Digitalisierung: So ist der Mittelstand in China und D-A-CH aufgestellt

Im D-A-CH-Raum ist die IT-Infrastruktur für die Digitalisierung einer Studie von Dätwyler zufolge oft noch das Rechenzentrum.

Kennen den Markt für IT-Infrastruktur in D-A-CH und China: Johannes Müller, Chief Executive Officer (CEO) von Dätwyler Cabling Solutions, und Xubing Xia, Geschäftsführer von Dätwyler Cabling Solutions in China. (Foto: Dätwyler)
Kennen den Markt für IT-Infrastruktur in D-A-CH und China: Johannes Müller, Chief Executive Officer (CEO) von Dätwyler Cabling Solutions, und Xubing Xia, Geschäftsführer von Dätwyler Cabling Solutions in China. (Foto: Dätwyler)
Therese Meitinger

Einen ungewöhnlichen Systemvergleich zwischen China und dem D-A-CH-Raum unternahm der IT-Infrastruktur-Anbieter Dätwyler Cabling Solutions: Die Schweizer Firma ließ laut einer Mitteilung vom 25. Mai für eine Studie Führungskräfte mittelständischer Unternehmen in den jeweiligen Ländern nach ihrer Digitalisierungsstrategie befragen, wobei die IT-Infrastruktur einen besonderen Fokus bildete. Durchgeführt wurde die branchenübergreifende Studie nach Firmenangaben von Dezember 2019 bis Januar 2020 durch Marktforscher von Techconsult. Befragt wurden jeweils 200 Führungskräfte in mittelständischen Unternehmen in China sowie im D-A-CH-Raum.

Die Untersuchung wurde vor der Corona-Pandemie durchgeführt. Die Krise habe jedoch nochmals bestätigt, wie überlebenswichtig eine verlässliche Technologiebasis für funktionierende digitale Prozesse sei, so das Unternehmen.

„Digitale Infrastrukturen, Prozesse und Geschäftsmodelle müssen mit noch mehr Nachdruck realisiert werden“, empfiehlt Johannes Müller, Chief Executive Officer (CEO) von Dätwyler Cabling Solutions.

In der Dätwyler-Studie wurde zunächst der Status der aktuellen IT-Infrastruktur der mittelständischen Unternehmen analysiert. Das Fundament einer soliden Infrastruktur für die Digitalisierung bildet demnach zumindest in D-A-CH noch das klassische Rechenzentrum. Es ist der Studie zufolge die am häufigsten installierte IT-Infrastruktur. Cloud-Modelle finden sich demzufolge eher in größeren mittelständischen Unternehmen, dort werden sie aber auch mehrfach genutzt. In China werde signifikant häufiger auf Cloud-Leistungen wie Infrastructure-as-a-Service (IaaS) beziehungsweise Platform-as-a-Service (PaaS) zurückgegriffen, so die Studie.

Hohe Investionsbereitschaft auf beiden Seiten

Insgesamt zeigt sich in der Studie in beiden Regionen ein hohes Investitionsniveau in die IT-Infrastruktur – in den kommenden zwölf Monaten und darüber hinaus. In D-A-CH planten zum Zeitpunkt der Befragung 81 Prozent der Unternehmen in den nächsten zwölf Monaten, in ihre IT-Infrastruktur zu investieren. In die Cloud wollten in den deutschsprachigen Ländern insgesamt 54 Prozent der Unternehmen investieren, in Rechenzentren knapp 53 Prozent der Befragten. Das zeigt eine leichte Tendenz in Richtung Cloud Computing.

In China lag die Anzahl der Unternehmen, die ihre IT-Infrastruktur modernisieren möchten, sogar bei 99 Prozent. 64 Prozent planten in diesem Jahr in Datacenter zu investieren, gefolgt von IaaS (56 Prozent) und hybriden Cloud-Modellen (48 Prozent).

„Die Zahlen legen die Verknüpfung von Cloud-Konzepten mit der Datenverarbeitung im eigenen Rechenzentrum nahe“, so Xubing Xia, Geschäftsführer von Dätwyler Cabling Solutions in China.

Generell erwarten die Unternehmen der Umfrage zufolge starke strategische Umwälzungen durch die Digitalisierung. Mehr als die Hälfte der Führungskräfte in D-A-CH (55 Prozent) sehen eine Veränderung des Geschäftsmodells als notwendig an:

„Das ist ein unerwartetes Ergebnis, da D-A CH-Länder eher für Nachhaltigkeit als für Wandlungsfähigkeit und übergroße Innovationsfreude stehen“, kommentiert Johannes Müller.

 In der DACH-Region wollen die meisten Unternehmen Cloud- und Infrastruktur-Services an externe Anbieter outsourcen (49 Prozent) oder ins Plattformgeschäft einsteigen (47 Prozent).

Die mit der Digitalisierung einhergehende strategische Veränderung von Geschäftsmodellen wird in China Dätwyler zufolge offensiver gelebt. Dort sehen 80 Prozent der befragten Unternehmen eine notwendige Veränderung gegenüber 55 Prozent in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Insbesondere für die chinesischen Unternehmen mit mehr als 2000 Mitarbeitenden ist dieser strategische Wandel unerlässlich (zwischen 85 Prozent und 87 Prozent Zustimmung). 64 Prozent der chinesischen Unternehmen wollen ihre Produkte und Services über eine Plattform anbieten, 63 Prozent Cloud-Services von externen Anbietern einkaufen (Cloud- und Service-Orchestrierung).

China ist bei der 5G-Planung weit voraus

5G-Anwendungen werden der Studie zufolge unterschiedlich häufig eingesetzt: In D-A-CH ist 5G zwar schon sichtbar (zehn Prozent). Anwendungen wie Campus-Netze sind zumeist noch in der Planung (33 Prozent). In China arbeiten aktuell bereits 15 Prozent der Unternehmen mit Campus-Netzwerken, 52 Prozent planen die Nutzung von 5G-Applikationen in den kommenden Jahren.

Edge Computing hat ein großes Potenzial. Noch spielt es für die IT-Infrastruktur laut der Umfrage eine verhältnismäßig geringe Rolle (22 Prozent China, 20 Prozent D-A-CH). Dennoch steht die Technologie deutlich auf der Ausgabenagenda vieler Befragter. In D-A-CH gaben 47 Prozent und in China 65 Prozent die Datenverarbeitung „am Rand des Netzwerks“ als Investitionsbereich für die kommenden Jahre an.

Auf die Frage, in welchen Bereichen die Unternehmen aktuell Digitalisierungsprojekte umsetzen, gaben die Befragten in D-A-CH an, dass sie Sicherheitsrichtlinien (42 Prozent) implementieren oder mobile Lösungen (42 Prozent) einrichten. In China setzen 43 Prozent auf Security-Projekte und 42 Prozent auf mobile Lösungen. Im Laufe dieses Jahres stehen dann in D-A-CH die Bereiche Smarte Produkte mit 39 Prozent und kKünstliche Intelligenz (KI) mit 38 Prozent an erster Stelle. China plant 2020 mit jeweils 46 Prozent Internet-of-Things- (IoT) und KI-Projekte.

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