Energieträger: DB Cargo will Wasserstoff auf Schiene transportieren

Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben eine wirtschaftliche Transportlösung für große Mengen Wasserstoff entwickelt.

DB Cargo mit einer Vectron Baureihe 193 bei der Traktion eines Kesselwagenzuges (DB AG/Georg Wagner)
DB Cargo mit einer Vectron Baureihe 193 bei der Traktion eines Kesselwagenzuges (DB AG/Georg Wagner)
Therese Meitinger

DB Cargo will zukünftig dringend benötigten Wasserstoff per Güterzug transportieren: Die größte europäische Güterbahn könne aktuell bereits 20 Prozent des benötigten Wasserstoffs auf der Schiene liefern – dank der bewährten und sicheren Logistik im Kesselwagen, wie es in einer Pressemitteilung vom 23. Juni heißt. Das Konzept sieht der Anbieter als eine klimafreundliche schnelle Lösung – denn der Ausbau des Pipeline-Netzwerks wird erst in den nächsten Jahrzehnten erwartet.

Den deutschen Bedarf an Wasserstoff schätzt die Bundesregierung im Rahmen der Nationalen Wasserstoffstrategie bis ins Jahr 2030 auf rund 110 Terawattstunden jährlich ein. Zum Vergleich: Der Gesamtstromverbrauch in Deutschland lag zuletzt bei rund 580 Terawattstunden pro Jahr.

„Wasserstoff wird eine gewichtige Rolle im künftigen Energiemix spielen. Es gibt derzeit viele neue Initiativen, wie grüner Wasserstoff auf dem Seeweg nach Deutschland kommt“, sagt Dr. Sigrid Nikutta, Chefin der DB Cargo AG und Vorständin Güterverkehr des DB-Konzerns. „Wir haben dafür eine Lösung entwickelt, die den Wasserstoff einfach und effizient von den Häfen zu den Verbrauchern im Hinterland bringt, vor allem zu unseren Industriekunden.“

Das deutsche Schienennetz weist ihr zufolge mehr als 35.000 Kilometer Streckenlänge aus, allein DB Cargo bedient dabei mehr als 2.100 Schnittstellen, Kundenanschlüsse, Terminals und Binnenhäfen. DB Cargo ist Eigenangaben bereit, umgerechnet etwa 20 Terawattstunden auf der Schiene zu liefern. Das entspricht etwa 20 Prozent des geschätzten Wasserstoffbedarfs 2030.

Transportkonzept mit Energieversorgern entwickelt

Wasserstoff, der nach Deutschland importiert wird, ist in der Regel nicht gasförmig, sondern in Chemikalien gebunden. Dadurch kann er unkompliziert per Seeschiff transportiert werden. DB Cargo hat laut der Pressemitteilung zusammen mit Energieversorgern ein Konzept für den Transport zu Empfängern weitab von Seehäfen entwickelt. Der Wasserstoff wird darin in der Flüssigkeitsbindung belassen. Damit können die üblichen Kesselwagen im Schienengüterverkehr genutzt werden. Sie sind heute schon vielfach für die chemische Industrie im Einsatz. Erst dort, wo Wasserstoff als Energiespender eingesetzt werden soll, wird das Ladegut wieder in seine Bestandteile „gecrackt“, der Wasserstoff separiert und als Energieträger genutzt.

Ebenso engagiert sich die DB Cargo Eigenangaben zufolge bei der Entwicklung von Wasserstoffcontainern und testet die Logistik von reinem Wasserstoff. Diese Lösung sei sinnvoll, wenn es um die kleinteilige Verteilung von reinem Wasserstoff an dezentrale Kunden und Anwender gehe – beispielsweise Wasserstofftankstellen, so der Anbieter. Gasförmiger Wasserstoff kann dabei unter hohem Druck in speziellen „Multi Element Gas Containern“ (MEGC) transportiert werden. So organisiert DB Cargo der Mitteilung zufolge auch die Belieferung der Wasserstoffzüge von DB Regio, die derzeit auf verschiedenen Linien im Praxisbetrieb getestet werden.

Ähnlich aufwendig wie der Transport von gasförmigem Wasserstoff ist auch der Transport von tiefkalt verflüssigtem Wasserstoff. Aufgrund der extrem niedrigen Temperatur (ca. -253 Grad Celsius) bedarf es auch hier besonderer Container. DB Cargo beteiligt sich an vielfältigen Lösungen zur Wasserstofflogistik. Die Güterbahn ist auch Mitgesellschafterin des „Reallabor Burghausen ChemDelta Bavaria“ – einer gemeinnützigen Gesellschaft im bayerischen Chemiedreieck. Die Zukunftstechnologie Wasserstoff wird hier im harten Industriealltag erprobt.