Drohnen: BMVI fördert Projekte

Scheuer sieht „enormes Zukunftspotenzial“ in Drohnen und Flugtaxis.

Bei der Übergabe der Zukunftschecks (v.l.n.r.): Esther Dilcher (Mitglied des Deutschen Bundestages, Bundestagswahlkreis Waldeck), Benjamin Federmann (doks. innovation GmbH), Andreas Scheuer (Bundesverkehrsminister), Manuel Krieg (Regionalmanagement Nordhessen), Tanita Reed (B.Braun Melsungen), Linda Waldeyer (Regionalmanagement Nordhessen), André Oswald (Libri), Christiane Stein (Moderatorin). (Foto: BMVI)
Bei der Übergabe der Zukunftschecks (v.l.n.r.): Esther Dilcher (Mitglied des Deutschen Bundestages, Bundestagswahlkreis Waldeck), Benjamin Federmann (doks. innovation GmbH), Andreas Scheuer (Bundesverkehrsminister), Manuel Krieg (Regionalmanagement Nordhessen), Tanita Reed (B.Braun Melsungen), Linda Waldeyer (Regionalmanagement Nordhessen), André Oswald (Libri), Christiane Stein (Moderatorin). (Foto: BMVI)
Melanie Endres

Drei Forschungsprojekte mit den Schwerpunkten Logistik (Inventarisierung mit Drohnen), Luftraummanagement (Entwicklung eines Leitstands) und Mobilität (Einbindung von Flugtaxis) haben am 14. Februar im Rahmen des Ideen- und Förderaufrufs von Bundesminister Andreas Scheuer Zukunftsschecks in Höhe von insgesamt fast 7,5 Millionen Euro erhalten. Dabei betont die Pressemitteilung, dass das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) Drohnen und Flugtaxis nachdrücklich unterstütze.

Bundesminister Andreas Scheuer: „Drohnen und Flugtaxis haben ein enormes Zukunftspotenzial. Das zeigen die vielen visionären Ideen und Innovationen ‚Made in Germany‘ aus unserem Ideen- und Förderaufruf. Ob als vielseitiges Werkzeug für Feuerwehr und Polizei, als Verkehrsmittel oder zum Transport für lebenswichtige Medizingüter – die Anwendungsmöglichkeiten sind riesig. Wir wollen die Technologie deshalb aus dem Labor in die Luft bringen. Zugleich behalten wir die Risiken fest im Blick – mit wirksamen technischen Lösungen. Drei Projekte mit Pioniergeist erhalten heute Zukunftsschecks. Sie zeigen uns, wie wir Drohnen und Flugtaxis effizient einsetzen und sicher in den Luftraum integrieren können. Mit unserem Ideen- und Förderaufruf bringen wir schon heute Dynamik in die Mobilität von morgen.“

Unterstützung für Forschung, Entwicklung und Erprobung

Mit dem Ideen- und Förderaufruf unterstützt das BMVI nach eigenen Angaben die Forschung, Entwicklung und Erprobung innovativer Technologien, Anwendungen und Mobilitätskonzepten im Bereich der unbemannten Luftfahrt (Drohnen und Lufttaxis). 160 Projektskizzen seien im Rahmen des Ideen- und Förderaufrufs eingegangen – 36 innovative Vorhaben werden nun gefördert. Das Förderprogramm habe ein Volumen von 29 Millionen Euro und laufe von 2019 bis 2022. Dazu gehören laut Pressemeldung auch schnelllaufende Pilotvorhaben und Studien im Jahr 2019 sowie innovative kommunale Luftmobilitätskonzepte. Zu den geförderten Projekten zählen „UDVEeo – Urban Air Mobility-Region Hamburg“, „SkyCab II – Urban Air Mobility-Region Aachen“ und „UAS INVENT – Urban Air Mobility-Region Nordhessen/Bad Hersfeld“.

UDVeo: Leitstelle für den Drohnenverkehr

Das Projekt „UDVeo“ entwickelt eine behördliche oder behördlich autorisierte Leitstelle für den sicheren und effizienten Drohnenverkehr im Luftraum. Für das Drohnenverkehrsmanagement soll ein rechtlich-technisches Gesamtkonzept erarbeitet werden, welches es ermöglicht, den gesamten Ablauf zur Registrierung, Planung und Durchführung von Drohnenflügen softwaregestützt zu organisieren. Dabei wird auch die Integration des Drohnenverkehrs in das übliche Verkehrsgeschehen, insbesondere den traditionellen Flugverkehr, berücksichtigt. Die Funktionen der Leitstelle werden mit realen Drohnen demonstriert. Die Projektpartner sind dabei die Helmut-Schmidt Universität / Universität der Bundeswehr Hamburg, Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation der Freien und Hansestadt Hamburg, consider it GmbH, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V., HHLA Sky GmbH, NXP Semiconductors Germany GmbH, Third Element Aviation GmbH und WPS Workplace Solutions GmbH. Die Fördersumme beläuft sich auf rund drei Millionen Euro.

SkyCab II: Intermodales Mobilitätskonzept

Die Projektpartner entwickeln ein intermodales Mobilitätskonzept für die Pilotregion NRW/Rhein-Maas Euregio. Dafür berücksichtigen sie technologische, wirtschaftliche und operative Rahmenbedingungen. Eine Analyse des Mobilitätsverhaltens und -bedarfs in der Modellregion soll Möglichkeiten und Grenzen für ein kommerzielles Flugtaxiangebot aufzeigen. Im Rahmen des Projektes wird basierend auf Ergebnissen aus Bürgerbeteiligungen ein flugfähiges Subscale-Modell – das SkyCab – gebaut und getestet. Die Fluggastzelle wird nach den Standards der Automobilindustrie entwickelt und als Prototyp gefertigt. Die Projektpartner sind die Fachhochschule Aachen, Braunwagner GmbH, Digital Mobility Solutions GmbH, FEV Vehicle GmbH, Flughafengesellschaft Mönchengladbach GmbH, OECC Concepts & Consulting, RLE International Produktentwicklungsgesellschaft mbH und die Stadt Aachen. Zu den assoziierte Partner zählen FEV Consulting, Nahverkehr Rheinland GmbH, Rheinland Air Service GmbH und die Stadt Mönchengladbach. Die Fördersumme beläuft sich laut Mitteilung auf zirka 2,6 Millionen Euro.

UAS INVENT: Vernetzte Drohne

Im Rahmen des Projekts „UAS INVENT“ wird eine vernetzte Drohne sowie eine Software zur automatisierten Erfassung, Auswertung und Dokumentation von Beständen in Palettenregalen und Blocklagern entwickelt. Für die Erprobung im Außen- und Innenbereich der Lager sind mehr als 100 beziehungsweise mehr als 500 Test- und Betriebsstunden angesetzt, die bei dem Projektpartner B. Braun Melsungen AG sowie den assoziierten Partnern Volkswagen AG und Libri GmbH durchgeführt werden. Weitere Projektpartner sind das Regionalmanagement Nordhessen GmbH und die doks. innovation GmbH. Die Fördersumme ist zirka 1,9 Millionen Euro hoch.

Der Luftraum als 3. Dimension

Die Region Nordhessen ist im September 2018 unter der Federführung der Regionalmanagement Nordhessen GmbH und mit der Unterstützung eines breiten Spektrums von Akteuren der europäischen Initiative Urban Air Mobility beigetreten. Ziel der Gemeinschaftsinitiative ist es, den Luftraum als „3. Dimension“ durch neue Technologien und Konzepte zu erforschen und zu erproben. Denn, die kommerzielle Nutzung von Drohnen erschließt eine Vielzahl von neuen Anwendungsfällen.

„Bei der Vorbereitung auf die Digitalisierung der Inventurprozesse auf ein solch breit aufgestelltes Projektkonsortium zurückgreifen zu können, bietet ganz neue Chancen zur Optimierung unserer Logistikprozesse“, so Michael Fischbach, Leiter Logistik und Werktechnik am Standort Kassel der Volkswagen Konzern Komponente.

Verschiedene Szenarien

Neben den klassischen Liefer-Drohnen gibt es, gerade im Bereich der Logistik, verschiedene Anwendungsszenarien, die eine effizientere und nachhaltige Gestaltung von Prozessen ermöglichen, so die Mitteilung. Die Bestandserfassung im Lager sei beispielsweise „eine hochmanuelle Tätigkeit mit geringer Wertschöpfung“. Das Projektkonsortium aus Nordhessen hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Erfassung von Daten mithilfe von autonom fliegenden Drohnen und die anschließende Datenverarbeitung unter Anwendung von Machine Learning und Künstlicher Intelligenz zu automatisieren.

„Das Projekt ist ein wichtiger Schritt in der Entwicklung der Drohnentechnologie in ganz Europa. Dass ein nordhessisches Start Up in Zusammenarbeit mit in der Region ansässigen Global Playern eine Zukunftstechnologie entwickelt, bestätigt die Innovationskraft des Wirtschaftsstandortes Nordhessen“, so Manuel Krieg, Interims-Geschäftsführung, Regionalmanagement Nordhessen GmbH.

Neue Technologien im Test

„Die Digitalisierung unserer Prozesse ist ein wesentliches Ziel unserer Unternehmensstrategie. Das Projekt „UAS INVENT“ ist hierfür ein exzellenter Beitrag, um die Anwendbarkeit neuer Technologien in der Logistik frühzeitig zu testen und gemeinsam weiter zu entwickeln“, sagt Thorsten Nöll, Senior Vice President Corporate Supply Chain Management, B. Braun Melsungen AG.

Die technische Expertise liefert das Start Up doks. innovation GmbH, das an seinem Standort in Kassel Lösungen für die Automatisierung von Inventur- und Transportprozessen entwickelt, so die Mitteilung. Besonders an dem Projekt sei der hohe Praxisbezug: In Kooperation mit B.Braun Melsungen sowie den assoziierten Unternehmen Libri und dem Standort Kassel der Volkswagen Konzern Komponente werden alle Entwicklungen bereits in einem frühen Stadium vor Ort getestet und gemeinsam weiterentwickelt. Dies mache es möglich, die zu entwickelnden Lösungen genau auf die Bedürfnisse der Anwender in der Logistik abzustimmen und unter Realbedingungen zu testen.

„Das Konsortium, sowie die assoziierten Partner Libri und Volkswagen bieten ein einmaliges Anwenderumfeld, um das volle Potenzial der zu entwickelnden Lösungen aufzuzeigen“, erklärt Benjamin Federmann, CEO und Co-Founder, doks. innovation GmbH.

Weitere Maßnahmen des BMVI zu Drohnen und Flugtaxis:

  • Das BMVI unterstützt Drohnenanwendungen mit Datenbezug durch das Förderprogramm "mFund" mit aktuell zehn Anwendungen. 
  • Für Drohnenforschungs- und Testaktivitäten wurde im BMVI eine Koordinierungsstelle eingerichtet. Sie ist zentraler Ansprechpartner und Austauschplattform für Kommunen, Forscher und Industrie.
  • Parallel hat das BMVI die Projektgruppe Unbemannte Luftfahrt eingerichtet, die sich um die Koordinierung der Umsetzung des EU-Drohnenrechts kümmert. Damit soll sichergestellt werden, dass der rechtliche Rahmen mit der technologischen Entwicklung Schritt hält.
  • Im Drohnen-Beirat des BMVI sind die wichtigsten Akteure aus den Bereichen Luftfahrt, Digitalisierung und Anwendungen zum branchenübergreifenden Austausch verbunden.
  • Die nächste Stufe wird ein Aktionsplan für „Unbemannte Luftfahrtsysteme und innovative Luftfahrtkonzepte“ sein, den die Bundesregierung in diesem Jahr vorlegen wird. Darin sollen die weiteren Maßnahmen definiert werden, die zur Etablierung dieses neuen Verkehrssystems ergriffen werden müssen.

Eine Übersicht aller geförderten Projekte im Rahmen des Ideen- und Förderaufrufs finden Sie auf der BMVI-Webseite: www.bmvi.de/luftmobilitaet.

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