E-Commerce: Online-Umsätze stürzen um 13,7 Prozent im ersten Halbjahr ab

Der bevh geht nun davon aus, dass die Onlineumsätze mit Waren im Gesamtjahr 2023 um fünf Prozent zurückgehen werden. Zu Jahresbeginn war noch ein Wachstum von 4,8 Prozent für die Branche der Onlinehändler prophezeit worden.

Deutschland befindet sich in der Rezession, wovon sich auch der E-Commerce nicht abkoppeln kann. (Bild: AdobeStock, Courtney Haas/peopleimages.com)
Deutschland befindet sich in der Rezession, wovon sich auch der E-Commerce nicht abkoppeln kann. (Bild: AdobeStock, Courtney Haas/peopleimages.com)
Gunnar Knüpffer

Die Onlineumsätze mit Waren sind im ersten Halbjahr 2023 um 13,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum eingebrochen. „Zum anfänglichen Konsumschock mit Ausbruch des Ukraine-Kriegs ist eine ganze Reihe negativer Wirtschaftsdaten hinzugekommen, die den Negativtrend im Handel verstetigen“, sagte Martin Groß-Albenhausen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des bevh, laut einer Pressemitteilung vom 10. Juli. „Deutschland ist, wie viele andere Länder auch, in der Rezession.“ Davon könne sich der Onlinehandel nicht abkoppeln. So gingen die Onlineumsätze im zweiten Quartal 2023 um 12,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal auf 19,12 Milliarden Euro zurück.

Im Vergleich der großen Branchencluster im Onlinehandel gab es im zweiten Quartal nur Verlierer: Abermals am stärksten verloren haben die Cluster Unterhaltung (-14,7 Prozent), Einrichtung (-14,3 Prozent) und Bekleidung (-14,1 Prozent). Mit Blick auf einzelne Branchen stehen der Handel mit Schmuck und Uhren (-17,4 Prozent), Computer/Zubehör/Spiele (-16,9 Prozent) und Haushaltswaren & -geräte (-16,1 Prozent) aber auch Auto- & Motorradzubehör (-15,9 Prozent) besonders unter Druck.

In die gleiche Richtung wie die Branchenumsätze zeigen die Ergebnisse der aktuellen Mitgliederbefragung, die der bevh in der ersten Juliwoche durchgeführt hat. Zwei von drei antwortenden Unternehmen geben an, dass sie ihre geplanten Umsätze im zweiten Quartal nicht erreicht haben; im ersten Quartal berichtete dies nur jeder zweite Teilnehmer. Zwar gibt nur rund jeder zweite Befragte (51,4 Prozent) an, im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr Umsatz verloren zu haben (erstes Quartal 23: 45,6 Prozent). Allerdings erfolgt die leichte Verschlechterung auf einem obendrein bereits vom Ukraine-Krieg geprägten schwachen Vorjahresquartal. Ging im ersten Quartal noch jeder vierte Befragungsteilnehmer davon aus, im Jahresverlauf die Krise hinter sich zu lassen, zeigen sich nun nur noch wenig mehr als 20 Prozent entsprechend optimistisch. Vergleichbar hat sich auch die Zahl derjenigen entwickelt, die befürchten, auf die aktuelle Situation mit Personalmaßnahmen reagieren zu müssen.

„Die Unternehmen stemmen sich mit Macht gegen die Krise. Aber sie müssen erkennen, dass sich die Konsumentinnen und Konsumenten auch durch starke Angebote kaum noch zum Kauf bewegen lassen. Im ersten Quartal sprach noch jeder Dritte Onlinehändler von entsprechend erfolgreichen Kampagnen – nun ist es nicht einmal mehr jeder Vierte“, erläuterte Groß-Albenhausen.

Die pessimistischen Geschäftserwartungen der Händler und anhaltend schlechte Wirtschaftsdaten für Deutschland geben wenig Hoffnung auf eine Besserung der Geschäftslage im weiteren Jahresverlauf, heißt es in der bevh-Mitteilung. Die zu Jahresbeginn angestellte Prognose von 4,8 Prozent Wachstum für die Gesamtbranche sei somit nicht haltbar. Nach eigenen Schätzungen geht der Verband stattdessen von einer deutlichen Korrektur und einem Rückgang der Umsätze von mehr als fünf Prozent zum Jahr 2022 aus.

„In wesentlichen Warengruppen wächst der Druck, die Läger zu leeren, hinzu kommt noch ein Rabatteffekt. Selbst bei einer derzeit nicht absehbaren Verbesserung der Konsumstimmung im zweiten Halbjahr wären die bisherigen Rückgänge kaum aufzuholen“, befürchtete Groß-Albenhausen. „Die von uns befragten Konsumentinnen geben zudem nicht an, in den kommenden Monaten mehr online einkaufen zu wollen – sie verharren im Sparmodus.“