Fachkräftemangel: Wechselwilligkeit ist in Logistik und Gesundheitsbereich am größten

Laut dem Frontline Workforce Insights Report 2024 von Beekeeper nennen Arbeiter unterbesetzte Schichten (40 Prozent), fehlende Anerkennung (22 Prozent) und mangelhafte teamübergreifende Kommunikation (19 Prozent) als wichtigste Faktoren, die die Produktivität zum Stocken bringen.

Niedrige Gehälter sind laut einer Studie von Beekeeper für fast die Hälfte der Mitarbeiter in systemrelevanten Berufen der größte Stressfaktor im Job. (Symbolbild; Foto: industrieblick/AdobeStock)
Niedrige Gehälter sind laut einer Studie von Beekeeper für fast die Hälfte der Mitarbeiter in systemrelevanten Berufen der größte Stressfaktor im Job. (Symbolbild; Foto: industrieblick/AdobeStock)
Gunnar Knüpffer

Laut einer Studie von Beekeeper haben in den vergangenen zwölf Monaten 31 Prozent der Arbeitskräfte in der Logistik in der Region DACH ihren Job gewechselt. Das geht aus dem Frontline Workforce Insights Report 2024 hervor, den diese Mitarbeiter-App am 18. Januar veröffentlichte. Für seinen Report befragte Beekeeper weltweit 8.000 Personen in verschiedenen systemrelevanten Wirtschaftsbereichen (Frontline-Mitarbeiter, Führungskräfte und Mitarbeiter der Hauptverwaltung), davon 3.700  in der DACH-Region.

Zwar haben im DACH-Raum 2023 weniger Menschen in systemrelevanten Berufen den Job gewechselt als weltweit (41 Prozent), die Quote liegt aber dennoch bei 29 Prozent – was also in etwa jedem Dritten entspricht.

„Am stärksten ausgeprägt war die Wechselwilligkeit im Gesundheits- sowie im Logistikbereich“, sagte Cristian Grossmann, CEO & Co-Founder von Beekeeper. „Also Branchen, die schon lange wegen Arbeitsbedingungen und Bezahlung im Fokus stehen.”  

Für knapp die Hälfte der Arbeiter in systemrelevanten Berufen in der DACH-Region (49 Prozent) sind laut dem Report niedrige Gehälter angesichts der Inflation der größte Stressfaktor im Job. Dahinter folgen unterbesetzte Schichten (31 Prozent) und Sicherheit am Arbeitsplatz (25 Prozent).

Parallel zu den Arbeitern in sogenannten „Frontline“-Berufen hat Beekeeper auch deren Management befragt, und zwar nach dessen Erwartungen, was die Arbeiter antworten würden. Während Erwartungshaltung und Wirklichkeit sich in der Frage nach den Stressfaktoren weitestgehend decken, klafft bei den größten Produktivitätskillern eine große Lücke: Hier erwartete eine Mehrheit der Manager schlechte Arbeitsmoral (49 Prozent), unklare Teamziele (42 Prozent) und fehlende Trainings (33 Prozent) an der Spitze. Tatsächlich nannten die Arbeiter aber unterbesetzte Schichten (40 Prozent), fehlende Anerkennung (22 Prozent) und mangelhafte teamübergreifende Kommunikation (19 Prozent) als wichtigste Faktoren, die die Produktivität zum Stocken bringen.

„Die Zahlen zeichnen ein eindeutiges Bild von der Entfremdung zwischen Arbeitern und Managern in systemrelevanten Berufen. Vor allem, wenn es um Produktivitätskiller geht. Gerade in Anbetracht des anhaltenden Fachkräftemangels eine alarmierende Entwicklung“, sagte Grossmann. „Das erhöht die Frustration und kann im schlimmsten Fall zu einem Jobwechsel führen, was die Situation in diesen Berufen weiter verschlechtert. Ein Teufelskreis, der vor allem in fehlender Kommunikation begründet liegt.“

Dort müssten die Unternehmen ansetzen.

Als größte Motivation nannten übrigens 41 Prozent der Arbeiter eine gute Arbeitsatmosphäre. Dahinter folgen die Einstellung, die Arbeit einfach erledigt zu bekommen mit 32 Prozent sowie positives Kundenfeedback mit 29 Prozent. Dabei lagen die Erwartungshaltung des Managements und die tatsächlichen Antworten der Arbeiter deutlich näher beieinander als noch bei den produktivitätshemmenden Einflüssen.