Drohnen: Wingcopter und ANA Holdings schließen Partnerschaft

So soll der Aufbau der Lieferdrohneninfrastruktur in Japan beschleunigt werden.

Tests haben Leistungsfähigkeit des Wingcopters unter den Flugbedingungen im ländlichen Japan nachgewiesen. (Foto: Wingcopter)
Tests haben Leistungsfähigkeit des Wingcopters unter den Flugbedingungen im ländlichen Japan nachgewiesen. (Foto: Wingcopter)
Melanie Wack

Wingcopter, ein deutscher Hersteller und Betreiber von unbemannten Lieferdrohnen, kooperiert mit ANA Holdings, dem Mutterkonzern der japanischen Fluggesellschaft All Nippon Airways, das hat Wingcopter am 15. April bekannt gegeben. Gemeinsam wollen Wingcopter und ANA Holdings der Pressemeldung zufolge die Auslieferung von lebenswichtigen Arzneimitteln sowie von Konsumgütern per Drohne beschleunigen. Die beiden Luftfahrtunternehmen führen demnach umfassende Tests mit der von Wingcopter entwickelten elektrischen „VTOL“-Drohne (Vertical Take-Off and Landing) durch, mit dem Ziel, ein Liefernetzwerk für ganz Japan aufzubauen. ANA Holdings stelle Wingcopter dabei seine jahrzehntelange Erfahrung in der Luftfahrt zur Verfügung, und helfe Wingcopter aktiv dabei, unter den Flugbedingungen Japans und unter Einhaltung der lokalen Luftfahrtbestimmungen erfolgreich zu sein. Wingcopter unterstütze ANA Holdings bei der Ausbildung von Piloten, der Flugrouten- und Einsatzplanung sowie der Wartung.

„Die laufenden Tests mit Wingcopter sind ein bedeutender Schritt in Richtung eines funktionsfähigen Drohnen-Transportnetzes“, sagte Tetsuya Kubo, Vizepräsident von ANA Holdings und zuständig für das Digital Design Lab des Konzerns. „Wir freuen uns, mit Wingcopter zusammenzuarbeiten und auf den Fortschritten und Innovationen früherer Versuche aufzubauen, um einen weiteren Schritt hin zu Drohnenlieferungen zu gehen. Eine vollständig implementierte und funktionierende Drohnen-Transportinfrastruktur wird dazu beitragen, die Lebensqualität in ländlichen Gebieten ganz Japans zu verbessern.“

Lange Innovationsgeschichte

ANA Holdings blickt laut Mitteilung auf eine lange Innovationsgeschichte im Bereich autonomer Technologien zurück und hat bereits moderne Prototypen von Gepäckladern und Schleppern am Flughafen Saga getestet. Im Jahr 2016 habe ANA Holdings begonnen, den Grundstein für seine Drohnen-Transportinfrastruktur zu schaffen, mit dem Ziel, bis 2022 kommerzielle Drohnen-Lieferdienste anzubieten. Seit 2018 werden Drohnenlieferungen in Japan getestet, und 2019 fanden die ersten Flüge mit Wingcopter-Drohnen statt, so Pressemeldung. Ebenfalls im Jahr 2019 habe ANA Holdings eine Absichtserklärung mit der sambischen Regierung zur Durchführung von Feldversuchen mit Drohnen unterzeichnet, um den Zugang zu medizinischen Gütern in Sambia zu verbessern.

„Einem globalen Unternehmen wie ANA Holdings dabei zu helfen, neue Geschäftsfelder zu erschließen und gleichzeitig unsere Mission, Leben zu retten und zu verbessern, zu verfolgen, ist das, wofür wir unermüdlich arbeiten“, ergänzt Tom Plümmer, CEO von Wingcopter. „Wir freuen uns sehr auf die nächsten Schritte und die Partnerschaft mit ANA Holdings in Japan und darüber hinaus.“

Erste Testphase

Die erste Phase der aktuellen Tests fand laut Pressemeldung zwischen dem 21. und 26. März mit überwachten Flügen eines Wingcopters zwischen Fukuejima und Hisakajima in Goto City in der Präfektur Nagasaki statt. Die Flüge haben den Angaben zufolge erfolgreich die Praxistauglichkeit von Drohnenlieferungen für medizinische Güter demonstriert und konnten die Wartezeit von Patienten drastisch verkürzen. In dieser abgelegenen Region Japans sei es aufgrund schwacher Infrastruktur schwierig, medizinische Hilfsgüter schnell zu transportieren. Dies stelle ein großes Problem für Gesundheitsbehörden und medizinische Fachkräfte dar, die in Situationen, in denen Zeit ein Schlüsselfaktor bei der Behandlung ist, schnell reagieren müssen.

Da Wingcopters „eVTOL“-Starrflügler-Drohnen in der Lage seien, im Vergleich zu anderen unbemannten Fluggeräten sowohl weiter als auch schneller zu fliegen, stellen sie in vielen Regionen eine sinnvolle Alternative zur Lieferung auf dem Landweg dar. Darüber hinaus hat sich der Wingcopter laut Herstellerangaben in Projekten vom stürmischen Irland über die heiße Wüste der Vereinigten Arabischen Emirate bis hin zum eiskalten arktischen Kanada als widerstandsfähig gegenüber Wind oder Wetter erwiesen.

Die laufenden Tests sollen ANA Holdings dabei helfen, herauszufinden, welche Fluggeräte sich am besten für den Einsatz in den einzelnen Regionen des Landes eignen. Dabei werden die lokalen Wetterbedingungen und die Nachfrage nach Drohnenlieferungen bewertet, während das Unternehmen eine Reihe von Hubs entlang des Transportnetzes errichtet, so die Pressemeldung.

Expansion auf dem japanischen Markt

Für Wingcopter sei die Partnerschaft mit ANA Holdings der erste große Schritt in seinem Bestreben, auf dem japanischen Markt weiter zu expandieren. Das Unternehmen hat laut Mitteilung kürzlich eine eigene Repräsentanz in Japan eröffnet und bietet Lösungen für kommerzielle Drohnenlieferungen an.

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