Elektromobilität: Missachtete Kobalt-Zulieferer von BMW Menschenrechte?

Laut Medienberichten soll es in der marokkanischen Kobaltmine des Zulieferers Managem zu einer erhöhten Arsenbelastung gekommen und Minenarbeiter nicht ausreichend geschützt worden sein.

Konzernzentrale von BMW in München. (Bild: BMW Group)
Konzernzentrale von BMW in München. (Bild: BMW Group)
Therese Meitinger

Muss Autohersteller BMW bald juristische Konsequenzen aus dem Lieferkettengesetz fürchten? Für das Großunternehmen greifen seit Januar 2023 die Vorschriften aus dem Gesetz, das Unternehmen zur Wahrung sozialer und teils auch ökologischer Mindeststandards entlang ihrer Supply Chain verpflichtet. Dabei gilt es auch die Praxis von Lieferanten zu monitoren und bekannt gewordene Missstände abzustellen. Eine Recherche von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung erhebt nun schwere Vorwürfe gegen den marokkanischen Rohstoffkonzern Managem, von dem BMW seit 2020 Kobalt bezieht, das es für den Bau von Batterien für seine Elektroflotte benötigt.

Die am 12. November unter anderem auf tagesschau.de veröffentlichten Vorwürfe beziehen sich auf die Mine in Bou Azzer, aus der BMW im Rahmen einer 2020 geschlossenen Kooperation eigentlich dezidiert „nachhaltiges Kobalt“ erhalten wollte. Nach den Recherchen von NDR, WDR und SZ könnte Managem als Minenbetreiber jedoch in Kauf genommen haben, dass große Mengen giftiges Arsen in die Umwelt gelangten. Darauf deute eine erhöhte Arsenkonzentration in Wasser- und Urinproben, die nahe der Mine genommen worden, hin, heißt es.

Darüber hinaus haben den Recherchepartnern zufolge Befragungen von ehemaligen und aktuellen Minenarbeitern ergeben, dass keine Aufklärung oder Schulung bezüglich der zu erwartenden Gesundheitsbelastung erfolgt sei. Hinzu kommt, dass den Berichten zufolge Schutzkleidung fehlt, Arbeiter bei berufsbedingten Erkrankungen wie beispielsweise Staublungen ohne Absicherung entlassen werden. Auch soll Managem gegen linksgerichtete Gewerkschaften vorgehen.

Erhärten sich die Vorwürfe, könnte BMW nach dem Lieferkettengesetz für die Verstöße seines Lieferanten haftbar gemacht werden. Der Autobauer hat nun umfassende Aufklärung angekündigt:

„Hohe Umwelt- und Sozialstandards sind integraler Bestandteil der BMW Group Einkaufsbedingungen und gelten weltweit für alle Lieferanten des Unternehmens. Mögliche Verstöße nehmen wir ernst und gehen diesen nach. Dies gilt auch für die Bou Azzer Mine unseres Lieferanten Managem“, erklärte ein Unternehmenssprechen am 13. November gegenüber LOGISTIK HEUTE.

Gemäß internen Richtlinien und gegebenen Sorgfaltspflichten habe die BMW Group unmittelbar Untersuchungen gestartet und ihren Lieferanten Managem zu einer Stellungnahme aufgefordert, so der Automobilkonzern. Und weiter: „Sollte ein Fehlverhalten des Lieferanten tatsächlich nachgewiesen werden, wird die BMW Group selbstverständlich unverzügliche Abhilfemaßnahmen seitens des Lieferanten einfordern. Aktuell unterstützt die BMW Group alle Maßnahmen, die zu einer vollständigen Aufklärung in dieser Angelegenheit beitragen.“