Fashionlogistik: Versandhändler Klingel macht dicht

Das in Schieflage geratene Unternehmen konnte keinen Investor für eine Sanierung finden.

Die in die Insolvenz gerutschte Klingel Gruppe gibt ihren Geschäftsbetrieb im Januar 2024 auf. (Symbolbild: Doc Rabe/AdobeStock)
Die in die Insolvenz gerutschte Klingel Gruppe gibt ihren Geschäftsbetrieb im Januar 2024 auf. (Symbolbild: Doc Rabe/AdobeStock)
Sandra Lehmann

Der Pforzheimer Versandhändler Klingel ist insolvent und stellt seine Geschäftstätigkeit Ende Januar 2024 ein. Das teilte das auf Fashion spezialisierte Unternehmen am 28. August 2023 in einer Pressemeldung mit. Demnach konnte trotz intensiver Bemühungen kein Investor für die in Schieflage geratene Klingel Gruppe als Ganzes gefunden werden. Der Multichannel-Distanzhändler befindet sich seit Mai 2023 in einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Hauptgesellschaft der Unternehmensgruppe ist die K - Mail Order GmbH & Co. KG. Die Geschäftsaktivität der Schneider GmbH & Co. KG ist von der Einstellung des Geschäftsbetriebs nicht betroffen. Das Ende der Geschäftstätigkeit der Hamburger Tochterfirma Impressionen wurde bereits vor dem Insolvenzantrag der Klingel Gruppe beschlossen.

In den kommenden Monaten können Kunden Klingel zufolge ihre Bestellungen weiter aufgeben und werden ihre Waren erhalten. Auch die Abwicklung von Retouren sowie alle sonstigen Serviceleistungen seien bis ins Frühjahr 2024 sichergestellt. Sämtliche Lieferanten und Dienstleister des Eigenverwaltungsverfahrens würden weiterhin bezahlt.

Laut dem Unternehmen gibt einige Interessenten, die einzelne Marken und Onlineshops der Klingel Gruppe weiterführen und ab Anfang 2024 unter eigener Regie weiterbetreiben wollen. Hierzu laufen derzeit Gespräche mit strategischen Investoren über den Erwerb der Markenrechte, Onlineshops, Kundenlisten und aller sonstigen Vermögenswerte. Einen Betriebsübergang werde es dabei nicht geben.

Keine positive Geschäftsentwicklung in Sicht

Gemeinsam mit Branchenexperten erarbeitete die Geschäftsführung der Klingel Gruppe in den vergangenen Monaten verschiedene Sanierungskonzepte. Viele Maßnahmen wurden seit Frühjahr 2023 umgesetzt oder vorbereitet. Für die Repositionierung des Geschäftes wurden Investorenkonzepte erarbeitet sowie neue Geschäftsfelder eruiert. Trotz erheblicher Kostenreduktionen erzielt die Unternehmensgruppe nach Eigenangaben aber weiterhin Verluste. Da die in 2023 eingeleiteten Maßnahmen überwiegend erst in 2024 wirken, sei im aktuellen Geschäftsjahr kein Break-even zu erreichen.

Von der rückläufigen Branchenentwicklung sei die Klingel Gruppe mit einem zweistelligen Umsatzrückgang überproportional betroffen. Zudem habe die Umstellung der IT-Systeme, die im zweiten Halbjahr 2022 umgesetzt wurde, den Geschäftsbetrieb erheblich beeinträchtigt und die Umsatz- sowie Ergebnisentwicklung in den ersten Monaten 2023 zusätzlich belastet. Darüber hinaus werde sich das Umsatzniveau der Gruppe aufgrund der anhaltend schwierigen konjunkturellen und branchenwirtschaftlichen Situation kurz- bis mittelfristig nicht ausreichend verbessern. Auch mit umfassenden Kostenmaßnahmen sei keine Alleinfortführung für die Unternehmensgruppe möglich.

Sozialplan für die Beschäftigten

Wie Klingel berichtet, haben die Verantwortlichen im Unternehmen mit den mehr als 1.300 Arbeitnehmern Gespräche geführt und einen Sozialplan sowie einen Interessenausgleich erstellt. Damit seien sozialverträgliche Lösungen für die Beschäftigten erzielt worden. Zudem werden die Mitarbeiter bei der Jobsuche unterstützt.

Die Geschäftsführung des Versandhändlers sagt:

„Wir haben in den vergangenen Monaten zahlreiche Maßnahmen ergriffen und alle Sanierungsoptionen für die Klingel Gruppe geprüft. Für den Erhalt der Gruppe als Ganzes hätten wir einen finanzstarken Investor gebraucht, aber leider gibt es keine Investorenlösung, sodass die Einstellung des Betriebs beschlossen wurde. Diese Entscheidung ist uns allen nicht leichtgefallen, aber es gibt leider keine Alternative. In den kommenden Monaten werden wir im Interesse der Gläubiger, der Kundinnen und Kunden sowie der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Eigenverwaltungsverfahren bestmöglich fortführen.“

CRO Marcus Katholing und CFO Cord Henrik Schmidt werden das Unternehmen in den kommenden Monaten leiten. CEO Dr. Sven Axel Groos und CDO Sven Christian Andrä verlassen die Gruppe.

Abverkauf der Herbst/Winterkollektion hat begonnen

Das vom Amtsgericht Karlsruhe am 1. August 2023 eröffnete Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung laufe unterdessen weiter. Der Multichannel-Distanzhändler wird den Geschäftsbetrieb im Rahmen des Verfahrens fortsetzen. Hierbei wird das Unternehmen weiterhin von der Restrukturierungsgesellschaft Pluta unterstützt. Als Sachwalter ist Rechtsanwalt Martin Mucha von der überregional tätigen Kanzlei Grub Brugger tätig. Er begleitet die Eigenverwaltung im Interesse der Gläubiger. Die Gehälter der Mitarbeiter seien für die kommenden Monate gesichert, Geschäftspartner erhielten weiter ihre Zahlungen. Die Unternehmensgruppe werde sich in den kommenden Monaten darauf fokussieren, die Herbst/Winter Kollektion 2023/2024 zu verkaufen. Dazu werden bis voraussichtlich Ende Januar kommenden Jahres die bestehenden Online- und Print-Vertriebskanäle unverändert fortbetrieben.