Fahrermangel: „2023 werden Speditionen zunehmend asiatische Fahrer anwerben“

Marc Boileau, Senior Vice President Sales, Network & Operations EMEA des Plattformanbieters FourKites, gibt seine Prognose zu der größten Logistik-Herausforderung im Jahr 2023.

Was hilft gegen den Fahrermangel? (Symbolbild: Littlewolf1989 / AdobeStock)
Was hilft gegen den Fahrermangel? (Symbolbild: Littlewolf1989 / AdobeStock)
Therese Meitinger

 „Die hauptsächliche Herausforderung, denen sich europäische Spediteure gegenübersehen, ist der Fahrermangel. Einige Schätzungen gehen von bis zu 500.000 fehlenden Fahrern aus. Die Situation wird auch in 2023 anhalten, da der Druck, Güter so schnell wie möglich zuzustellen, zunehmen wird. Lkw transportieren bereits 77 Prozent des im Landverkehr transportierten Frachtvolumens in der Europäischen Union.“

„Die fehlende Kapazität ist auf die Coronapandemie zurückzuführen und darauf, dass viele Fahrer zurückberufen wurden, um im Ukrainekrieg zu kämpfen.“ 

Zugleich erreichen immer mehr europäische Fahrer das Rentenalter, während jüngere Menschen sind nicht für eine Laufbahn im Transportgewerbe interessieren.“

„2023 wird ein Trend zu beobachten sein, der dahin geht, dass Spediteure zunehmend Fahrer aus Asien, Indien und den Philippinen anwerben, um in Europa zu fahren. In diesen Ländern gibt es bereits einen großen Pool von gut ausgebildeten Fahrern, die Spediteuren, die Fracht durch Europa transportieren wollen, Mehrwert bieten können.“

„Spediteure werden mit Anwerbeagenturen zusammenarbeiten, um die Fahrer nach Europa zu bringen. Außerdem müssen Spediteure bereit sein, Zeit und Geld zu investieren, um asiatische Fahrer auszubilden. Der daraus erzielte Return on Investment wird sich aber für viele Spediteure lohnen.“  

„Ein weiterer Lösungsansatz, der für Spediteure infrage kommt, ist in die Ausbildung junger und unerfahrener Fahrer zu investieren. Je schneller sie einen Führerschein bekommen, desto schneller können sie Teil des Fahrer-Pools werden.“  

„Viele Unternehmen suchen aber nach Fahrern mit mehreren Jahren Berufserfahrung – um diesen Schritt zu umgehen.“