Ersatzteillogistik: MAN Truck & Bus nutzt 3D-Druck-Plattform von Replique

Der Nutfahrzeughersteller und Anbieter von Transportlösungen baut auf Ersatzteilmanagement mittels 3D-Druck auf Abruf.

 3D-gedruckte Bronzekrümmer: Durch die digitale Verfügbarkeit der Produktionsinformationen können sie den Angaben zufolge jederzeit in gleichbleibender Qualität wiederbestellt werden. (Foto: Replique)
3D-gedruckte Bronzekrümmer: Durch die digitale Verfügbarkeit der Produktionsinformationen können sie den Angaben zufolge jederzeit in gleichbleibender Qualität wiederbestellt werden. (Foto: Replique)
Matthias Pieringer

MAN Truck & Bus setzt auf 3D-Druck mithilfe der Produktionsplattform Replique, um Ersatzteile bedarfsgerecht, lokal und auf Abruf herzustellen, ohne sie physisch vorrätig halten zu müssen. Beginnend mit der Produktion von Bronzekrümmern für die Kühlwasserversorgung eines Marinemotors sollen zukünftig weitere Projekte realisiert werden, um Kosten zu reduzieren und den Service weiter optimieren zu können. Dies teilte Replique Ende November in Mannheim mit.

Im Sondermaschinenbau stellt die Sicherstellung der Ersatzteilversorgung den Angaben zufolge eine besondere Herausforderung dar. Kleine Stückzahlen, ein schwer prognostizierbarer Verbrauch und teilweise sehr lange Lieferzeiten machten üblicherweise eine Bevorratung kritischer Komponenten zwingend erforderlich, um kostspielige Anlagen- oder Maschinenstillstände zu vermeiden.

Im jüngsten Anwendungsfall stand MAN vor der Herausforderung, zehn Bronzekrümmer für die Kühlwasserversorgung eines Marinemotors kurzfristig zu beschaffen, die nicht mehr auf Lager verfügbar waren. Die Gussform für dieses kritische Bauteil war nicht mehr verfügbar. Die konventionellen Beschaffungsmethoden, die die Erstellung von Modellen, das Gießen und die mechanische Bearbeitung umfassten, wären sowohl zeit- als auch kostenaufwändig gewesen. MAN suchte daher nach einer alternativen Möglichkeit, um den kurzfristigen Bedarf zu decken. Diese musste auch den technisch hohen Ansprüchen an dieses hochbelastete Bauteil genügen“, ließ Replique verlauten.

Mittels additiver Fertigung reproduziert

Die Kooperation mit Replique ermöglichte es MAN demnach, die zehn Krümmer in Originalqualität mittels additiver Fertigung zu reproduzieren – alles, was dazu benötigt wurde, waren ein 3D-Modell sowie eine Fertigungszeichnung. In Abstimmung mit seinen Materialpartnern wählte Replique laut der Mitteilung einen Werkstoff, der technisch gleichwertig zum Originalwerkstoff ist. Produziert wurde mittels Selektivem Laserschmelzen (SLM) über ein lokales 3D-Druckservicebüro aus Repliques Netzwerk bestehend aus mehr als 85 Partnern weltweit.

Knapp sieben Wochen bis zur Lieferung

Von der ersten Anfrage seitens MAN bis zur Lieferung der einbaufertigen Teile vergingen Replique zufolge so nur knapp sieben Wochen. „Zugversuche in der Zentralen Werkstofftechnik der MAN ergaben, dass der ausgesuchte Werkstoff sogar technisch bessere Eigenschaften als das Original aufweist. Auch der praktische Einsatz war erfolgreich, sodass MAN eine weitere Bestellung über zehn Stück tätigte“, hieß es weiter.

Da das betreffende Bauteil bereits für den 3D-Druck qualifiziert wurde und eine entsprechende Druckdatei erstellt und digital verfügbar ist, die zudem Informationen zu genutztem Material und Technologie enthält, können laut Replique auch zukünftig Krümmer jederzeit in gleichbleibender Qualität nachbestellt werden. Für MAN fallen dabei keine Fixkosten für Formen und Modelle, sowie Lagerhaltungskosten an.

Thomas Hauck, Spare Parts Logistics MAN: „Die Zusammenarbeit mit Replique war vom ersten Kontakt bis zum Erhalt der fertigen Bauteile außerordentlich gut! Wir konnten so unseren Ersatzteilkunden schnell helfen und sind gemeinsam mit Replique bereits an der Umsetzung eines weiteren 3D-Druck-Projekts.”

„Der Einsatz von additiver Fertigung ermöglicht es, traditionelle Produktionsherausforderungen zu überwinden. Wir freuen uns, gemeinsam mit MAN eine zuverlässige, effiziente Versorgung mit Ersatzteilen im Transport- und Marinesektor sicherstellen zu können.“, so Dr. Max Siebert, CEO und Co-Founder von Replique.

Replique wurde von BASF-Mitarbeitern aus den Bereichen Materialwissenschaft und Digitalisierung gegründet.