Echtzeitüberwachung: Seat will Lieferzeiten reduzieren

Das neue „Control Tower“-System überwacht den Standort in Echtzeit.

Der Control-Tower: Eine in verschiedene Anzeigen unterteilte Videowand, auf der ständig aktualisierte Zahlen, Grafiken, Routen, Codes und vieles mehr angezeigt werden. (Foto: Seat)
Der Control-Tower: Eine in verschiedene Anzeigen unterteilte Videowand, auf der ständig aktualisierte Zahlen, Grafiken, Routen, Codes und vieles mehr angezeigt werden. (Foto: Seat)
Melanie Endres

Seat setzt seit April eine neue Technologie in seinem Logistikzentrum in Martorell, rund 20 Kilometer von Barcelona entfernt, ein. Das vermeldete der spanische Fahrzeughersteller kürzlich. In nur 26 Wochen hat laut Pressemitteilung „ein bahnbrechendes Projekt Gestalt angenommen, das mithilfe einer App in Echtzeit den genauen Standort aller für die Herstellung eines Fahrzeugs verwendeten Teile sowie den Produktionsbedarf überwacht“. Gemeint ist das neue „Control-Tower“ – System. 

„Damit wird Seat erstmals über Echtzeitinformationen zu Materialfluss, Transportmeldungen und dem Verbrauch von Produktionsmaterialien verfügen. Informationen, deren Aktualisierung bisher Stunden und zahlreiche Telefonate in Anspruch nahm, werden jetzt in Sekunden aktualisiert“, erklärte Seat-Projektleiter David Castilla.

Daten für 2.300 Fahrzeuge pro Tag

„Wir streben an, alles zu überwachen, was möglich ist – von den Lieferantenbeständen über Ereignisse an der Fertigungsstraße und beim Transport bis hin zu den Logistikzentren“, sagte Castilla.

Das neue System sorgt laut Seat dafür, dass täglich Daten für rund 16 Millionen Teile in Echtzeit übermittelt werden. Diese werden für den Bau von rund 2.300 Fahrzeugen pro Tag benötigt, so Seat. Darüber hinaus werden diese Daten der Mitteilung zufolge für Vorhersagefunktionen genutzt, um Zwischenfälle zu verhindern, bevor sie passieren.

„Dieses bahnbrechende Seat-Projekt demonstriert die Leistungsfähigkeit des Logistik- und Produktionsteams im Rahmen der laufenden digitalen Transformation unserer Prozesse“, sagte Dr. Christian Vollmer, Vorstand für Produktion und Logistik bei Seat. „Es hat uns sehr viel Mühe gekostet, aber wir können sagen, dass wir nach 26 Wochen einen großen Schritt gemacht haben, von dem unsere Kunden profitieren werden, da sie Zugang zu allen wesentlichen Informationen über ihr Fahrzeug und die Lieferzeiten erhalten.“

Kürzere Lieferzeiten

Das kurzfristige Ziel des Systems sei die Reduzierung der Lieferzeiten für Bestellungen.

„Die Käufer werden in den Planungsprozess einbezogen. Sie können sogar Farbänderungen anfordern, bevor ihr Fahrzeug lackiert wird, oder es mit speziellen Teilen ausstatten lassen. Durch diesen Prozess finden wir genauer heraus, was die Kunden wollen, und können die Lieferkette entsprechend anpassen“, erklärte  Enric Martí, der bei Seat für die Logistik verantwortlich ist.

Höhere Effizienz, weniger CO2- Ausstoß

Davon profitiere auch die Umwelt: Eines der Ziele dieses Projektes ist die Optimierung der Materialtransportrouten. Das wird laut Seat mit einer App erreicht, die den Standort der Lkw-Fahrer übermittelt, sodass diese in Echtzeit interagieren können. Die App enthält der Mitteilung zufolge die ETA (Estimated Time of Arrival, voraussichtliche Ankunftszeit) als erste Vorhersage. In zukünftigen Projektphasen soll laut Seat eine neue Wettervorhersagefunktion implementiert werden. So könnten alternative Routen angeboten werden und die Fahrtzeiten noch weiter verkürzt werden, sodass sie effizienter und weniger umweltbelastend werden.

Ausgezeichnete App

Die App habe dem Team außerdem einen Platz auf der Shortlist des spanischen Seat Innovation Day eingebracht, der kürzlich in Martorell stattfand. Dort werden Seat zufolge die „innovativsten Mitarbeiterprojekte im Unternehmen ausgezeichnet“.

„In dieser Phase können wir den Produktionsbedarf deutlich im Voraus bestimmen. Die direkten Nutznießer sind die Kunden, da wir ihnen einen Liefertermin zusichern können. Und das ist nur möglich, weil wir genau wissen, dass die Teile für ihr Fahrzeug an diesem vorgesehenen Fertigungstermin verfügbar sein werden“, erklärte Projektleiter Castilla.

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