E-Commerce: Onlinehandel in Deutschland erzielt 2020 einen Umsatz von mehr als 83 Milliarden Euro

Besonders dynamisch entwickelten sich die Warengruppen Lebensmittel, Drogerie und Medikamente.

Der E-Commerce in Deutschland ist im vergangenen Jahr durch die Coronapandemie stark gewachsen. (Symbolbild: Rawpixel/Adobe Stock)
Der E-Commerce in Deutschland ist im vergangenen Jahr durch die Coronapandemie stark gewachsen. (Symbolbild: Rawpixel/Adobe Stock)
Sandra Lehmann

Der Beitrag des E-Commerce zur Versorgung der Bevölkerung hat sich im Jahr 2020 im Zeichen der Corona-Pandemie deutlich verstärkt. Das teilte der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel e.V. (bevh) auf einer digitalen Pressekonferenz am 26. Januar mit. Demnach wurde im vergangenen Jahr mehr als jeder achte Euro der Haushaltsausgaben für Waren im E-Commerce ausgegeben. Der Bruttoumsatz mit Waren im E-Commerce ist 2020 von 72,6 Milliarden Euro auf 83,3 Milliarden Euro gestiegen. Das sei trotz Stagnation im ersten Quartal ein Plus von 14,6 Prozent gegenüber 2019 und damit 3,3 Prozentpunkte über dem Wachstumsschnitt der drei vorangegangenen Jahre, der bei 11,3 Prozent liegt. Besonders dynamisch entwickelten sich dabei nach Verbandsangaben die Waren des täglichen Bedarfs, insbesondere Lebensmittel und Drogeriewaren, aber auch Medikamente.

Silver Surfer besonders kaufstark

Die Daten der E-Commerce-Verbraucherstudie Deutschlands im Auftrag des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. (bevh) zeigten, dass der interaktive Handel inzwischen in der Mitte der Gesellschaft verankert sei. Fast jeder dritte Onlinekäufer im Jahr 2020 war älter als 60 Jahre. Vor Jahresfrist lag der Umsatzanteil der Kunden in dieser Altersgruppe laut bevh noch unter einem Viertel. Vier von zehn Onlinekunden kauften inzwischen mehr als einmal pro Woche im Distanzhandel. Fast drei von vier Onlinekäufern gaben an, künftig mehr oder genauso viel im Internet bestellen zu wollen – vor einem Jahr äußerte nur gut jeder zweite Kunde diese Absicht.

„Die Corona-Pandemie hat die Entwicklung des Handels hin zum E-Commerce deutlich beschleunigt, und unsere Branche hat ihr Leistungsversprechen erfüllt“, bewertet Gero Furchheim, bevh-Präsident und Sprecher des Vorstands der Cairo AG die Jahresbilanz. „Diese Entwicklung wird sich nicht mehr umkehren. Die gesellschaftliche und politische Debatte muss deshalb ihre Perspektive gründlich ändern: E-Commerce und seine Prozesse sind künftig die Basis, von der aus Kunden ihren Einkauf beginnen. Die Innenstädte und der Einzelhandel brauchen dieses digitale Fundament, um mit ihren stationären Angeboten den Kunden noch Mehrwerte zu bieten. Die Stadtentwicklung muss sich dieser Realität endlich stellen und diejenigen konsequent einbinden, die den neuen Handel gestalten.“

Obwohl während der gesamten Coronakrise Lebensmittelhandel, Drogerien und Apotheken nie geschlossen hatten, legte im Onlinehandel das Cluster „täglicher Bedarf“ prozentual am stärksten zu, heißt es vonseiten des bevh. Der gesamte Onlineumsatz dieser Warengruppe sei in 2020 auf 6,89 Milliarden Euro inklusive Umsatzsteuer gestiegen (2019: 4,90 Milliarden Euro). Das bedeutet eine Steigerung von 40,9 Prozent. Apotheken konnten ihren E-Commerce-Umsatz um 33,8 Prozent auf 911 Millionen Euro steigern; der Gesamtumsatz mit Medikamenten im Internet habe sich sogar um mehr als die Hälfte (53,9 Prozent) auf 1,21 Milliarden Euro erhöht.

Käufer mit Onlinehändlern und Logistik zufrieden

Die sehr hohe Zahl an Bestellungen sei nicht nur auf den temporären Shutdown, sondern auch darauf zurückzuführen, dass Händler und Zusteller in der Wahrnehmung der Kunden noch besser geworden sind. Über 95,3 Prozent der Befragten äußerten sich dem bevh zufolge mit ihrem Onlineeinkauf sehr zufrieden oder zufrieden. Trotz der logistischen Herausforderungen in der Pandemie sei dies eine erneute Verbesserung um 0,8 Prozentpunkte.

Christoph Wenk-Fischer, bevh-Hauptgeschäftsführer: „Die Leistung aller daran, die Corona-Pandemie zu meistern und bewältigen, verdient höchsten Respekt. Wir blicken im E-Commerce auf ein sehr forderndes, komplexes und unkalkulierbares Jahr zurück. Die hervorragende Arbeit der Menschen in unserer Branche, die dafür gesorgt haben, dass wir die Bevölkerung in Deutschland so zuverlässig mit wirklich allem versorgen können, macht uns stolz. Wir haben bewiesen, dass E-Commerce offen für alle, sicher und vielfältig ist.“

Fast jeder zweite im E-Commerce umgesetzte Euro wurde nach bevh-Angaben auf Onlinemarktplätzen und Plattformen getätigt. Hinter dem mit mehr als 20 Prozent besonders ausgeprägten Wachstum dieser Kategorie verbirgt sich ein Zuwachs an großen und kleinen Händlern, die über diese belastbare Infrastruktur im E-Commerce erstmals aktiv geworden sind.

„Der Verkauf über Onlinemarktplätze und Plattformen ist aufgrund der Bündelung von Kunden und Nachfrage heute ein unverzichtbarer Teil jeder E-Commerce-Strategie“, so Furchheim. „Die deutsche und europäische Politik hat mit der jüngsten Novellierung des Wettbewerbsrechts diese Veränderung konstruktiv aufgegriffen, um ein Level Playing Field zu ermöglichen. Es ist erfreulich, dass mit der neuen US-Regierung auch die Frage einer fairen Besteuerung globaler digitaler Unternehmen auf OECD-Ebene in Gang kommt. Dafür haben wir uns stets eingesetzt. Wir hoffen, dass die Parteien in ihren Wahlprogrammen und die nächste Bundesregierung den progressiven Kurs fortsetzen.“

Der Branchenverband geht nach Eigenangaben davon aus, einen großen Teil der Corona-bedingten zusätzlichen Nachfrage halten zu können, auch wenn Geschäfte wieder öffnen. Dämpfend könnten die wirtschaftlichen Nachwirkungen der Corona-Pandemie ausfallen. „Im Zusammenspiel der Faktoren gehen wir von einem Umsatzwachstum bei Waren im E-Commerce von 12,5 Prozent für Jahr 2021 aus, mit dem die online verkauften Waren und Dienstleistungen zusammen die Grenze von 100 Milliarden Euro brutto sicher überspringen werden“, so Furchheim.

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