EMI: Die Industrie zeigt sich von Corona noch unbeeindruckt

Der Einkaufsmanager-Index vom Oktober lässt jedoch auch auf eine Zweiteilung der deutschen Wirtschaft schließen.

Der Einkaufsmanager-Index gilt als Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung. (Foto: Eak88da / Fotolia)
Der Einkaufsmanager-Index gilt als Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung. (Foto: Eak88da / Fotolia)
Therese Meitinger

Der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) und der englische Finanzdienstleister IHS Markit haben am 4. November ihre Analysen zum Einkaufsmanager-Index (EMI) vom Oktober veröffentlicht. Dank einer abermals kräftigen Steigerung der Industrieproduktion ist demnach die deutsche Wirtschaft auch im Oktober auf Wachstumskurs geblieben. Dass sie derzeit jedoch zweigeteilt sei, zeige der Rückgang der Geschäftstätigkeit im Servicesektor, ausgelöst durch die neuen Restriktionen und die zunehmende Unsicherheit infolge der zweiten Corona-Infektionswelle, so eine Pressemitteilung.

Der saisonbereinigte IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) stieg auf aktuell 58,2 Punkte gegenüber 56,4 im September und erreichte damit ein 31-Monatshoch. Der Frühindikator für die konjunkturelle Lage in der Verarbeitenden Industrie bewege sich mittlerweile seit vier Monaten über der Wachstumsschwelle von 50,0, so der BME. Ausschlaggebend für den Spitzenwert im Oktober sei das stärkste Plus beim Auftragseingang seit Beginn der EMI-Datenerfassung im Jahre 1996. Den Rekordzuwachs bei den Neuaufträgen sieht IHS Markit als Beleg dafür, dass sich die Industrie weiter auf Erholungskurs befinde.

„Dem EMI zufolge kann die Pandemie offenbar weiten Teilen der Industrie bisher nur wenig anhaben. Ob das angesichts dramatisch wachsender Infektionszahlen so bleibt, muss erst noch abgewartet werden“, betonte Dr. Silvius Grobosch, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), in Eschborn.

Bleibt das Wachstum im vierten Quartal dynamisch?

Der EMI signalisiere einen fortgesetzten Wachstumskurs der Industrie, kommentierte Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen, auf BME-Anfrage die aktuellen EMI-Daten. Trotz des erneuten Lockdowns sollte ihrer Ansicht nach auch im vierten Quartal die Dynamik in der Industrie hoch bleiben. Hier fänden keine Einschränkungen statt.

Darüber hinaus sei gerade die Nachfrage aus China wieder hoch. Davon sollte auch die deutsche Industrie profitieren.

„Für das Gesamtjahr 2020 erwarten wir für Deutschland einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von 5,4 Prozent und im folgenden Jahr einen Anstieg um fünf Prozent. Die Industrie wird ein wesentlicher Treiber sein“, fügte die Helaba-Bankdirektorin hinzu.

„Die Einkaufsmanagerindizes zeigen sehr deutlich, dass die wirtschaftliche Erholung zunehmend in ein schweres Fahrwasser gerät. Dabei ist allerdings zu beachten, dass sich die Eintrübung nur in Europa abspielt“, sagte Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, dem BME.

Die USA, China und viele andere Länder zeigten weiter verbesserte Stimmungsindikatoren, und dort dürfte die konjunkturelle Entwicklung in den kommenden Monaten besser laufen, so Kater abschließend.

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