E-Commerce: Zalando möchte sich von der Plattform zum Ökosystem entwickeln

Im Zuge der Bilanzpressekonferenz für das Jahr 2023 stellte der Fashion- und Lifestyleanbieter seine neue Strategie für den B2C- und den B2B-Markt inklusive passender Logistik vor.

Zalando fährt eine neue Strategie: Die Fashion- und Lifestyleplattform möchte zum Ökosystem werden und seinen B2B-Bereich zum Milliardengeschäft ausbauen - etwa durch Logistikdienstleistungen. (Foto: Zalando)
Zalando fährt eine neue Strategie: Die Fashion- und Lifestyleplattform möchte zum Ökosystem werden und seinen B2B-Bereich zum Milliardengeschäft ausbauen - etwa durch Logistikdienstleistungen. (Foto: Zalando)
Sandra Lehmann

Zalando entwickelt seine Strategie weiter, um in den Bereichen B2C und B2B das führende E-Commerce-Ökosystem für den europäischen Mode- und Lifestyle-Markt aufzubauen. Das gab das Unternehmen am 13. März 2024 im Rahmen einer Bilanzpressekonferenz bekannt. Demnach ist der Schritt vom Plattform-Modell zum E-Commerce- Ökosystem eine strategische Weiterentwicklung, die es Zalando ermöglichen soll einen noch größeren Teil des Online-Marktes für Mode und Lifestyle zu bedienen sowie die Beziehungen zu Kunden und Partnern weiter auszubauen.

Im B2C-Bereich setzt Zalando nach Eigenangaben auf Qualität als Differenzierungsmerkmal, um seinen Kunden das bestmögliche Einkaufserlebnis für Mode und Lifestyle zu bieten. Darüber hinaus wolle das Unternehmen das Angebot in den Bereichen „Kinder & Familie“ sowie „Sport“ mit personalisierten Beratungs- und Unterhaltungselementen ausbauen. Im B2B-Bereich öffnet Zalando seine Logistik-, Software- und Service-Infrastruktur für Markenpartner und Einzelhändler, um deren E-Commerce-Transaktionen in ganz Europa zu unterstützen – sowohl auf als auch außerhalb der Zalando Plattform. Mittelfristig sieht man im Unternehmen das Potenzial, den B2B-Bereich zu einem Multi-Milliarden-Euro-Geschäft zu entwickeln.

Neue Gewinnziele bis 2028

Basierend auf der aktualisierten Strategie hat sich Zalando neue Wachstums- und Gewinnziele bis zum Jahr 2028 gesetzt. Sowohl für das Bruttowarenvolumen (GMV) als auch für den Umsatz strebt der Fashion- und Lifestyleanbieter in den nächsten fünf Jahren eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von fünf bis zehn Prozent an. Die Erwartung für den Anteil des bereinigten Ergebnisses vor Zinsen und Steuern am Umsatz liegt bei sechs bis acht Prozent im Jahr 2028. Mit dem Ökosystem-Ansatz rund um die Wachstumsfelder B2C und B2B wolle Zalando langfristig etwa 15 Prozent des europäischen Modemarktes bedienen, der laut dem Anbieter insgesamt ein Volumen von 450 Milliarden Euro umfasst.

„Unser klares Ziel ist es, zu einem starken Wachstum zurückzukehren und unsere Margen weiter auszubauen. Unsere mittelfristige Prognose ist Ausdruck dieser Ambition", sagte Robert Gentz, Co-CEO von Zalando. „Im Endkundengeschäft differenzieren wir uns mit qualitativ hochwertigen Produkten und Einkaufserlebnissen. Dazu gehören auch neue Angebote, die zum jeweiligen Lebensstil unserer 50 Millionen Kunden in ganz Europa passen sowie personalisierte, inspirierende und unterhaltsame Inhalte, die weit über die reine Transaktion hinausgehen. Im B2B-Bereich treiben wir die Geschäfte von Partnern und Händlern auf und außerhalb von Zalando voran, indem wir ihnen unsere Logistik-, Software- und Service- Infrastruktur zur Verfügung stellen.“

Im B2C-Bereich legt das Unternehmen nach eigenen Aussagen unter anderem Wert auf ein nahtloses digitales Einkaufserlebnis, das durch verschiedene Tools, wie beispielsweise Zalandos Größenempfehlung, unterstützt wird. Hierbei kommen modernste Technologien wie Computer-Vision und Künstliche Intelligenz (KI) zum Einsatz. Etwa 60 Prozent aller auf Zalando angebotenen Artikel seien bereits mit einer Größenempfehlung versehen.

Logistik außerhalb der eigenen Plattform

Neben dem B2C-Geschäft wird Zalando ab 2024 auch erstmals Ergebnisse für das B2B-Segment ausweisen. Die kürzlich eingeführte Marke „ZEOS“ soll E-Commerce-Transaktionen auf und außerhalb von Zalando ermöglichen, die von Kunden beispielsweise auf About You, ASOS oder Otto getätigt werden.

Nach Unternehmensangaben kann ZEOS auf ein Netzwerk von zwölf Logistikzentren, rund 20 Retourenzentren und mehr als 40 lokalen Transportdienstleistern zurückgreifen. Hinzu kommen die von Zalando selbst entwickelten E-Commerce-Anwendungen und die Expertise von Tradebyte, dem führenden Marketplace- Integrator, der seit 2016 zu Zalando gehört. ZEOS bietet damit einzigartige Lösungen für den E- Commerce in ganz Europa. Dieser Markt zeichnet sich durch eine Vielzahl von Sprachen, Währungen, lokal relevanten Zahlungs-, Liefer- und Rücksendeoptionen sowie Vertriebskanälen aus. ZEOS ist bereits heute ein profitabler Geschäftsbereich mit einem Umsatz von 0,9 Milliarden Euro.

ZEOS baut auf den einzigartigen Fähigkeiten von Zalando auf und bündelt diese zu einem Betriebssystem für die Mode- und Lifestyle-Branche entlang der gesamten Wertschöpfungskette des Multi-Channel-E-Commerce – von der Integration in verschiedene Marktplätze bis hin zur Abwicklung von Bestellungen.

Drei Bereiche im Logistikmodell

ZEOS umfasst laut Zalando künftig drei Bereiche. Erstens: Logistik, mit einer gemeinsam genutzten Infrastruktur und einem Netzwerk von Logistik- und- Retourenzentren sowie Transportdienstleistern – das Rückgrat jedes E-Commerce-Geschäfts. Zweitens: Software und digitale Dienstleistungen. Durch die Nutzung von Tradebyte könnten ZEOS Kunden ihr komplettes E-Commerce Geschäft datenbasiert steuern und optimieren. Und drittens: Weitere Dienstleistungen, die externe Partner in Zalandos Ökosystem integrieren können, um Marken und Händler zu unterstützen, beispielsweise bei der Produktpräsentation oder Finanzierung. Die drei Bereiche seien modular aufgebaut, sodass sie als Paket oder einzeln genutzt werden können.

Umsatz in 2023 leicht zurückgegangen

Das GMV und der Umsatz für das Gesamtjahr 2023 lagen trotz des herausfordernden Umfeldes für den Online-Modehandel im Rahmen der angepassten Unternehmensprognose. Für das angepasste bereinigte EBIT wurde sogar das obere Ende der prognostizierten Spanne erreicht. Das Bruttowarenvolumen (GMV) ging in 2023 um 1,1 Prozent auf 14,6 Milliarden Euro zurück, während der Umsatz um 1,9 Prozent auf 10,1 Milliarden Euro sank. Das bereinigte EBIT für das Gesamtjahr stieg von 185 Millionen Euro auf 350 Millionen Euro. Das entspricht einer bereinigten EBIT-Marge von 3,5 Prozent, ein Anstieg um 1,7 Prozentpunkte gegenüber 2022. Eine zunehmende Anzahl an Partnern nutzte die Zalando Logistiklösungen und baute ihr Geschäft auf Zalando weiter aus. Der Anteil des Partnergeschäfts am GMV des Fashion Stores stieg um fast 2,8 Prozentpunkte auf 39,2 Prozent. Der Anteil der von Zalando Fulfillment Solutions versandten Artikel stieg im vierten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozentpunkte auf 62 Prozent. Im vierten Quartal konzentrierte sich Zalando darauf, seine Profitabilität zu steigern und die Bruttomarge zu verbessern, wodurch das bereinigte EBIT im Jahresvergleich entsprechend der Unternehmensprognose um 25 Prozent auf 183 Millionen Euro stieg.

Für das Jahr 2024 beabsichtigt Zalando auf den Wachstumspfad zurückzukehren, die Profitabilität weiter zu steigern und in zukünftiges Wachstum zu investieren.