Einkaufsmanager Index: Engpässe bremsen starkes Wachstum in der Eurozone

Dass die Kapazitäten enorm unter Druck standen, zeigt IHS Markit zufolge unter anderem die rasante Zunahme des Auftragsbestands.

Von Engpässen war zuletzt unter anderem der Stahlmarkt betroffen. (Foto: Industrieblick / AdobeStock)
Von Engpässen war zuletzt unter anderem der Stahlmarkt betroffen. (Foto: Industrieblick / AdobeStock)
Therese Meitinger

Das Wachstum der Eurozone-Industrie blieb im August zwar stark, die Steigerungsrate hat sich jedoch zum zweiten Mal hintereinander abgeschwächt. Dies signalisiert der finale IHS Markit Eurozone Einkaufsmanager Index (PMI), der mit aktuell 61,4 Punkten nach 62,8 im Juli die Vorabschätzung um 0,1 Punkte unterschritt und damit auf einem Sechs-Monatstief landete. Dies meldete am 1. September das Londoner Marktforschungsunternehmen IHS Markit, das dafür Daten zwischen dem 12. und 23. August erhoben hatte.   

Alle drei von der Umfrage erfassten Industriebereiche vermeldeten im Berichtsmonat anhaltend hohe, im Vergleich zu Juli jedoch leicht niedrigere Wachstumsraten. Wie bereits seit zwölf Monaten blieb der Investitionsgüterbereich Spitzenreiter, gefolgt vom Konsum- und Vorleistungsgüterbereich.

Die Niederlande belegten in der PMI-Rangliste erneut Platz 1, wenngleich sich die Wachstumsrate auf ein Fünf-Monatstief abgeschwächt hat. Abgekühlt hat sich die Industriekonjunktur auch in Deutschland, Irland, Österreich und Frankreich. Bemerkenswert an den aktuellen Umfragedaten ist der PMI-Wert Griechenlands, der auf den höchsten Stand seit Juli 2020 geklettert ist. Beschleunigt hat sich die Steigerungsrate auch in Italien und Spanien. Wie bereits seit Juli 2020 wurde die Produktion auch im August wieder ausgeweitet. Trotz Sechs-Monatstief blieb die Wachstumsrate überdurchschnittlich hoch.

Nachfrage stark, aber Lieferzeiten verlängern sich

Der Auftragseingang legte den 14. Monat in Folge zu, der Zuwachs fiel jedoch nicht mehr ganz so stark aus wie im Juli. Kräftig angezogen hat auch die Exportnachfrage nach Industrieerzeugnissen, vor allem in den Niederlanden, Deutschland und Italien.

Dass die Kapazitäten enorm unter Druck standen, zeigt IHS Markit zufolge die abermals rasante Zunahme des Auftragsbestands. Und dies, obwohl die Unternehmen zur Befriedigung der Nachfrage die Bestände an Fertigwaren zügig abbauten. Um die Produktionskapazitäten weiter zu steigern, setzte sich der im Februar begonnene Stellenaufbau auch im August fort. Die Beschäftigtenzahlen stiegen nur minimal langsamer als im Rekordmonat Juli.

Aufgrund der anhaltend starken Nachfrage nach Produktionsmaterialien und -gütern verlängerten sich die Lieferzeiten erneut in beträchtlichem Ausmaß, wenngleich nicht mehr ganz so drastisch wie im Rekordmonat Mai. Die Einkaufsmenge wurde abermals kräftig ausgeweitet, weshalb die Vormateriallager erstmals seit Januar 2019 leicht zunahmen.

Der Preisdruck blieb dem Index zufolge indes hoch. So legten die Einkaufspreise wegen der anhaltenden Lieferschwierigkeiten und der starken Materialnachfrage abermals substanziell zu, die Steigerungsrate schwächte sich jedoch erstmals seit Beginn der Preisspirale im August 2020 ab.

Ähnlich verlief die Entwicklung bei den Verkaufspreisen. Auch diese wurden laut IHS Markit erneut überdurchschnittlich stark angehoben, allerdings mit einer erstmals seit Januar abgeschwächten Steigerungsrate.

 „Die Lieferengpässe, die wir heute in der deutschen Industrie erleben, sind das Ergebnis einer Reihe von großen Störungen, die nicht immer vorhergesagt, geschweige denn verhindert werden können“, kommentierte am 7. September Thomas Tack, Director of Northern Europe des SCM-IT-Anbieters Interos, mit Blick auf die deutsche Industrie.Überraschenderweise ist beim Auftreten dieser Störungen wenig über das wahre Ausmaß der Unterbrechung, die umfassenderen organisatorischen Kosten oder den Schaden, der über den finanziellen Aspekt hinausgeht, bekannt.“

Das Problem bestehe darin, dass die meisten Unternehmen für das Management ihrer Lieferkettenbeziehungen veraltete Methoden verwendeten, die in der Regel nur die direkten Lieferanten überprüften, so Tack weiter.

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