E-Commerce: Umsätze im Onlinehandel sinken

Verbraucher sind aufgrund des Ukraine-Krieges zunehmend verunsichert und konsumieren weniger.

Das Wachstum im Onlinehandel ist nach Angaben des bevh zwischen April und Mitte Mai gesunken. (Symbolbild: Vege/Fotolia)
Das Wachstum im Onlinehandel ist nach Angaben des bevh zwischen April und Mitte Mai gesunken. (Symbolbild: Vege/Fotolia)
Sandra Lehmann

Die Umsätze im Onlinehandel sind von Anfang April bis zum 16. Mai 2022 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6,7 Prozent zurückgegangen. Das geht aus einer Sondererhebung des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel (bevh) hervor, die am 2. Juni im Rahmen einer Pressekonferenz des Verbands in Solingen präsentiert wurde. Demnach sieht der bevh als Grund für den Rückgang insbesondere den Krieg in der Ukraine und die steigenden Preise – beides Entwicklungen, die Verbraucher zunehmend verunsichern würden.

Von den Rückgängen betroffen sind dem bevh zufolge sämtliche Warencluster mit Ausnahme von Waren des täglichen Bedarfs, zu denen etwa Lebensmittel, Drogerie und Tiernahrung gehören. Das Cluster konnte seine Onlineumsätze der schlechten Konsumstimmung zum Trotz um 4,1 Prozent steigern.

DIY, Auto und Elektroartikel verlieren

Stärkste Verlierer unter den Handelsbranchen sind nach Verbandsangaben von Anfang April bis Mitte Mai die Segmente DIY & Blumen (minus 15,2 Prozent), Auto, Motorrad & Zubehör (minus 14,5 Prozent) und Elektroartikel (minus 14,4 Prozent) beziehungsweise Heimcomputer samt Zubehör (minus 12,8 Prozent). Am besten behaupten konnten sich die Segmente Bürobedarf (plus 11 Prozent), Heimtextilien (plus 9,6 Prozent) und Tierbedarf (plus 8,6 Prozent).

„Wir sehen derzeit zwei Effekte: eine Normalisierung der Umsätze gegenüber dem Hoch aus dem Vorjahr und einen Kriegs-Malus samt verunsicherter Verbraucher. Dass die Umsätze im gesamten Onlinehandel trotz Krise nur so schwach gesunken sind, zeigt die Resilienz der Branche in einem sehr angespannten wirtschaftlichen Umfeld“, erklärt Frank Düssler, Referent Presse und Öffentlichkeit beim bevh.

Ein Grund für die rückläufigen Gesamtumsätze sei das Abschneiden der Multichannel-Händler (minus 11,7 Prozent), also der stationären Händler mit zusätzlichem Onlinevertrieb. Bereits vor Jahresfrist 2021 waren diese Händler lediglich um 8,2 Prozent gewachsen, nachdem sie im Vergleichszeitraum 2020 noch ein Plus von 55 Prozent verbuchen konnten. Zum Vergleich: Der Gesamtmarkt hatte damals um 19,4 Prozent zugelegt. Ungeachtet des Umsatzrückgangs bleibe aber auch bei den Multichannel-Händlern der langfristige Wachstumstrend erhalten. Im Vergleich zum Jahr 2019 sind die Umsätze in der Pandemie um 49 Prozent gestiegen.

Marktplätze (minus 5,7 Prozent) und Online-Pure-Player (minus 3,7 Prozent) konnten ihre Umsätze laut bevh im Erhebungszeitraum vergleichsweise stabil halten. Gegenüber dem Vergleichswert aus 2019 liegen die Onlinehändler im Jahr 2022 noch mit 23 Prozent im Plus.

Online shoppen zählt zur Lebensqualität

Auch wenn im gesamten E-Commerce derzeit Rückgänge verbucht werden, bleibe der langfristige Wachstumstrend des Wirtschaftszweigs intakt. Vergleiche man die Gesamtumsätze mit dem gleichen Zeitraum im Jahr 2019, kurz vor Ausbruch der Pandemie, schlägt ein Umsatzplus von 29,7 Prozent zu Buche. Dass sich das Verbraucherverhalten nicht grundlegend verändert hat, zeigt auch die Stimmung der befragten Kunden: Mindestens zwei Drittel (68,2 Prozent) der Onlineshopper (aller Altersgruppen) würde es als Einschränkung der Lebensqualität empfinden, nicht online bestellen zu können. Am stärksten ausgeprägt ist das Empfinden dem Verband zufolge bei den 40 bis 49jährigen und der Zielgruppe 60 plus.

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