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Fashionlogistik: Modehändler kommen an ihre Fulfillment-Grenzen

Lieferzeiträume sind einer Studie zufolge 2018 deutlich gestiegen.

Viele Online-Modehändler konnten ihre Lieferversprechen 2018 nicht einhalten - auch weil es in der Logistik hakt. (Symbolbild; Foto: Highwaystarz/Adobe Stock)
Viele Online-Modehändler konnten ihre Lieferversprechen 2018 nicht einhalten - auch weil es in der Logistik hakt. (Symbolbild; Foto: Highwaystarz/Adobe Stock)
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Sandra Lehmann

Die Modeindustrie kommt in Sachen Online-Fulfillment und Lieferung an Endkunden zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen. Das geht aus einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Kurt Salmon, einem Teil von Accenture Strategy, hervor. Bei mehr als 60 deutschen Fashion-Händlern und Marken wurden dafür Bestellungen aufgegeben, retourniert und analysiert. Betrug die Lieferzeit vor Weihnachten 2017 noch rund 3,1 Tage, so mussten Kunden im Vergleichszeitraum 2018 etwa 4,8 Tage auf ihre Pakete warten.

„Die Ergebnisse bestätigen, was manche schon im Vorfeld befürchtet haben. Handel, Marken und Dienstleister sind mit ihrem Fulfillment vielfach nicht darauf vorbereitet, die hohen und weiter steigenden Kundenerwartungen an die Lieferzeit bei gleichzeitig wachsenden E-Commmerce-Mengen erfüllen zu können“, erklärt Dr. Sven Kromer, Partner bei Kurt Salmon.

Auf längere Wartezeiten mussten sich dem Beratungsunternehmen zufolge auch Nutzer von Click & Collect-Services einstellen. Hier stieg die Lieferzeit von drei Tagen in 2017 auf fünf Tage im vergangenen Jahr.

„Mehr als 90 Prozent der Händler kommissionieren dabei die Waren für E-Commerce-Aufträge weiterhin im Logistikzentrum. Pick & Pack in der Filiale würde die Lieferzeiten deutlich verkürzen. Dafür müssen aber in der Filiale Kapazitäten geschaffen sowie die Prozesse und Anreize klar definiert werden. Zudem stellt die ungenügende Transparenz über Filialbestände oftmals noch eine Hürde dar“, so Kromer weiter.

Zudem kamen nur rund 60 Prozent der georderten Pakete rechtzeitig innerhalb des angegebenen Lieferfensters an. Ein Viertel der Händler hingegen gab bereits bei Bestellung eine verlängerte Lieferzeit an oder entschuldigte sich für eine voraussichtliche Verzögerung. Ein Drittel von diesen konnte die verlängerte Lieferzeit laut Kurt Salmon trotzdem nicht einhalten.

Die Gründe für die aktuellen Kapazitätsengpässe liegen nach Angaben des Beraters vor allem in der Logistik der Modeunternehmen begründet.

„Lieferzuverlässigkeit und -schnelligkeit sind die zentralen Herausforderungen. Ursächlich dafür sind sowohl die Kapazitätsprobleme in den Lägern als auch auf der letzten Meile. In den vielfach manuell betriebenen Lägern fehlen Arbeitskräfte, die Automatisierung hinkt hinterher. Gleiches gilt bei der letzten Meile – nur, dass hier die Automatisierung noch nicht serienreif ist und zudem das Infrastrukturproblem nicht löst. Dort fehlen intelligente Systeme, die die individuellen Präferenzen und Zahlungsbereitschaften der Kunden viel besser berücksichtigen. Wenn ich einen Flug buche, bekomme ich nach zwei Minuten schon wieder einen anderen Preis angezeigt, aber in der Logistik gibt es maximal eine Flatrate, Standard und Express“, erläutert Kromer gegenüber LOGISTIK HEUTE.

Wie die Studie nahelegt, sei Echtzeit-Bestandstransparenz entlang der logistischen Kette ein wesentlicher Hebel, um die Kosten und Leistung in der Supply Chain zu optimieren. Händler haben dies erkannt und deutlich investiert: Während 2017 nur 28 Prozent der Modeanbieter in der Lage gewesen seien, im Online-Shop die Verfügbarkeit eines Artikels in der gewählten Farbe und Größe in einer Filiale anzuzeigen, kann dies mittlerweile bei fast jedem zweiten Händler aufgerufen werden. Jeder fünfte Shop gibt zudem die genaue Menge an oder zumindest ob viele oder wenige Artikel in der Farbe und Größe verfügbar sind.

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