Fashionlogistik: Corona wirbelt Prozesse durcheinander

Modehändler S. Oliver skizzierte die Auswirkungen der Viruskrise auf dem 29. Deutschen Materialfluss-Kongress.

Wie Fashionlogistiker mit der Coronakrise umgehen, erläuterte Werner Hortig von der Freier Logistics Group im Rahmen des 29. Deutschen Materialfluss-Kongresses am 18. März. (Symbolbild: Naypong Studio/Adobe Stock)
Wie Fashionlogistiker mit der Coronakrise umgehen, erläuterte Werner Hortig von der Freier Logistics Group im Rahmen des 29. Deutschen Materialfluss-Kongresses am 18. März. (Symbolbild: Naypong Studio/Adobe Stock)
Sandra Lehmann

Wie gehen Fashionlogistiker mit den Veränderungen durch die Covid-19-Pandemie um? Unter anderem dieser Frage ging der 29. Deutsche Materialfluss-Kongress nach, der am 18. März 2021 rein digital über die Bühne ging. Dazu hatte der Veranstalter, der Lehrstuhl für Fördertechnik Materialfluss Logistik der Technischen Universität München, Werner Hortig, Managing Director der Freier Logistics Group, der Logistik-Tochter des Modehändlers S. Oliver, eingeladen.

Zu wenig Pufferkapazität, teure Frachtraten

Hortig erläuterte im Rahmen seines Vortrags, wie der Fashionanbieter mit Sitz in Rottendorf seine Logistik und seine Lieferkettenprozesse durch die Coronapandemie umstellen musste. Dabei habe es an fast allen wichtigen Punkten der Supply Chain Veränderungen gegeben. „Dinge, die wir vorher für unvorstellbar gehalten haben, zum Beispiel den Termin für den Abverkauf unserer Ware im Showroom zu verschieben, waren auf einmal Realität. Gleiches galt für die Punkte Lieferwege und Termintreue. Auch hier waren wir gezwungen die durch Covid-19 verursachten Engpässe und Verschiebungen in unsere Supply Chain einzubauen“, so Hortig im Rahmen des Kongresses. Unter anderem hätte das Unternehmen kompensieren müssen, dass inmitten der stärksten Saison, im Frühjahr 2020, keine Ware an Geschäfte hätte ausgeliefert werden können. Da S. Oliver im Zentrallager in Rottendorf über nur wenige Pufferflächen für Warenüberhänge verfügt, mussten zusätzliche temporäre Lagerflächen angemietet werden, wie Hortig skizzierte.

Im Sommer und Herbst vergangenen Jahres seien darüber hinaus knappe See- und Luftfrachtkapazitäten, steigende Transportraten sowie fehlende Leercontainer als Herausforderungen hinzugekommen. Im Winter belastete das Unternehmen laut Hortig zusätzlich der zweite Lockdown, der erneut zu geschlossenen Geschäften führte. Diese Sachlage habe das Unternehmen nur mit zusätzlichen Investitionen und Ad-hoc-Reaktionen bewältigen können.

„Als Resümee aus dem Jahr 2020 nehmen wir mit, dass uns fast nichts mehr überraschen kann, aber auch, dass funktionierende Lieferketten längst keine Selbstverständlichkeit mehr sind. Im Gegenteil, globale Supply Chains werden zunehmend zum Risiko für das eigene Geschäft. Deshalb müssen wir alle daran arbeiten, dass Warenströme – wo notwendig – wieder robuster und weniger störungsanfällig werden“, erläuterte Hortig abschließend.

Mehr zum 29. Deutschen Materialfluss-Kongress lesen Sie auch in Ausgabe 4/2021 von LOGISTIK HEUTE, die am 21. April erscheint.

Wissenswertes zum Umgang von Fashionanbietern und -logistikern mit der Coronapandemie erfahren Sie auf dem digitalen LOGISTIK HEUTE-Fachforum „Fashionlogistik im Wandel: Für die Zukunft aufgestellt“, das am 18. Mai von 9:30 bis 13:00 Uhr stattfindet.

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