Drohnen: EIB investiert 40 Millionen Euro in Wingcopter

Mit dem Geld möchte das Start-up sein Drohnenmodell ausbauen und behördliche Zulassungen in Schlüsselmärkten vorantreiben.

Der Lastendrohnenanbieter Wingcopter wird von der Europäischen Investitionsbank mit 40 Millionen Euro unterstützt. Momentan werden die Drohnen des Anbieters vornehmlich für humanitäre Zwecke eingesetzt. (Foto: Wingcopter)
Der Lastendrohnenanbieter Wingcopter wird von der Europäischen Investitionsbank mit 40 Millionen Euro unterstützt. Momentan werden die Drohnen des Anbieters vornehmlich für humanitäre Zwecke eingesetzt. (Foto: Wingcopter)
Sandra Lehmann

Die Europäische Investitionsbank (EIB) investiert 40 Millionen Euro Quasi-Eigenkapital in die Wingcopter GmbH. Das gaben das Geldinstitut und das Start-up im Mai bekannt. Die EIB-Finanzierung ist durch das InvestEU-Programm der Europäischen Kommission im Förderbereich „Nachhaltige Infrastruktur“ abgesichert. Elektrisch angetriebene Frachtdrohnen können bei der Lieferung dringend benötigter Güter CO2-intensive Verkehrsmittel wie Motorräder, Transporter und Hubschrauber ersetzen und so zum Übergang zu einer grünen, nachhaltigen Wirtschaft beitragen.

Die elektrisch angetriebenen Drohnen der 2017 in Hessen gegründeten Firma kommen bereits bei mehreren kleinen kommerziellen und humanitären Projekten zum Einsatz. Im Rahmen eines gemeinsamen Projekts mit UNICEF und der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) liefern die Drohnen von Wingcopter beispielsweise in Malawi lebensrettende Medikamente und medizinische Güter an Dorfgemeinschaften in schwer zugänglichen Gebieten.

Pilotprojekt zur ländlichen Versorgung

Diesen Sommer soll der „Wingcopter 198“ nach Unternehmensangaben erstmals in Deutschland bei einem Pilotprojekt in Südhessen eingesetzt werden. Wingcopter will testen, ob sich die Drohne für den On-Demand-Transport von Lebensmitteln und anderen Konsumgütern eignet. Das Projekt wird zusammen mit der Frankfurt University of Applied Sciences durchgeführt und soll helfen, die Nahversorgung im ländlichen Raum durch einen nachhaltigen Lieferservice zu verbessern. Es wird vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr gefördert.

Weitere Geldgeber neben der EIB sind laut Wingcopter internationale Investoren wie die Rewe Group, der japanische Konzern Itochu, Xplorer Capital aus dem Silicon Valley und die Investmentfirma Expa von Uber- Mitgründer Garrett Camp.

Logistikdienstleister mit Drohnenexpertise

Mit den Mittelzusagen könne Wingcopter sein Drohnenmodell weiterentwickeln, die behördliche Zulassung für Schlüsselmärkte vorantreiben und seine Drohnen im großen Maßstab in nachhaltigen Liefernetzen einsetzen. Wingcopters Ziel sei es, sich als branchenübergreifender globaler Logistikdienstleister zu etablieren.

Ambroise Fayolle, EIB-Vizepräsident mit Aufsicht über die Finanzierungen der Bank in Deutschland, sagt:

„Europa ist heute im Bereich Cleantech weltweit führend, und wir müssen alles tun, um diesen Vorsprung zu wahren. Unsere Aufgabe ist es, europäische Cleantech-Vorreiter mit globaler Reichweite wie Wingcopter zu unterstützen. Elektrisch angetriebene Frachtdrohnen tragen im vertikalen Marktsegment wesentlich zur nachhaltigen Logistik der Zukunft bei. Mit dieser Finanzierung zeigen wir: Unternehmen, die für moderne grüne Technologien stehen, liegen uns am Herzen. Wir helfen ihnen, ihre technologische Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, Arbeitsplätze für qualifizierte Fachkräfte zu schaffen, neue Märkte zu erschließen und gleichzeitig die Natur zu schützen. Wir sind stolz darauf, bei dieser europäischen Erfolgsgeschichte dabei zu sein.“

„Die Vereinbarung zeigt eindrucksvoll, wie InvestEU Unternehmen hilft, das notwendige Kapital zu finden, um innovativ zu sein und zu wachsen. InvestEU wird weiterhin Investitionen fördern, mit denen sich Europa als Weltmarktführer bei der Entwicklung und Herstellung innovativer Produkte behaupten kann, für die es nützliche reale Anwendungsmöglichkeiten gibt“, EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni.

„Wir wollen bei der Drohnen-Zustellung dringend benötigter Waren – von medizinischen Gütern bis hin zu Lebensmitteln – weltweit führend werden. Die EIB hilft uns dabei, und wir danken der Bank für ihr Vertrauen und ihre Unterstützung. Außerdem wollen wir den Menschen ein besseres Leben ermöglichen, indem wir Arbeitsplätze schaffen – in der Forschung und Entwicklung sowie in der Produktion an unserem Sitz in Europa, und in Ländern, in denen wir unsere Dienste anbieten. Dort bilden wir junge Einheimische für den Betrieb unserer Drohnen- Liefernetzwerke aus. Nur mit starken Partnern wie der EIB können wir eine zuverlässige, effiziente und sichere Lieferdrohnentechnologie und entsprechende Logistikdienste entwickeln“, erläutert Tom Plümmer, Mitgründer und CEO von Wingcopter.