Fashionlogistik: Lieferverzögerungen von durchschnittlich 20 Tagen erwartet

Laut dem Softwareanbieter Setlog wird die Lage für Fashionanbieter, die aus China beliefert werden, ab Juli eng.

Wer als Modehändler Ware aus China bezieht, muss laut dem Softwarehaus Setlog aufgrund der Coronavirus-Krise rund 20 Tage Wartezeit in Kauf nehmen. (Symbolbild: Floraldeco/Adobe Stock)
Wer als Modehändler Ware aus China bezieht, muss laut dem Softwarehaus Setlog aufgrund der Coronavirus-Krise rund 20 Tage Wartezeit in Kauf nehmen. (Symbolbild: Floraldeco/Adobe Stock)
Sandra Lehmann

Die rasche Ausbreitung des Coronavirus hat schon jetzt Folgen für die deutsche Fashionwirtschaft: Wie das auf Supply Chain Management-Software spezialisierte Unternehmen Setlog am 16. März mitteilte, konnte mithilfe des hauseigenen Tools „OSCA“ berechnet werden, dass die Lieferverspätungen für Waren aus Asien derzeit im Durschnitt 20 Tage betragen. Zudem sei der Höhepunkt dieser Verspätungswelle noch nicht erreicht. Das Unternehmen aus Bochum prognostiziert nach eigenen Angaben für die Sommermonate vereinzelte Verspätungen von bis zu 50 Tagen. Nach derzeitigem Stand werde die Lage für Unternehmen, die insbesondere aus China beliefert werden oder Rohwaren von dort für ihre Produktionen beziehen, ab Juli besonders eng.

Produktion aus China lahmt

Nach Informationen von Setlog konnten viele Betriebe im Reich der Mitte nach dem Ende der chinesischen Neujahrs-Ferien am 11. Februar die Produktion nicht oder zumindest nicht wie gewohnt aufnehmen. Ursache dafür war laut dem Softwarehaus unter anderem, dass Sublieferanten der chinesischen Hersteller aufgrund der Pandemieauswirkungen Rohwaren wie etwa Stoffe, Zutaten oder Komponenten nicht liefern konnten. Ein weiterer Grund für Lieferengpässe: In einigen chinesischen Häfen fehlen aufgrund der Viruskrankheit Arbeiter und Fahrer, sodass sich Container stauen und nicht ins Inland befördert werden können. Somit könnten sowohl Roh- als auch Fertigwaren nicht in andere asiatische Produktionsländer und nach Europa auf den Weg gebracht werden.

Auswertung von Lieferketten

Für die Analyse wertete Setlog nach eigenen Angaben die Lieferketten von mehr als 100 Fashionmarken und deren Supply Chain-Partnern aus. Die Auswertung datiert vom 12. März.

2019 waren Setlog zufolge nach Chinese New Year die Lieferungen Ende Februar wieder auf normalem Niveau. Derzeit liege der Wert bei 70 Prozent des Vorjahrs. Erst langsam erhole sich die Lage. Die Bochumer Supply Chain-Experten beobachteten laut eigenen Aussagen auch Verzögerungen von Produktionsaufträgen in Südosteuropa. Vereinzelt meldeten Lieferanten aus der Türkei, Rumänien und Italien, dass später als ursprünglich geplant produziert werde. Wegen der besonders kritischen Lage in Italien sind für die Woche vom 9. bis zum 15. März im Setlog-System OSCA keine Lieferung aus dem südeuropäischen Land verzeichnet worden, so der Softwareanbieter in einer Pressemeldung.

Umstieg von See- auf Luftfracht

Setlog berichtet zudem, dass einige deutsche Firmen für Lieferungen aus China von See- auf Luftfrachttransporte umgestiegen sind. Dafür hätten sie aufgrund der starken Nachfrage auf dem Spotmarkt für Air Cargo im Vergleich zum Vorjahr mitunter das Fünffache bezahlen müssen. Nicht nur die erhöhten Frachtkosten machen vielen Fashionspezialisten derzeit zu schaffen, sondern auch die nachlassende Nachfrage. Weil Verbraucher zuhause bleiben und sich eher Lebensmittel als Hemden und Hosen zulegen, leiden viele Anbieter unter rückläufigen Verkäufen, heißt es aus Bochum.

„Wir befürchten, dass es nach der Entspannung der Krankheitslage in China zu anderen Problemen kommen könnte. Sobald die Fabriken die Kapazitäten hochfahren, besteht Gefahr, dass nicht alle auf Standards im Bereich Qualität und Corporate Social Responsibility achten”, sagt Setlog-Vorstand Ralf Düster. Er rechnet zudem damit, dass es zu einer Verknappung der Transportkapazitäten kommen wird, zuerst im Reich der Mitte, später in anderen asiatischen Ländern. „Es ist wichtig, dass Unternehmen so früh wie möglich Transporte in den Wochen buchen, die als besonders kritisch gelten”, so Düster.

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