E-Commerce: Sirplus stellt Insolvenzantrag

Der Betrieb bei dem Impact-Start-up soll vorerst weiterlaufen.

Das Impact-Start-up Sirplus hat einen Insolvenzantrag gestellt. (Symbolbild: Doc Rabe Media/AdobeStock)
Das Impact-Start-up Sirplus hat einen Insolvenzantrag gestellt. (Symbolbild: Doc Rabe Media/AdobeStock)
Sandra Lehmann

Das Impact-Start-up Sir Plus mit Sitz in Berlin hat nach eigenen Angaben am 8. Januar beim Amtsgericht Charlottenburg einen Insolvenzantrag gestellt. Wie das auf die Rettung von Lebensmitteln spezialisierte Unternehmen mitteilte, sei es das Ziel, gemeinsam mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter Dr. Florian Linkert von der Kanzlei BBL Brockdorff einen Weg zu finden, Sirplus weiterzuführen.

„Die Insolvenz ist ein harter und schmerzhafter Schritt für jeden Unternehmer. Unsere Mission, Bewusstsein für Lebensmittelwertschätzung in die Bevölkerung zu bringen und Lebensmittel vor der Verschwendung zu retten, wird weitergehen. Wir glauben an einen Neustart von Sirplus. Denn günstige und nachhaltige Lebensmittel sind in Zeiten von Inflation sowie voranschreitendem Klimawandel, wichtiger denn je”, erklärt Raphael Fellmer, Mitbegründer des Unternehmens.

BBL-Partner Dr. Florian Linkert und sein Team haben nach Sirplus-Angaben sofort mit der Situationsanalyse begonnen und die Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes für die Mitarbeiter in die Wege geleitet.

„Wir werden den Betrieb erst einmal fortführen und sondieren derzeit die Lage, um uns ein umfassendes Bild über die Situation des Unternehmens machen zu können“, so Linkert.

Die Gründe für das Insolvenzverfahren seien vielschichtig. Neben der unsicheren Lage in der Welt sei die Erweiterung des Managements durch eine erfahrene Co-CEO zu spät eingeleitet worden, heißt es vonseiten des Unternehmens. Zudem beklagt Sirplus eine Zurückhaltung seitens von Investoren. Die aktuelle Finanzierungsrunde hätte trotz relevanter Kapitalzusagen von bestehenden und neuen Investoren nicht mit dem notwendigen Gesamtvolumen abgeschlossen werden können. Eine Auslagerung aller Lagertätigkeiten sowie eine Verkleinerung des Teams von 90 auf 30 Mitarbeiter in 2023 habe Sirplus zufolge zwar die Gesamtkosten im Betrieb reduziert, jedoch nicht den gewünschten Effekt einer ausreichenden finanziellen Entlastung erreicht.

„Wir – und ganz besonders ich – hätten bei Sirplus früher auf die veränderte Marktlage reagieren müssen. Gerade für unsere vielen Kleinst-Investoren tut es mir leid, dass wir das Ruder nicht herumreißen konnten. Die verpasste Professionalisierung in den vergangenen Jahren hat sich nun schmerzhaft gerächt. Andererseits haben wir in der neuen Teamkonstellation in den zurückliegenden Monaten eine steile Lernkurve durchlaufen und sind genau deshalb optimistisch, in einem neu aufgestellten Setup ein wirtschaftlich erfolgreiches Geschäftsmodell entwickeln zu können. Denn wir sind fest davon überzeugt, dass wir mit Sirplus eine bequeme und kostengünstige Alternative sind für nachhaltigen Konsum und Klimaschutz“, so Fellmer.

Ziel sei es nun, Sirplus auf ein stabiles Fundament zu stellen und mit neuen Investoren das in den letzten Monaten weiterentwickelte Geschäftsmodell umzusetzen und in die Wachstumsphase zu bringen. Sirplus wurde 2017 gegründet und vertreibt über einen Onlineshop überschüssige Lebensmittel.