Ersatzteillogistik: Deutsche Bahn fährt auf 3D-Druck ab

Die Deutsche Bahn nutzt erstmals eigene großformatige 3D-Drucker, damit Fahrzeuge kürzer in der Werkstatt stehen.

3D-Drucker im DB-Instandhaltungswerk Nürnberg. (Foto: DB AG)
3D-Drucker im DB-Instandhaltungswerk Nürnberg. (Foto: DB AG)
Matthias Pieringer

Die Deutsche Bahn (DB) setzt auf den industriellen 3D-Druck, um ihre Züge schneller und einfacher reparieren zu können. In den Instandhaltungswerken in Nürnberg und Neumünster nehme man erstmals eigene großformatige und besonders leistungsfähige 3D-Druck-Maschinen in Betrieb, meldete die Deutsche Bahn kürzlich. Die 3D-Druck-Maschinen produzieren Werkzeuge und Hilfsmittel für die Mitarbeitenden, aber auch Ersatzteile aus Kunststoff für Züge.
 
Der 3D-Druck ist nach Unternehmensangaben für die DB eine Schlüsseltechnologie, um auch in Zeiten von weltweiten Lieferengpässen und Rohstoffmangel die richtigen Ersatzteile parat zu haben. So kann laut der Deutschen Bahn die Zahl der verfügbaren Fahrzeuge gesteigert werden. Es sei schneller, ressourcenschonender und mitunter sogar günstiger Teile im 3D-Druck-Verfahren herzustellen als auf konventionellem Weg zu beschaffen, hieß es.

Daniela Gerd tom Markotten, DB-Vorständin für Digitalisierung und Technik, sagte: „Unsere Züge sollen für unsere Kunden rollen und nicht in der Werkstatt stehen. Mit 3D-Druck können wir Ersatzteile schneller beschaffen und nicht mehr lieferbare Teile selbst nachbauen. Es macht mich stolz, wenn ich sehe, wie viele Ideen unsere Mitarbeitenden für den Einsatz von 3D-Druck entwickelt haben und immer wieder neu entwickeln.“

Deutsche Bahn weitet 3D-Druck-Einsatz aus

Seit 2015 hat die DB bereits mehr als 26.000 Teile aus dem 3D-Druck für insgesamt 300 verschiedene Anwendungen eingesetzt. Das Spektrum reicht vom Mantelhaken aus Kunststoff bis hin zur 17 Kilogramm „Kastenkulisse“ aus Metall für einen ICE. Gedruckt wurden die Teile vor allem mithilfe eines Partnernetzwerks. Jetzt rollt die DB den Einsatz des 3D-Drucks weiter aus und stellt immer mehr Produkte selbst her. In ihren Werken hat die Bahn den 3D-Druck inzwischen auch als festen Bestandteil in die Ausbildung integriert.

Schablonen für Piktogramme
 
In ihrem Instandhaltungswerk in Nürnberg druckt die DB Werkzeuge und Hilfsmittel. Dazu zählen beispielsweise Schablonen, mit denen Piktogramme aufgeklebt oder Scheinwerfer abgedeckt werden, wenn ein Zug lackiert wird. Diese Schablonen sparen dem Unternehmen zufolge zeitraubendes individuelles Anpassen oder Abkleben und werden aus recycelbarem Material hergestellt.

Mit den Schablonen dauere etwa das Aufkleben von Sitznummern nicht acht, sondern nur noch drei Minuten – die im 3D-Druck erstellte Schablone spart also fünf Minuten pro Sitz. Im Rahmen der Modernisierung werden in Nürnberg laut Deutscher Bahn für alle 58 runderneuerten ICE 1 gut 8700 Sitznummern verklebt. Allein hier entsteht also eine Zeitersparnis von fast 730 Stunden. Auch Montagehilfen werden in Nürnberg gedruckt. Sie erleichtern nach Unternehmensangaben beispielsweise das Festziehen von schwer zugänglichen Schrauben.

Start in Neumünster Anfang 2022

Im Instandhaltungswerk in Neumünster wird die DB Ersatzteile aus Kunststoff für ihre Züge produzieren. Dazu gehören beispielsweise Lüftungsgitter, Griffe oder Abdeckungen. Diese Teile seien zum Teil nicht mehr lieferbar oder könnten nur nach sehr langer Wartezeit oder zu hohen Kosten beschafft werden, hieß es. Die 3D-Druck-Maschinen in Neumünster sollen Werkstoffe verarbeiten, die die besonderen technischen Anforderungen für Bauteile in Zügen erfüllen, etwa besondere Flammfestigkeit. Derzeit läuft in Neumünster der Testbetrieb. Anfang des Jahres 2022 werden wir dort die ersten Ersatzteile zum Einbau in Zügen herstellen“, sagte ein Bahnsprecher auf Anfrage von LOGISTIK HEUTE.

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