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EXCHAiNGE: Humanitäre Logistik macht kleine Fortschritte

Übernahme von Methoden aus der kommerziellen Logistik gestaltet sich aber als schwierig.
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Thilo Jörgl

Verbesserungen in der humanitären Logistik kommen aufgrund der schwierigen Bedingungen in Katastrophengebieten nur langsam voran. So lautete der Tenor des Panels „humanitäre Logistik“ am Eröffnungstag der Konferenz EXCHAiNGE, die vom 24. bis 25. Juni im Kap Europa in Frankfurt/Main stattfand. Prof. Dr. Bernd Hellingrath, SCM-Experte an der Universität Münster, betonte, dass die humanitäre Logistik verglichen mit der kommerziellen Logistik um „15 bis 20 Jahre“ hinterherhinke. Hoffnung macht dem Wissenschaftler aber, dass sich die Forschung seit etwa fünf Jahren dem Thema näher annimmt und auch Logistikdienstleister wie etwa Kühne+Nagel oder Deutsche Post DHL sich damit beschäftigen. In jüngster Zeit habe sich die Forschung auch mit der Übertragbarkeit von wissenschaftlichen Ergebnissen auf die realen Einsätze auseinandergesetzt, sagte Hellingrath während der von LOGISTIK HEUTE-Chefredakteur Thilo Jörgl moderierten Podiumsdiskussion.

Hellingrath, der auch Mitglied einer Arbeitsgruppe der Bundesvereinigung Logistik zum Thema „humanitäre Logistik“ ist, wies aber gleichzeitig darauf hin, dass auf Wissenschaft und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) noch große Aufgaben warten. Vor allem Bereiche wie Wiederaufbau, Vorhersehbarkeit von Krisen und permanente Hilfen müssen seiner Meinung künftig stärker erforscht werden. Wolfgang Groß, Mitbegründer der Hilfsorganisation humedica aus Kaufbeuren, betonte, dass viele kleine NGOs beim Thema Logistik erst ganz am Anfang stünden. Er und seine 30 fest angestellten Mitarbeiter hätten aber erkannt, dass sie sich ständig im Bereich Logistik weiterbilden müssen. Martijn Blansjaar, Head of Logistics bei der britischen NGO Oxfam, wies darauf hin, dass bei großen Katastrophen tausende Organisationen helfen wollten, es aber zu wenige Standards für die Prozesse gebe.

Wie Flughäfen in möglichen Katastrophengebieten auf künftige Krisensituationen vorbereitet werden können, war Thema des Kurzvortrags von Anna Birk, Program Manager Get Airports Ready for Disaster (GARD) bei der Deutschen Post DHL. Mitarbeiter des Konzerns halfen bis dato 24 Airports und deren Mitarbeitern, sich besser auf logistische Herausforderungen im Katastrophenfall einzustellen. Was die Vereinten Nationen tun, um die Logistik in Krisengebieten zu verbessern, war Inhalt der Statements von Isabelle de Muyser-Boucher, Chief Logistics Support Unit, United Nations – Office for the Coordination of Humanitarian Affairs (OCHA). Sie berichtete, welche Tools der Logistik-Cluster der Organisation nutzt, um Waren, aber auch Finanzströme zu verfolgen. Große Hoffnung setze OCHA auf eine 2013 gestartete Online-Plattform, über die Behörden und Hilfsorganisationen leichter über fehlende oder ungeeignete Hilfsgüter kommunizieren können. „Hier sind bereits 213 Nutzer angeschlossen“, berichtete die OCHA-Vertreterin. Sie wies aber gleichzeitig darauf hin, dass noch weitere, speziell für NGOs geeignete Tools entwickelt werden müssten. IT aus dem kommerziellen Logistikbereich sei nur bedingt für NGOs von Nutzen.

Humanitäre Logistik war auch ein Aspekt der Keynote von Prof. Dr. Robert de Souza, SCM-Experte an der University of Singapore. Er behauptete nämlich, dass die kommerzielle Logistik - entgegen der Meinung vieler - jede Menge von der humanitären Logistik lernen könne. Koordination, Segmentierung und Agilität seien Themen, die gute NGOs im Griff hätten. Seiner Meinung nach kann sich die Industrie auch etwas davon abschauen, wie humanitäre Logistiker mit Sozialen Medien, Netzwerken sowie mit Public Private Partnerships umgehen. Als Vorbild könne so manche Hilfsorganisation auch dienen, wenn es darum geht, zwischen den Polen Effizienz und Effektivität möglichst schnell zu wechseln.

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