Energieversorgung: LNG-Terminal in Wilhelmshaven darf gebaut werden

Energiekonzern Uniper hält eine Inbetriebnahme der schwimmenden Floating Storage and Regasification Unit noch in diesem Jahr für möglich.

Klaus-Dieter Maubach, CEO des Energieversorgers Uniper, der maßgeblich an das geplanten schwimmende LNG-Terminal errichten und betreiben soll. (Bild: Uniper)
Klaus-Dieter Maubach, CEO des Energieversorgers Uniper, der maßgeblich an das geplanten schwimmende LNG-Terminal errichten und betreiben soll. (Bild: Uniper)
Therese Meitinger
(erschienen bei Transport von Nadine Bradl)

Die Bauarbeiten für das erste deutsche LNG-Terminal in Wilhelmshaven sowie für die land- und seeseitige Hafeninfrastruktur können beginnen, nachdem das staatliche Gewerbeaufsichtsamt Oldenburg die Zulassung des vorzeitigen Baubeginns erteilt hat. Das teilt das Energieunternehmen Uniper in einer Pressemitteilung mit. Offizieller Baustart des schwimmenden LNG-Terminals (Floating Storage und Regasification Unit, FSRU) war demnach der 4. Juli 2022. Über dieses Terminal sollen schnellstmöglich bis zu 7,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr umgeschlagen werden. Dies entspricht dem Energieversorger zufolge etwa 8,5 Prozent des aktuellen deutschen Gasbedarfs pro Jahr. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz und Uniper streben eine Inbetriebnahme im Winter 2022/2023 an.

„Wir sind sehr froh, dass es nun auch sichtbar losgeht", sagt der Niedersächsische Minister für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz Olaf Lies. „Wir brauchen schnellstens Ersatz für russisches Gas und dafür sind wir im Norden bereit, Verantwortung zu übernehmen. Jeder Kubikmeter, den wir sparen, hilft uns durch die nächsten Winter zu kommen, jeder Kubikmeter, den wir künftig über alternative Wege nach Deutschland importieren hilft uns, uns schneller aus der russischen Umklammerung zu befreien."

In Wilhelmshaven zeige man gerade, was "die neue Deutschlandgeschwindigkeit bedeutet": Man plane, genehmige und baue mit der achtfachen Geschwindigkeit. 

Klaus-Dieter Maubach, CEO Uniper, erklärt:

„Die schnelle Erteilung der Genehmigung zum vorzeitigen Baubeginn zeigt, welche Bedeutung das LNG-Terminal in Wilhelmshaven für die Versorgungssicherheit des Landes hat. Das ist nicht selbstverständlich – vor allem zeigt es, was möglich ist, wenn die Gesellschaft, Industrie und Politik an einem Strang ziehen. Wir sind stolz darauf, an unserem Standort in Wilhelmshaven hoffentlich noch im Winter 2022/2023 einen wesentlichen Beitrag zu mehr Unabhängigkeit Deutschlands bei den Erdgaslieferungen zu leisten. Mittel- und langfristig stellen wir mit unserem Wasserstoffprojekt Green Wilhelmshaven die Weichen für eine noch klimaschonendere Energieversorgung."

Uniper hatte den Antrag für die erforderliche Genehmigung und auf Zulassung des vorzeitigen Beginns nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) Anfang Juni beim Staatlichen Gewerbeaufsichtsamt Oldenburg eingereicht. 

30 Kilometer Gasleitung

Die Zulassung des vorzeitigen Beginns von Errichtungsarbeiten bezieht sich laut Uniper auf alle Teile der land- und seeseitigen Infrastruktur sowie eine rund 30 Kilometer lange Gashochdruckleitung zwischen der FSRU und dem Übergabepunkt in das Erdgasleitungsnetz der Open Grid Europe (OGE). Der bereits in seinen wesentlichen Teilen bei der Genehmigungsbehörde vorliegende BImSchG-Antrag soll bis Anfang September 2022 vervollständigt werden.

Das erste Anlandeterminal für LNG in Deutschland wird in Wilhelmshaven an der Umschlaganlage Voslapper Groden (UVG) entstehen. Uniper wird das Terminal auf Bitten der Bundesrepublik Deutschland errichten und betreiben.  

In einem zweiten Projektschritt soll parallel zur bestehenden UVG eine dauerhafte und erweiterte Hafenlösung für die FSRU realisiert werden. Hierbei ist geplant, zusätzliche Entlade- und Umschlagsmöglichkeiten für grüne Gase, zum Beispiel Ammoniak, zu schaffen, um das gesamte Potenzial dieses neuen Infrastrukturprojekts in Wilhelmshaven („Green Wilhelmshaven") nutzen zu können.

Der Standort Wilhelmshaven biete sowohl aus maritimer als auch aus logistischer Sicht ideale Bedingungen, heißt es vonseiten des Unternehmens. LNG-Tanker aller Größen werden die Anlage unabhängig von den Gezeiten und im Einklang mit höchsten internationalen Sicherheitsstandards anlaufen können. Für die Anbindung an das bestehende Erdgasfernleitungsnetz sei lediglich eine rund 30 Kilometer lange Gasleitung erforderlich, deren Realisierung durch OGE bereits begonnen hat.

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