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E-Commerce: Ausländische Onlineshops boomen

Preisunterschiede von bis zu 50 Prozent machen grenzüberschreitendes Shopping für deutsche Onlinekäufer interessant.

Deutsche Onlineshopper zieht es Oliver Wyman zufolge immer mehr ins Ausland. Grund dafür seien unter anderem Preisnachlässe von bis zu 50 Prozent. (Foto: Andrey Popov/Fotolia)
Deutsche Onlineshopper zieht es Oliver Wyman zufolge immer mehr ins Ausland. Grund dafür seien unter anderem Preisnachlässe von bis zu 50 Prozent. (Foto: Andrey Popov/Fotolia)
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Sandra Lehmann

Preisnachlässe für identische Produkte innerhalb Europas locken immer mehr Konsumenten in ausländische Onlineshops. Das geht aus einer aktuellen Umfrage der Strategieberatung Oliver Wyman unter 1.000 deutschen Konsumenten hervor. Demnach haben 45 Prozent der Umfrageteilnehmer bereits einmal in einem ausländischen Onlineshop eingekauft. 37 Prozent davon haben vor, dies in Zukunft häufiger zu tun, wie Oliver Wyman berichtet. Für den Einkauf im Ausland sprechen nach Meinung der Befragten vor allem die bestehenden Preisunterschiede, die nach Oliver Wyman-Analysen bei identischen Produkten innerhalb Europas zum Teil 50 Prozent betragen. Noch scheuen der Beratung zufolge viele Befragte vermeintlich längere Lieferzeiten, höhere Versandkosten und umständliche Retouren. Doch nach Einschätzung von Oliver Wyman-Partner Martin Schulte sind diese operativen Barrieren überwindbar:

„Mit exzellenten Prozessen können ausländische Anbieter vom wachsenden Onlinehandel in Deutschland profitieren und den Preiswettbewerb verschärfen.“ Wie niedrig die Markteintrittsschwelle liegt, zeigt ein weiteres Umfrageergebnis: Nur 21 Prozent der Konsumenten misstrauen ausländischen Anbietern.

Besonders interessiert sind die deutschen Konsumenten laut Oliver Wyman an Mode und Unterhaltungselektronik, auf den weiteren Plätzen folgen Sport-, Reise und Outdoorartikel sowie Möbel und Kosmetik. In all diesen Kategorien müsse jedoch sich nicht nur der Handel mit der neuen Konkurrenz auseinandersetzen, wie Oliver Wyman-Principal Jens von Wedel betont:

„Die grenzüberschreitende Schnäppchenjagd der Verbraucher bringt die Konsumgüterbranche in Zugzwang. Lange konnten global agierende Markenhersteller mit nationalen Preisstrategien gutes Geld verdienen. Im digitalen Zeitalter wird nun ein internationales Preismanagement zum entscheidenden Erfolgsfaktor.“

Dies gelte umso mehr, als auch der Handel seinen Einkauf immer stärker internationalisiere. In einer Analyse fanden Oliver Wyman-Experten Anfang 2019 nach eigenen Angaben heraus, dass der grenzüberschreitende Einkauf großer Handelsunternehmen rund 20 Prozent der Umsätze von Markenartikelherstellern in Europa bedroht und damit deren Profitabilität und in manchen Fällen sogar deren Überleben gefährdet.

Schulte betont daher: „Die Hersteller müssen handeln. Und das schnell.“

Einige Vorreiter in der Konsumgüterbranche haben sich bereits auf die neuen Zeiten eingestellt. Sie haben ihre Preise und Konditionen für europaweit vermarktete Artikel harmonisiert und verfügen ansonsten über ein Portfolio aus unterschiedlichen Produkten für unterschiedliche Märkte. Mit einem länderübergreifenden Key-Account-Management und einem kontinuierlichen Margenmanagement verhindern sie aus Sicht des Beraters zu hohe Preisabweichungen in einzelnen Ländern. „Ein internationales Preismanagement ist ein Balanceakt“, weiß Schulte. Die Hersteller müssten zwischen hohen Absatzmengen und stabilen Margen abwägen. Die Einführung eines internationalen Preismanagements sei dennoch unabdingbar:

„Wenn Konsumenten und Einzelhändler über Ländergrenzen hinweg einkaufen, müssen die Hersteller reagieren und ihre Preise internationalisieren.“

Für Verbraucher könnte dies gerade in bisherigen Niedrigpreisländern den Einkauf in einigen Fällen verteuern. Für Schnäppchenjäger bliebe dennoch durch Sonderaktionen genügend Raum. Von Wedel erklärt: „Im digitalen Zeitalter lassen sich Aktionen mit wenigen Mausklicks aufspüren. Das Internet bleibt ein Paradies für Schnäppchenjäger.“

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