E-Mobilität: Abrechnungschaos an Ladestationen beenden

Nach Ansicht des Bundesverbands Fuhrparkmanagement macht die Tarifvielfalt auf Deutschlands Straßen die Ladeinfrastruktur in der E-Mobilität unübersichtlich.

Knapp 300 Tarife für Autostrom gibt es nach Verbandsangaben aktuell in Deutschland. (Foto: Petair / Fotolia)
Knapp 300 Tarife für Autostrom gibt es nach Verbandsangaben aktuell in Deutschland. (Foto: Petair / Fotolia)
Therese Meitinger

Der Bundesverband Fuhrparkmanagement (BVF) hat sich für eine Harmonisierung und Vereinfachung der Tarife öffentlicher Ladestationen für Elektrofahrzeuge ausgesprochen. In Deutschland gebe es derzeit knapp 300 Tarife für Autostrom, besagt eine Mitteilung vom 6. Juli. Konkret bedeute dies, dass Fahrer von Elektrofahrzeugen eine Vielzahl von Identifizierungs- und Zahlungsmittel benötigten, sofern sie das Geschäftsgebiet des regionalen Anbieters verlassen. Das macht die Ladeinfrastruktur nach Ansicht des Mannheimer Verbands unübersichtlich. Mit ihrer Stellungnahme reagiert die Organisation auf das Konsultationsverfahren, das die Bundesnetzagentur eingeleitet hat, um die Netzzugangsbedingungen für Autostrom zu verbessern. Marktteilnehmer und Verbände können sich dabei bis zum 22. Juli 2020 äußern.

„Die Abrechnungswege öffentlicher Ladestationen sind undurchsichtig. Das ist nicht nur verbraucherunfreundlich, sondern erschwert auch die Verwaltung von Fahrten mit E-Autos im Fuhrparkmanagement“, sagt BVF-Geschäftsführer Axel Schäfer. „Das Thema ist lange nicht wirklich aufgefallen, weil es einfach zu wenige E-Fahrzeuge gab. Wir begrüßen, dass die Bundesnetzagentur es nun endlich angeht, denn das ist nicht der einzige, aber einer der Gründe, warum Unternehmen, bei Elektrofahrzeugen zurückhaltend sind.“

Abrechnungschaos lässt Firmen bei E-Mobilität zögern

Die meisten Ladesäulen würden von lokalen Stromanbietern monopolistisch betrieben, wodurch private und berufsbedingte E-Autofahrern Hürden beim Stromzapfen in den Weg gestellt würden, argumentiert der BVF. Die Zahlungssysteme variieren laut dem Verband je nach Anbieter und können schnell zur Kostenfalle werden. Insbesondere wenn E-Fahrzeuge oder PlugIn-Hybride aus einem Firmenfuhrpark für Dienstfahrten quer durch die Republik genutzt werden sollen, stellt das Laden nach Ansicht des BVF eine echte Herausforderung dar: Zum einen erhielten die Kunden trotz gesetzlicher Bestimmungen vorab oftmals keinerlei Informationen über die Kosten. Zum anderen unterschieden sich auch die Abrechnungsmodelle stark.

Die Bundesnetzagentur hat angekündigt, Betreiber durch eine ab April 2021 gültige Regelung dazu bringen zu wollen, auch den Strom der Konkurrenz anzubieten – und zwar zu deren Tarifen und Konditionen. Verbraucher oder Unternehmenskunden könnten demnach einen Vertrag mit einem Versorger abschließen und zu den so vereinbarten Konditionen an allen öffentlichen Ladestationen andocken. Dies lasse jedoch die Fragen offen, welche Preise sich die Behörde vorstellt und wie die Änderungen mit dem Wettbewerbsrecht vereinbar seien, argumentiert der BVF.

 „Da bis jetzt die rechtliche Grundlage fehlt, drohen die Änderungen in freiwilligen Selbstverpflichtungen zu enden. Hier muss die Politik nachbessern“, warnt Schäfer.

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