einer Computer-Vision-Lösung in der Lage, verschiedene Objekte ohne vorheriges Einteachen aus einer Kiste zu heben.

„Die Künstliche Intelligenz hinter der Kamera sieht sich den Content in der Kiste an und ordnet ihr, je nach Gewicht, einen oder mehrere Saugnäpfe zu“, erklärte Jan Eilers, Software Engineer bei Sereact.

Die KI lerne auch, an welcher Stelle sie die Saugnäpfe am besten ansetzt.