EcoVadis Index: Nachhaltigkeit in Lieferkette nimmt trotz Disruption zu

Laut dem Business Sustainability Risk & Performance Index der ESG-Rating-Plattform ist die Bereitschaft, menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten nachzukommen, jedoch oft noch gering.

Mehr als 65 Prozent der Unternehmen erreichen für ihre Nachhaltigkeitsleistung im diesjährigen Bericht ein Leistungsniveau von moderat oder besser, gegenüber 50 Prozent im Jahr 2017. (Symbolbild: Blacksalmon / AdobeStock)
Mehr als 65 Prozent der Unternehmen erreichen für ihre Nachhaltigkeitsleistung im diesjährigen Bericht ein Leistungsniveau von moderat oder besser, gegenüber 50 Prozent im Jahr 2017. (Symbolbild: Blacksalmon / AdobeStock)
Therese Meitinger

Unternehmen aller Größenordnungen haben weltweit ihre Nachhaltigkeitsleistung in den letzten fünf Jahren verbessert: Zu diesem Schluss kommt die sechste Ausgabe des jährlichen Business Sustainability Risk & Performance Index, der am 4. Oktober vom Anbieter von Nachhaltigkeitsratings für Unternehmen EcoVadis veröffentlicht wurde. Der französisch-amerikanische IT-Anbieter verzeichnete dabei laut einer Pressemitteilung von 2017 bis 2021 einen Zuwachs von 61 Prozent bei der Anzahl der Ratings.

Der diesjährige Index basiert nach Firmenangaben auf den Daten zur Nachhaltigkeitsleistung von über 83.000 Bewertungen von fast 53.000 Unternehmen in 800 Wertschöpfungsketten, die von EcoVadis zwischen 2017 und 2021 bewertet wurden. Die Unternehmen werden anhand von 21 Nachhaltigkeitskriterien in vier Themenbereichen bewertet: Umwelt, Arbeit und Menschenrechte, Ethik und nachhaltige Beschaffung. Die Bewertung reicht von null bis 100 und ist in die folgenden Leistungsstufen eingeteilt: unter 25 steht für „ungenügend“ (hohes Risiko), 25-44 für „unvollständig“ (mittleres Risiko), über 45 für „moderat“ und über 65 für „fortgeschritten“.

Hochs und Tiefs bei nachhaltiger Beschaffung

Mehr als 65 Prozent der Unternehmen erreichen im diesjährigen Bericht ein Leistungsniveau von moderat oder besser, gegenüber 50 Prozent im Jahr 2017. Gleichzeitig sank der Anteil der Unternehmen mit unvollständiger Nachhaltigkeitsleistung von 45 Prozent im Jahr 2017 auf 32 Prozent im Jahr 2021.

„Der zunehmende Regulierungsdruck und die anhaltenden Störungen in der Lieferkette rücken die Nachhaltigkeitsrisiken stärker ins Rampenlicht und erfordern von den Unternehmen ein Umdenken in Bezug auf ihre sozialen und ökologischen Verpflichtungen“, so Pierre-Francois Thaler, Co-Founder und Co-CEO von EcoVadis.

Obwohl die Werte für nachhaltige Beschaffung in der Vergangenheit rückläufig waren, konnte dieses Thema 2021 einen Anstieg von 1,2 Punkten gegenüber 2020 verzeichnen (38,8 gegenüber 37,6). Die Leistung im Bereich Arbeits- und Menschenrechte war EcoVadis zufolge mit einem Durchschnittswert von 52,2 am höchsten von allen Themen. Allerdings gebe es in einigen Branchen nach wie vor Schwächen in Bezug auf die Sorgfaltspflicht im Bereich der Menschenrechte, auf die im Bericht näher eingegangen wird, heißt es.

Einige Index-Trends im Fokus:

  • Die Bereitschaft in Bezug auf menschenrechtliche Sorgfaltspflichten ist nach wie vor gering: Nur elf Prozent der Unternehmen haben dem Index zufolge 2021 eine Lieferantenbewertung und fünf Prozent eine interne Risikobewertung für Kinder- und Zwangsarbeit durchgeführt. Dies sei besonders besorgniserregend, da die Gesetze zur Sorgfaltspflicht im Bereich der Menschenrechte zunähmen, während die Internationale Arbeitsorganisation schätze, dass die Zahl der Menschen, die Opfer von moderner Sklaverei sind, in den letzten fünf Jahren um zehn Millionen gestiegen sei, so EcoVadis.
  • Nachhaltigkeitsleistung verbessert sich trotz anhaltender Turbulenzen in der Lieferkette: Die durchschnittliche Nachhaltigkeitsbewertung erreichte im Index 49,2 Punkte im Jahr 2021 und damit 1,7 Punkte mehr als in 2020. Dies entspricht einer Verdoppelung der von 2019 bis 2020 beobachteten Verbesserung um 0,9 Punkte, trotz der anhaltenden Störungen in der Lieferkette infolge der Pandemie. Der asiatisch-pazifische Raum war 2021 mit 1,8 Punkten die Region mit der stärksten Verbesserung.
  • Mehr Branchen überschreiten die 50-Punkte-Schwelle: Während im Jahr 2017 im Index keine Branchengruppe mehr als 50 Punkte erreichte, haben inzwischen fünf diese Schwelle überschritten. Finanz-, Rechts- und Beratungsunternehmen (53,4) sind aufgrund ihrer guten Leistungen in den Bereichen Arbeit und Menschenrechte sowie Ethik an die Spitze der Branchenrangliste vorgerückt. Es folgt das Baugewerbe (51,5), gefolgt von der Lebensmittel- und Getränkeindustrie (51,4), der Schwerindustrie (50,5) und der Leichtindustrie (50).
  • Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) verbessern sich schneller: Alle Unternehmensgrößen haben laut EcoVadis ihre Nachhaltigkeitsleistung zwischen 2017 und 2021 verbessert, aber KMU – die über 70 Prozent der globalen Lieferketten ausmachen – haben im Fünfjahreszeitraum besser abgeschnitten als große Unternehmen. Obwohl große Unternehmen ihr bisher bestes Ergebnis erzielten, war ihre Verbesserungsrate um rund zwei Punkte geringer als die der KMU.