EXCHAiNGE: Wie man Risiken in der Supply Chain senkt

Vertreter von Thyssenkrupp, Siemens, Sunato und Pulpo WMS diskutierten im Rahmen der Konferenz über Strategien für eine resiliente Lieferkette.

Die EXCHAiNGE-Session „Resilienz in der Supply Chain – Innovationen für Widerstands- und Reaktionsfähigkeit“ drehte sich um Strategien für resiliente Lieferketten. (Screenshot: Euroexpo)
Die EXCHAiNGE-Session „Resilienz in der Supply Chain – Innovationen für Widerstands- und Reaktionsfähigkeit“ drehte sich um Strategien für resiliente Lieferketten. (Screenshot: Euroexpo)
Sandra Lehmann

Die Coronapandemie, Handelskriege, der drohende Brexit und klimaabhängige Katastrophen wie die Rekordhitzewelle von 2019 haben Lieferketten rund um den Globus in Mitleidenschaft gezogen. Mit diesem Fazit stieg Dr. Volker Hillebrand, Principal bei dem Beratungsunternehmen Höveler Holzmann und Moderator der diesjährigen Konferenz EXCHAiNGE, in die Session „Resilienz in der Supply Chain – Innovationen für Widerstands- und Reaktionsfähigkeit“ ein, die am 10. November im Rahmen des digitalen Events über die Bühne ging. Gemeinsam mit Vertretern von Thyssenkrupp, Siemens, Sunato und Pulpo WMS diskutierte der Berater im Anschluss über Strategien, um die eigene Lieferkette unabhängiger von Krisensituationen zu machen.

Fünf Bausteine für die resiliente Supply Chain

Ilse Henne, Chief Transformation Officer bei Thyssenkrupp Material Services, stellte im Rahmen der Fachsequenz fünf Bausteine für eine resilientere Supply Chain beziehungsweise ein widerstandsfähiges Lieferkettennetzwerk vor. Dazu zählt für die Digitalexpertin unter anderem die zunehmende Komplexität in Lieferprozessen durch digitale Mittel und Anwendungen aus dem Bereich Industrie 4.0 zu bewältigen. Dabei ist es laut Henne relevant Komplexität nicht senken zu wollen, sondern damit produktiv umzugehen. Als weitere Schritte hin zu einer robusten Lieferkette empfahl die gebürtige Belgierin außerdem auf Datentransparenz und Vernetzung zu setzen, den Überblick über den Plan-Ist-Loop zu behalten, smarte Technologien etwa aus dem Bereich des Tracking und Tracing zu nutzen, ein kundenorientiertes Lieferkettenmanagement anzubieten und KI-basierte Lösungen einzusetzen.

Sven Markert, Head of Supply Chain bei der Siemens AG, erläuterte den Teilnehmern der digitalen Session zunächst, das die bis dato sehr gut funktionierende globale Supply Chain des Unternehmens durch Covid-19 stark in Mitleidenschaft gezogen worden sei. Aus dieser Krise habe das Unternehmen gelernt, dass eine robuste Lieferkette insbesondere auf der Unternehmenskultur und einer entsprechend eingestellten Mitarbeiterschaft fußt.

„Resilienz braucht eine ergebnisorientierte Kultur starker Mitarbeiter von global zu glokal“, so Markert im Rahmen der Session.

Während des Lockdowns habe sich das Unternehmen deshalb entschieden, die aktuellen Herausforderungen für die Lieferkette zunächst zu analysieren und zu bewerten und anschließend regionale Task-Force-Teams an den verschiedenen Siemensstandorten aufzubauen. Damit einhergehend habe der Konzern auch den Wechsel von einer hierarchischen Entscheidungsfindung hin zur Entscheidungsbefugnis für lokale Mitarbeiter vollzogen.

„Das Vertrauen in unserer Belegschaft und die Umstellung von Entscheidungswegen hat im Siemens Netzwerk auch dazu beigetragen, die Geschwindigkeit zu steigern. Das wird uns auch in kommenden Krisen helfen.“

Wie wichtig die richtige Datenbasis für eine resiliente Supply Chain sein kann, war Thema des kurzen Impulsvortrags von Lorenz Goebel, CEO des IT-Anbieters Connectyd by Sunato GmbH.

„Maximale Automatisierung der Datenströme ist ein wesentlicher Grundbaustein für Agilität und Widerstandsfähigkeit“, sagte Goebel in Frankfurt am Main, wo die Liveschalte der Session stattfand.

Aus Sicht des Experten beschleunigt die Coronakrise die Notwendigkeit Webshops schnell an die weltweite Logistik anzuschließen und automatisierten Austausch von Daten zu ermöglichen. Darüber hinaus müssen Altsysteme in der Krise nun schnell in neue Systemnetzwerke integriert werden.

„Wer eine funktionierende Datenautobahn etabliert und das Schnittstellenchaos beseitigt hat, kann sehr viel schneller als bisher auf sich verändernde Bedingungen reagieren und auch rasch Partner auf eigene Netzwerk aufschalten“, erläuterte Goebel.

Dass Transformation und Digitalisierung nicht nur im Lieferkettennetzwerk eine Rolle spielen, sondern auch in der Lagerlogistik umgesetzt werden müssen, erklärte Philipp Thyben, COO der Pulpo WMS Germany GmbH. Aus Thybens Sicht ist vor allem die Nutzung offener Schnittstellen notwendig, um den Bestand von Lagern schneller synchronisieren und externe Lager schneller anbinden zu können. Als wichtigsten Trend in der Krise sieht der Logistikfachmann die kollaborative Nutzung von Lagerkapazitäten im Sinne einer Shared Economy, um Flächenengpässen und Volumenschwankungen besser begegnen zu können.