Einkauf: Nachhaltigkeit wichtiger als vor der Coronakrise

Laut dem „Sustainable Procurement Barometers 2021“ von EcoVadis hat sich die Anzahl der Führungskräfte, die angeben, dass die Erreichung von Nachhaltigkeitszielen „sehr wichtig“ ist, im Vergleich zu 2019 mehr als verdoppelt.

Während internationale Führungskräfte laut einer Studie Nachhaltigkeitszielen eine erhebliche Bedeutung zumessen, hapert es in der Umsetzung bei der Zusammenarbeit mit Lieferanten noch. (Foto: Malp / AdobeStock)
Während internationale Führungskräfte laut einer Studie Nachhaltigkeitszielen eine erhebliche Bedeutung zumessen, hapert es in der Umsetzung bei der Zusammenarbeit mit Lieferanten noch. (Foto: Malp / AdobeStock)
Therese Meitinger

EcoVadis, französischer Anbieter von Nachhaltigkeitsratings für Unternehmen, hat am 9. September seine CSR-Studie „Sustainable Procurement Barometer 2021“ veröffentlicht. Die in Zusammenarbeit mit der Stanford Graduate School of Business durchgeführte Studie ergab einer Pressemitteilung zufolge, dass die Erreichung der Nachhaltigkeitsziele von Unternehmen ganz oben auf der Agenda von Führungskräften unterschiedlicher Unternehmensgrößen steht. 63 Prozent der befragten internationalen Führungskräfte geben demnach an, dass die Zielerreichung aktuell sehr wichtig sei, während es vor zwei Jahren nur 25 Prozent waren.

„Viele haben befürchtetet, dass sich die Pandemie negativ auf den weltweiten Fortschritt in Sachen Nachhaltigkeit auswirken würde. Unsere Untersuchung hat das Gegenteil ergeben – die Nachhaltigkeitsverpflichtungen und -investitionen sind bei 93 Prozent der Unternehmen gleich geblieben oder gestiegen“, so Pierre-Francois Thaler, Mitbegründer und Co-CEO von EcoVadis. 

Bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen bleibt viel Luft nach oben

Während die Commitments der Unternehmen und der öffentliche Druck nach Einschätzung von EcoVadis weltweit zugenommen haben, ist die Umsetzung der Ziele – insbesondere in der Lieferkette – der Studie zufolge noch nicht erreicht. Nur 48 Prozent der befragten Lieferanten sind der Meinung, dass die einkaufenden Unternehmen, mit denen sie zusammenarbeiten, sich wirklich für Nachhaltigkeit engagieren und aktiv mit ihnen zusammenarbeiten, um die Nachhaltigkeitspraktiken in ihren Geschäftsbeziehungen zu fördern. Noch alarmierender bewertet das Unternehmen, dass 46 Prozent der Lieferanten angaben, dass Nachhaltigkeit für ihre Kunden zwar auf dem Papier wichtig sei, sich aber nicht in der Art und Weise ihrer Zusammenarbeit widerspiegele.

Ausgewählte Ergebnisse des Sustainable Procurement Barometers 2021 sind nach Firmenangaben:

  • Arbeits- und Menschenrechtsfragen prägen die Beschaffungsstrategie. In ihren Zwei- bis Drei-Jahres-Strategien räumen Beschaffungsorganisationen Arbeits- und Menschenrechtsfragen Priorität ein, gefolgt von Umwelt, Sozialem und Unternehmensethik.  
  • Das Beschaffungswesen adressiert Diversität, Rassismus, Nicht-Diskriminierung und Gleichberechtigung: 61 Prozent der in der Studie Befragten geben an, dass soziale Fragen in den nächsten zwei bis drei Jahren „wichtiger“ oder „deutlich wichtiger“ sein werden.
  • Nachhaltige Beschaffung erweist sich als Schlüssel zur Widerstandsfähigkeit der Lieferkette. 63 Prozent der befragten Unternehmen und 71 Prozent der befragten Lieferanten geben an, dass ihre Initiative zur nachhaltigen Beschaffung ihnen geholfen hat, die Covid-19-Pandemie zu überstehen.
  • Nachhaltigkeitsleistung ist entscheidend für Umsatz und Wachstum. 69 Prozent der Befragten berücksichtigen die Nachhaltigkeitsleistung bei der Auswahl neuer Lieferanten und der Erneuerung von Verträgen – gegenüber 51 Prozent im Jahr 2019.
  • Mittelständische Unternehmen (mit einem Umsatz von 100 Millionen bis einer Milliarde US-Dollar) setzen auf Nachhaltigkeit. 48 Prozent glauben, dass sich Nachhaltigkeit positiv auf ihr Geschäft auswirken wird, während 47 Prozent erwarten, dass ein nachhaltiger Ansatz zu einer verbesserten betrieblichen Effizienz und niedrigeren Kosten führen wird.

 

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