Einkauf: Der Mittelstand setzt noch nicht auf Digitalisierung

Das „Einkaufsbarometer Mittelstand 2021“ von Onventis, ESB Business School und dem BME zeigt, dass der Mittelstand weiterhin nur geringe Fortschritte bei der Digitalisierung des Einkaufs macht.

Beschaffung ist im Mittelstand oft noch keine sehr digitale Angelegenheit. (Foto: Sergey Nivens / Fotolia)
Beschaffung ist im Mittelstand oft noch keine sehr digitale Angelegenheit. (Foto: Sergey Nivens / Fotolia)
Therese Meitinger

Zum dritten Mal bat das IT-Unternehmen Onventis in Zusammenarbeit mit der ESB Business School und dem Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) im Einkaufsbarometer Mittelstand um eine Einschätzung zum Status quo der Digitalisierung im Einkauf. Die Digitalisierung im Procurement bleibt im Mittelstand dabei zum dritten Mal hinter den Erwartungen zurück, so eines der Ergebnisse der jüngst veröffentlichten Studie.

Die Ergebnisse der diesjährigen Umfrage, an der sich insgesamt 240 Einkaufsverantwortliche beteiligt haben, zeigen laut einer Pressemitteilung aber auch: Dem Einkauf sind die Herausforderungen durchaus bewusst. Prozesskostenoptimierung, Transparenz und Kostensenkung sind der Erhebung zufolge die größten Treiber der Digitalisierung im Mittelstand. Dennoch fehle es für die Umsetzung anscheinend an Know-how, Konsequenz und Budget, heißt es.

Bereits die Vorjahresstudie zeigte nach Ansicht der Kooperationspartner deutschlandweit einen klaren Aufholbedarf für den Mittelstand in Sachen Digitalisierung. Das Einkaufsbarometer Mittelstand 2021 wartet dahingehend mit keinen großen Veränderungen auf: Erst 13 Prozent der befragten KMUs nutzen laut der Studie ein E-Procurement-System für die Datenverwaltung im Einkauf und nur vier Prozent setzen hierfür auf ein Supplier-Relationship-Management-System. Knapp ein Fünftel der befragten Unternehmen möchte in den kommenden zwölf Monaten ein E-Procurement-System anschaffen.

Excel verwaltet die meisten Beschaffungsdaten

In 26 Prozent der KMUs lautet die Antwort auf die Frage nach dem System für die Verwaltung von Beschaffungsdaten: Excel. Bei mittelständischen Großunternehmen sind es 14 Prozent. Ein Drittel bis die Hälfte bildet die Daten in einem ERP-System ab. Auch in der Automatisierung des Bestellprozesses stockt es: Die Katalogquote, also der Anteil an Bestellpositionen mit Bezug zu existierenden Materialstämmen oder Katalogartikeln, hat sich im Vergleich zu 2020 nicht verändert. Sie ist bei 55 Prozent der Befragten „nicht zufriedenstellend“. In Kleinunternehmen hat sich die Situation sogar leicht verschlechtert.

Bei der Frage nach den eingesetzten Trendthemen zeigt sich, dass vor allem Lieferantennetzwerke und Nachhaltigkeit ganz oben auf der Liste stehen. Mit deutlichem Abstand werden KI und Klimaneutralität genannt. Mittelständische Großunternehmen sehen darüber hinaus RPA als weiteres Trend-Thema an. Technologietrends wie 3-D-Druck oder Internet of Things (IoT) fallen im Vergleich dazu deutlich ab.

Bezüglich des Trendthemas Sustainability zeigen die Ergebnisse, dass ungefähr ein Drittel der befragten Einkaufsabteilungen Nachhaltigkeitsziele bereits in der ökologischen Dimension umsetzt. Knapp 40 Prozent treten für Menschenrechte und faire Arbeitsbedingungen ein und befassen sich vor allem mit der sozialen Dimension von Nachhaltigkeit. Hier könnte das Lieferkettengesetz seinen Schatten vorauswerfen. Das neue Gesetz verpflichtet Unternehmen in Deutschland je nach Größe ab 2023 oder 2024 dazu, die Einhaltung von Menschenrechten in ihrer Supply Chain zu gewährleisten. Die Hälfte der befragten KMU hat bereits mit der Umsetzung von klimaneutralen Zielen begonnen.

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