E-Commerce: „Wenige mit einem guten Gesamtpaket“

EHI-Studie nimmt 35 Vollsortimenter im Lebensmittel-Onlinehandel unter die Lupe.
(Foto: Markus Mainka/ Fotolia)
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Matthias Pieringer

In den Lebensmittel-Onlineshops, die ein Vollsortiment anbieten, sind noch einige Hürden in puncto Nutzerfreundlichkeit zu meistern. Diesen Schluss zieht das EHI Retail Institute in seiner Studie „Lebensmittel E-Commerce 2016“, über die das Forschungs- und Beratungsinstitut mit Sitz in Köln vor Kurzem die Presse informierte. Die Studie fußt auf einer Analyse von 35 Online-Vollsortimentern, die eine Lieferung mit frischen und kühlpflichtigen Lebensmitteln bieten und bei denen der Kunde nahezu einen Wocheneinkauf mit Lebensmitteln tätigen kann. Das EHI führte die Analyse Mitte 2016 durch.

Potential wird nicht ausgeschöpft

„Den perfekten Shop gibt es derzeit nicht. Viele haben ein oder mehrere Highlights, aber es gibt wenige mit einem guten Gesamtpaket“, kommentierte Sascha Berens, E-Commerce-Experte beim EHI, die Studienergebnisse. „Momentan wird der klassische Supermarkteinkauf in die Onlinewelt übertragen, ohne das Potential der digitalen Möglichkeiten auszuschöpfen.“

Dabei gibt es laut dem EHI durchaus kreative Konzepte, wenn auch die einheitliche Linie fehle. Während sich die einen Shops auf regionale Produkte spezialisieren, liefern andere mit Fahrrädern und Elektroautos aus, um die Umwelt zu schonen. Einige Onlineshops bieten das Allround-Supermarktsortiment, so das EHI. Andere offerieren zusätzlich ein großes Sortiment für verschiedene Ernährungsformen: Glutenfrei, vegetarisch, vegan – fast die Hälfte der untersuchten Vollsortimenter bietet der Studie zufolge eine Filterung nach mindestens einer Ernährungsform oder zumindest die Auswahl über die Produktkategorien. Neben verschiedenen Ernährungsformen ist nach EHI-Angaben für viele Kunden auch die Filterung nach bestimmten Allergenen interessant. Bisher bieten jedoch lediglich sechs der 35 unterschiedlichen Onlineshops diese Filterung an.

Nachholbedarf beim mobilen Shopping

Weitere Erkenntnis aus der Studie „Lebensmittel E-Commerce 2016“: Mobiles Shopping steht noch nicht im Fokus der Online-Lebensmittelhändler. Lediglich zehn der 35 untersuchten Shops bieten nach EHI-Angaben derzeit eine mobile Seite und damit die unkomplizierte Bestellung über das mobile Endgerät. Noch weniger, nämlich fünf Händler, bieten ihren Kunden eine App für das Smartphone oder Tablet.

Großteil hat eigenen Lieferdienst

Hingegen wird das Thema „eigene Lieferflotte“ groß geschrieben: 26 von 35 Anbietern setzen dem EHI zufolge auf den eigenen Lieferdienst. Das schaffe Vertrauen beim Kunden und die Ware müsse nicht aufwändig mit Kühlelementen für den Versand verpackt werden, da überwiegend in den eigenen Fahrzeugen gekühlt werde. Allerdings liefert die eigene Flotte nicht bundesweit: Um eine bundesweite Lieferung zu gewährleisten, setzen neun Anbieter auf DHL, vier Anbieter nutzen zusätzlich DPD und fünf Anbieter die Lieferung per Kurier, so das EHI. Mehr als die Hälfte der untersuchten Onlineshops bietet eine Lieferung innerhalb eines bestimmten Zeitfensters an. Von den 19 Onlineshops, die die Lieferung in Zeitfenstern ermöglichen, bieten allerdings erst drei Shops die Möglichkeit, das Zeitfenster schon vor der Bestellung auszuwählen beziehungsweise sich die nächste freie Liefermöglichkeit anzeigen zu lassen.

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