Elektromobilität: MAN startet 2024 mit Serienproduktion seines elektrischen Trucks

Ab 2024 beginnt MAN mit der Fertigung seines elektrischen Lkw für den Fernverkehr namens „eTruck" im Stammwerk in München. Dem Unternehmen liegen bereits über 500 Bestellanfragen vor. MAN Salzgitter kommt in der Transformation ebenfalls eine wichtige Schlüsselrolle.

Trafen sich im MAN-Werk Salzgitter zur Vorstellung des neuen „eTruck" (v.l.n.r.): Frank Klingebiel, OB Salzgitter, Arne Puls, Personalvorstand und Arbeitsdirektor MAN Truck & Bus, Alexander Vlaskamp, Vorstandsvorsitzender MAN Truck & Bus, und Stephan Weil, Ministerpräsident Niedersachsen. (Bild: MAN)
Trafen sich im MAN-Werk Salzgitter zur Vorstellung des neuen „eTruck" (v.l.n.r.): Frank Klingebiel, OB Salzgitter, Arne Puls, Personalvorstand und Arbeitsdirektor MAN Truck & Bus, Alexander Vlaskamp, Vorstandsvorsitzender MAN Truck & Bus, und Stephan Weil, Ministerpräsident Niedersachsen. (Bild: MAN)
Gunnar Knüpffer
(erschienen bei Transport von Nadine Bradl)

MAN startet ab 2024 die Produktion seines elektrischen Fernverkehrs-Lkw, kündigte das Unternehmen am 30. Juni in einer Presseaussendung an. Bereits jetzt liegen laut Hersteller über 500 Bestellanfragen vor.

„Schon 2030 soll die Hälfte unserer jährlich in Europa zugelassenen Lkw batterieelektrisch sein", sagte Alexander Vlaskamp, CEO von MAN Truck & Bus, bei einer Fahrt mit Ministerpräsident Stephan Weil im neuen „MAN eTruck" zum 180. Geburtstag von Nutzfahrzeugpionier Heinrich Büssing im MAN Werk Salzgitter. „Damit das gelingt, brauchen wir die Unterstützung der Politik: Beim europaweiten Aufbau von rund 50.000 öffentlichen Lkw-Ladesäulen und einer CO2-Bepreisung, die E-Lkw wirtschaftlicher als Diesel macht."

Der als Büssing-Werk gegründete und zusammen mit der Traditionsmarke später von MAN übernommene Standort soll als Teil des Werksverbundes von MAN und der Konzernmutter Traton mit den Schwerpunkten in der Komponentenfertigung sowie der Ersatzteillogistik künftig auch für elektrische Lkw eine wichtige Rolle spielen.

„Qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind ein Schlüssel zum Erfolg in der Transformation", ergänzte MAN Truck & Bus Personalvorstand Arne Puls. „Auch hier bedarf es in den nächsten Jahren der aktiven Unterstützung der Politik, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und Zukunftstechnologien in Deutschland zu halten.“

Denn in der Produktion, für die MAN bereits 2.600 Mitarbeiter in Hochvolttechnologie geschult hat, aber vor allem auch in der Entwicklung der Elektrotechnologie sei viel neues Know-how gefragt, damit E-Lkw künftig in den verschiedensten Anwendungen praxistauglich einsetzbar sind.

Megattwattladen soll ab 2025 verfügbar sein

Um beispielsweise auch lange Transportstrecken elektrisch abdecken zu können, sollen Fernverkehrs-Lkw in der 45-minütigen Lenkzeitpause der Fahrer vollständig aufgeladen werden können. An der Entwicklung des dafür notwendigen Megawattladens (MCS) ist MAN über das NEFTON-Projekt mit zahlreichen Partnern beteiligt. Für diesen voraussichtlich ab 2025 verfügbaren MCS-Standard ist der neue MAN eTruck technisch bereits vorbereitet. Fernverkehrstaugliche Tagesreichweiten bis zu 1.000 Kilometer sollen so perspektivisch möglich werden. Und mit seinen variablen Batteriekonfigurationen zwischen 300 und 500 kWh nutzbarer Kapazität soll er auch andere typische Transportaufgaben heutiger Lkw abdecken, zum Beispiel die geräuscharme und abgasfreie Abfallentsorgung in der Stadt oder die klimafreundlichere Abholung von Milch beim Biobauern.

Auch im Bereich der Ladeinfrastruktur bereitet MAN die Elektromobilität mit vor und baut in einem Joint Venture von Traton und weiteren Partnern in den nächsten fünf Jahren 1.700 Hochleistungsladepunkte für Lkw entlang wichtiger europäischen Fernstraßen auf. Zusätzlich berät MAN Kunden ganzheitlich beim Umstieg auf die Elektromobilität und bietet über Partner auch die benötigte Ladeinfrastruktur an.

In Krakau sollen während des Hochlaufs mehr Diesel-Lkw gefertigt werden

Die Produktion des neuen „MAN eTruck" startet ab 2024 im Stammwerk in München. Dort läuft er künftig zunächst in Mischproduktion mit herkömmlichen Diesel-Lkw vom Band. Das Konzept, mit dem 2030 rund die Hälfte der gesamten jährlich von MAN produzierten Lkw elektrisch sein sollen, integriert auch die anderen Werke von MAN. So soll Krakau im gesteigerten Hochlauf der Elektromobilität größere Stückzahlen an Diesel-Lkw fertigen, um in München mehr Kapazitäten für Elektro-Lkw zu schaffen.

Im Werk Nürnberg startet MAN 2025 die Produktion der eigenen Batterien, mit dem Ziel, ab 2030 rund 100.000 jährlich davon zu produzieren. Salzgitter kommt in der Transformation ebenfalls eine wichtige Schlüsselrolle als Komponentenwerk unter anderem für nicht-angetriebene Achsen sowie Kurbelwellen für den neuen von allen Herstellern der Traton Group gemeinsam entwickelten Konzern-Motor zu. Zudem ist der Standort zuständig für die weltweite Ersatzteillogistik von MAN, was künftig auch zunehmend Elektro-Komponenten umfassen wird.