E-Mobilität: Studie untersucht Potenziale von Oberleitungs-Lkw

Laut einer Prognose des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg ist ein Markthochlauf eines entsprechenden Oberleitungssystems in Deutschland bis 2030 denkbar. 

 Mit 3.000 bis 4.000 Kilometern E-Highway kann bis 2030 die Basis für deutliche CO2-Einsparungen im Verkehrssektor gelegt werden. (Foto: Siemens)
Mit 3.000 bis 4.000 Kilometern E-Highway kann bis 2030 die Basis für deutliche CO2-Einsparungen im Verkehrssektor gelegt werden. (Foto: Siemens)
Therese Meitinger
(erschienen bei Transport von Christine Harttmann)

In einer „Roadmap für die Einführung eines Oberleitungs-Lkw-Systems in Deutschland“ skizziert das Ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg den Weg für einen erfolgreichen Markthochlauf bis 2030. Das besagt eine Mitteilung vom 10. August. Mit ihrer Studie wollen die Wissenschaftler zeigen, dass der Aufbau einer Basis-Oberleitungsinfrastruktur auf 3.000 bis 4.000 Kilometer stark befahrener Autobahnabschnitte ihrer Ansicht nach einen hohen Anteil an elektrischer Fahrleistung durch Oberleitungs-Lkw erlaubt.

Studienleiter Julius Jöhrens erklärt:

„Am Wichtigsten ist nun der zügige Aufbau einer größeren Pilotstrecke. So können wertvolle Erfahrungen mit O-Lkw im Fernverkehr gesammelt und damit der Aufbau einer Basis-Oberleitungsinfrastruktur vorbereitet werden.“

Der Straßengüterverkehr der Zukunft werde eher mit einem Mix unterschiedlicher Technologien arbeiten, eine einzige dominante Technologie sei unwahrscheinlich, so das Ifeu. Die Herausforderung besteht nach Ansicht der Wissenschaftler darin, trotz der Unsicherheiten über die Details der kommenden technischen Entwicklung, schon jetzt die günstigsten Anwendungsfelder der Oberleitungs-Lkw-Technologie zu identifizieren. Dies soll Aufschluss darüber geben, welche Rahmenbedingungen gesetzt werden müssen, damit Oberleitungs-Lkw ihren Teil zum Klimaschutz im Mobilitätssektor beitragen können. Andere Technologien können diesen Beitrag dem Ifeu zufolge dann sinnvoll ergänzen.

Zu der häufig anzutreffenden Kritik, statt des Ausbaus eines Oberleitungsnetzes für Lkw sollte besser der Güterverkehr auf die Bahn verlagert werden, sagt Jöhrens:

„Die Verlagerung ist auch weiterhin ein zentrales Element der Umwelt- und Verkehrspolitik, wie auch der Masterplan Schienengüterverkehr zeigt. Allerdings wird auch unter optimistischen Annahmen bezüglich der Verlagerung der größte Teil des Güterverkehrs auch mittel- und langfristig auf der Straße abgewickelt. Daher brauchen wir hier Lösungen für den Klimaschutz.“

Die Technik gibt es bereits

Aktuell laufen nach Angaben des Ifeu allein in Deutschland drei Feldtests, die vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit finanziert werden. In Hessen entlang der A5 und in Schleswig-Holstein entlang der A1 sind seit Anfang 2020 jeweils fünf Kilometer Autobahn elektrifiziert, in Baden-Württemberg sollen Anfang 2021 vier Kilometer auf der Bundesstraße B462 in den Oberleitungsbetrieb gehen.

Bereits im März 2020 formulierte das Ifeu in einer Studie, dass der Oberleitungs-Lkw nach erfolgreicher Systemeinführung im Lkw-Fernverkehr auf den Hauptachsen der Dieseltechnologie wirtschaftlich überlegen ist. Zu welchen Kosten die Fahrzeuge im Markt angeboten werden, hängt nach Ansicht der Wissenschaftler aber wesentlich davon ab, wie attraktiv die Politik diesen Markt macht: Hohe Stückzahlen und eine Vielzahl von Fahrzeuganbietern könnten die Preise nach 2030 deutlich absenken.

Nach Auffassung der Ifeu-Wissenschaftler sollte der Bund den Markt für die Oberleitungs-Lkw ähnlich wie bei anderen neuen Technologien in drei Phasen aktiv entwickeln. In der aktuellen Pilotphase werde der E-Highway von vielen Akteuren noch nicht als leistungsfähige und kostengünstige Klimaschutztechnologie wahrgenommen, trotz klarer Studienlage zu dem Thema. Darum sollte die Bundesregierung sagen, welche Rolle das System zukünftig bei der Erreichung von Klimaschutzzielen spielen soll. Gleichzeitig sollte sie durch den Aufbau eines großen Pilotvorhabens von mindestens 100 Kilometern Länge die Bekanntheit und Erfahrung mit der Technik  steigern.

Nach Auffassung der Ifeu-Wissenschaftler sollte der Bund den Markt für die Oberleitungs-Lkw ähnlich wie bei anderen neuen Technologien in drei Phasen aktiv entwickeln. In der aktuellen Pilotphase werde der E-Highway von vielen Akteuren noch nicht als leistungsfähige und kostengünstige Klimaschutztechnologie wahrgenommen, trotz klarer Studienlage zu dem Thema. Darum sollte die Bundesregierung sagen, welche Rolle das System zukünftig bei der Erreichung von Klimaschutzzielen spielen soll. Gleichzeitig sollte sie durch den Aufbau eines großen Pilotvorhabens von mindestens 100 Kilometern Länge die Bekanntheit und Erfahrung mit der Technik steigern.

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