E-Commerce: Umsätze im Online-Sektor normalisieren sich

(dpa) Laut dem Handelsverband Deutschland ist der Online-Boom erstmal vorbei.

Deutsche Konsumenten kaufen nach wie vor gern im Netz. Fashion und Elektronikartikel sind nach wie vor am beliebtesten. (Symbolbild: Courtney Haas/stock.adobe.com)
Deutsche Konsumenten kaufen nach wie vor gern im Netz. Fashion und Elektronikartikel sind nach wie vor am beliebtesten. (Symbolbild: Courtney Haas/stock.adobe.com)
Sandra Lehmann

Wer neue Schuhe, Kopfhörer oder einen Laptop kaufen möchte, greift inzwischen oft zum Smartphone, statt ins Geschäft zu gehen. Schließlich lässt sich fast alles bequem vom Sofa aus im Internet bestellen. Insbesondere während der Coronakrise nutzten viele Menschen diese Möglichkeit. Fast 15 Prozent des gesamten Einzelhandelsumsatzes wurde im Jahr 2021 im Internet erbracht. Nahezu 87 Milliarden Euro betrug der Onlineumsatz in jenem Jahr. Wer in den vergangenen Jahren zum Internetshopping gekommen ist, blieb in der Regel auch dabei, wie der Handelsverband Deutschland (HDE) am 6. Mai mitteilte. Doch der Onlineboom im Handel ist vorerst vorbei.

Seit dem Rekordjahr 2021 stagnieren die Umsätze im Internet, wie der aktuelle Online-Monitor des HDE zeigt, den der Verband am Montag vorstellte. Der Umsatzanteil des Onlinegeschäfts am gesamten Einzelhandel ist im vergangenen Jahr demnach auf etwas mehr als 13 Prozent gesunken. Für das laufende Jahr prognostiziert der HDE zwar einen neuen Rekordumsatz von mehr als 88 Milliarden Euro. Doch an die hohen Wachstumsraten der Coronajahre reicht das nicht heran.

„Gemessen an dem sehr dynamischen Wachstum der Jahre 2019 bis 2021 hat sich die Entwicklung konsolidiert“, sagte der stellvertretende HDE-Hauptgeschäftsführer Stephan Tromp.

Eingebüßt hätten vor allem jene Branchen, die während der Pandemie besonders vom Onlineboom profitiert haben: Heimwerker- und Gartenbedarf, Wohnungs- und Einrichtungsgegenstände aber auch Elektroartikel waren im vergangenen Jahr deutlich weniger gefragt und verzeichneten im Internet Umsatzrückgänge. Zugenommen habe hingegen die Nachfrage nach online bestellten und gelieferten Supermarktprodukten, also vor allem nach Lebensmitteln und Getränken. Jüngst verkündete der Lebensmittel-Lieferdienst Getir für sich und die Marke Gorillas zwar das Aus für den hart umkämpften deutschen Markt. Doch Tromp geht davon aus, dass das Segment weiter wachsen wird und sich hier insbesondere etablierte Anbieter wie die Supermarktketten Rewe oder Edeka durchsetzen könnten. Der Online-Lieferdienst Picnic etwa, an dem Edeka beteiligt ist, weitete sein Angebot eigenen Angaben zufolge allein im vergangenen Jahr auf 50 weitere Städte aus.

„Aktuell erschließen wir alle zwei Wochen eine neue Stadt und stellen 100 bis 200 neue Mitarbeiter ein“, teilte der Mitgründer von Picnic Deutschland, Frederic Knaudt, mit. Profitabel sei das Unternehmen allerdings nicht.

Dass sich der Hype um den Online-Handel etwas beruhigt, zeigt sich auch aufseiten der Unternehmen.

„Die während der Coronajahre aufgekommene Euphorie im Hinblick auf online scheint vorüber“, schreibt der Verband in dem Bericht.

Der Anteil der Händler, die ihre Waren auch über das Internet verkaufen, ist von 45 Prozent im Jahr 2020 auf 41 Prozent im vergangenen Jahr gesunken. Von denjenigen, die online verkaufen, tun dies knapp zwei Drittel über den eigenen Onlineshop.

Plattformen haben die Nase vorn

Doch dominiert wird der Internethandel weiterhin von großen Plattformen, allen voran vom US-Handelsriesen Amazon. Mehr als 40 Prozent des Online-Umsatzes wurde laut HDE-Monitor über dessen Marktplatz erbracht, auf dem Händler ihre Produkte einstellen können. Nimmt man den Eigenhandel des Konzerns hinzu, steht Amazon für rund 60 Prozent des gesamten Online-Handels in Deutschland – 8,5 Prozentpunkte mehr als im Jahr davor.

Fashion und Elektronik sind nach wie vor Umsatztreiber

Mode und Kleidung sowie Elektronikartikel bleiben die tragenden Säulen des Internetgeschäfts. Zusammen kommen sie auf einen Umsatzanteil von rund 45 Prozent. Ebenfalls stark bleibt der Handel mit Freizeitprodukten, wie Fahrrädern oder anderen Sportartikeln.

Im Modebereich bereitet vor allem die zunehmende Beliebtheit sogenannter Fast-Fashion-Plattformen aus China Sorge, allen voran die Konzerne Temu und Shein. Der Begriff Fast Fashion beschreibt günstige, auf kurzes Tragen ausgelegte Kleidung, die häufig schnell wieder weggeworfen wird. „Temu und Shein haben sehr stark an ihrer Bekanntheit gearbeitet“, betonte Tromp. Das Problem:

„Testkäufe durch eigene Mitgliedsunternehmen sowie Zahlen der Bundesnetzagentur zeigen, dass ein großer Teil der Produkte, die auf diesen Plattformen gekauft werden, oft nicht der Produktsicherheit und den hiesigen Vorschriften entsprechen.“

Aufgrund der großen Masse an Lieferungen könnten die Behörden die Artikel bei der Einfuhr aber nicht ausreichend kontrollieren.

„Wir sind damit überfordert, hier eine Kontrolle durchzusetzen, die sicherstellt, dass die geltenden Gesetze in Europa und in Deutschland auch tatsächlich eingehalten werden“, betonte Tromp.

Laut HDE kommen inzwischen rund 45 Prozent der online im Ausland bestellten Artikel aus China. Nicht immer sind sich Verbraucher dessen bewusst. Bei einer beauftragten Umfrage des Marktforschungsinstituts IFH Köln gaben 40 Prozent an, erst bei der Lieferung der bestellten Ware festgestellt zu haben, dass diese aus dem Ausland gekommen sei.