Fashionlogistik: Transportmarkt für die Modeindustrie erholt sich

Lage in den Häfen hat sich laut Softwareanbieter Setlog entspannt und die Nachfrage nach Güterzügen über die neue Seidenstraße steigt.

Läuft wieder: Der Transportmarkt für Bekleidung hat sich in den vergangenen Wochen erholt, wie der Softwareanbieter Setlog berichtet. (Symbolbild: Sgursozlu/Fotolia)
Läuft wieder: Der Transportmarkt für Bekleidung hat sich in den vergangenen Wochen erholt, wie der Softwareanbieter Setlog berichtet. (Symbolbild: Sgursozlu/Fotolia)
Sandra Lehmann

Die Lage auf dem Transportmarkt für Fashionprodukte erholt sich langsam. Das teilte der Softwareanbieter Setlog, Bochum, Anfang Juni mit. Demnach sei zwar die Situation in Sachen Lagerhaltung und Absatz der Waren nach wie vor für viele Anbieter schwierig, bezogen auf den reinen Transport spüren laut Setlog jedoch etliche Unternehmen Entspannung:

„Kunden berichten uns über Verbesserungen bei allen Verkehrsträgern - und Daten aus unserer SCM-Software OSCA bestätigen dies“, berichtet Ralf Düster, Vorstand des Softwarespezialisten Setlog.

Im Landverkehr profitieren die Textilspeditionen dem Unternehmen zufolge von einer Entscheidung der türkischen Regierung Mitte Mai: Die allgemeinen Quarantäne-Vorschriften für Lkw-Fahrer, die nicht aus der Türkei stammen, sind gekippt worden.

„Somit sind Fahrerwechsel an der Grenze zur Türkei glücklicherweise hinfällig“, betonte Leonhard Kiel, Geschäftsführer der auf Modetransporte spezialisierten Spedition Barth + Co. und Vorstandsmitglied des Fashionnetzwerks „DialogTextil-Bekleidung“(DTB), vor Kurzem gegenüber Setlog. Bekleidung sei jetzt wieder schneller unterwegs als zu Beginn der Covid-19-Pandemie. „Stabil läuft auch die Fährverbindung zwischen Istanbul beziehungsweise Izmir und dem italienischen Hafen Triest“ berichtet Logistikexperte Kiel.

Ins Rollen kämen darüber hinaus die Transporte in die andere Richtung. Das hieße konkret: Lkw mit Stoffen aus den norditalienischen Webereien, die in Richtung Türkei und Osteuropa transportiert werden, wo viele Fashionmarken ihre Kollektionen nähen lassen. Seit Mitte Mai läuft die Stoffproduktion in Norditalien langsam an.

„Die Transportvolumina sind unseren Kunden zufolge allerdings sehr gering im Vergleich zur Zeit vor dem Lockdown. Aktuell werden viele Restaufträge aus der Zeit vor der Pandemie abgearbeitet. Die Volumina sind deshalb niedrig, weil Aufträge storniert wurden“, so Düster.

So läuft’s bei den anderen Verkehrsträgern:

Luftfracht:

Nachdem im März und April Luftfrachtlieferungen von Masken und Schutzkleidung aus China die Raten im Aircargo-Bereich steigen ließen, ebbt dieses Geschäft jetzt nach Setlog-Angaben ab. Die Abfertigung laufe stabil, die Frachtraten seien leicht gesunken. Dennoch geht aus den Daten von Setlog hervor, dass die Preise für Warentransporte aus dem Reich der Mitte noch etwa das Dreifache im Vergleich zum Jahresanfang betragen. Zum Vergleich: Am 12. März betrugen sie laut dem Softwareanbieter noch mehr als das Fünffache.

Schienengüterverkehr:

Gut gebucht werden Setlog zufolge die Güterzüge auf der neuen Seidenstraße. Daher raten Spediteure ihren Kunden bereits zwei Wochen im Voraus Kapazitäten zu reservieren. „Der große Vorteil dieser Transportoption: Im Vergleich zur Seefracht vergehen beim Transport auf der Schiene zwischen China und Hamburg aktuell nicht 32 oder mehr Tage, sondern nur 18“, berichtet Patrick Merkel, Geschäftsführer des 4PL-Unternehmens Prologue Solutions in Hamburg. Trotz der etwas steigenden Nachfrage seien die Raten pro Container relativ stabil. Im Vergleich zur Luftfracht etwa seien die Raten für den Schienentransport auf der neuen Seidenstraße im Schnitt 50 Prozent günstiger.

Seefracht:

Nachdem sich zu Beginn der Covid-19-Pandemie leere und volle Container in China stauten, habe sich die Lage in den Häfen entspannt. „Aufgrund von Verzögerungen bei den Hafenaufenthalten, langsamer als normal fahrender Schiffe und pausierender Services dauert aber beispielsweise der Transport eines Containers von Schanghai nach Hamburg aktuell 32 bis 34 Tage“, berichtet Logistikexperte Patrick Merkel. Vor der Coronakrise seien 28 bis 30 Tage die Regel gewesen. Die Buchungslage sei Anfang Juni fast wieder auf Vorjahresniveau angekommen. Weltweit haben die Reeder laut Setlog aber die Kapazitäten heruntergefahren. Einem Bericht des Verbandes Deutscher Reeder (VDR) zufolge sind derzeit 11,3 Prozent der weltweiten Containerflotte ungenutzt. Das heißt: 524 Schiffe mit einer Tragfähigkeit von 2,65 Millionen 20-Fuß-Standardcontainern (TEU) sind nicht auf See unterwegs, sondern liegen vor den Häfen auf Reede, meistens in Asien.

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