Digitalisierung: Covid-19 treibt Lieferkettentransparenz

Laut dem 13. Hermes-Barometer sehen viele Unternehmen im Zuge der Coronakrise gestiegene Informationsanforderungen an die Lieferketten.

Das 13. Hermes-Barometer nimmt Transparenz in der Supply Chain in den Fokus. (Bild: Hermes)
Das 13. Hermes-Barometer nimmt Transparenz in der Supply Chain in den Fokus. (Bild: Hermes)
Therese Meitinger
(erschienen bei LOGISTRA von Tobias Schweikl)

Für jedes zweite Unternehmen hat die Relevanz einer transparenten Supply Chain in den vergangenen Monaten zugenommen. Doch trotz des gestiegenen Einsatzes von Technologien verzögern zahlreiche Hemmnisse, wie Kommunikationsprobleme und Sicherheitsbedenken die Bemühungen der Unternehmen, eine transparente Supply Chain zu realisieren. Zu diesem Ergebnis kommt das 13. Hermes-Barometer „Transparenz in der Supply Chain“, eine Umfrage von Hermes Germany unter 200 Logistikentscheidern deutscher Unternehmen.

Die Informationsanforderungen an die Lieferketten sind vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie sowie wachsender wirtschaftlicher Unsicherheiten deutlich gestiegen: 47 Prozent der Befragten gaben an, dass eine transparente Lieferkette durch die Pandemie eine deutlich größere Bedeutung bekommen hat. Ein Viertel der Befragten stimmte darüber hinaus der Aussage zu, dass die Komplexität innerhalb der eigenen Lieferkette wächst und sich Risiken über den gesamten Produktions- und Vertriebsprozess kaum kontrollieren lassen.

Wie schon in der Umfrage im Jahr 2017 sind Kommunikationsprobleme zwischen den beteiligten Partnern sowie die fehlende Vernetzung mit Lieferanten und Handelspartnern auch im Jahr 2020 die Haupthindernisse bei der Realisierung einer transparenten Lieferkette. 46 Prozent der Befragten werden durch Sicherheitsbedenken sowie fehlendes Vertrauen (43 Prozent) gehindert, Daten mit ihren Partnern zu teilen – die Basis für eine verbesserte Kommunikation und die Erhöhung der Transparenz innerhalb einer Supply Chain.

„Die Nutzung einer gemeinsamen SCM-Software, mit der sich Zugriffsrechte definieren und Daten sicher teilen lassen, könnte hier eine nutzbringende Lösung für alle Beteiligten sein“, erklärt Moritz Gborglah, Division Manager International Freight bei Hermes International, einem Geschäftsbereich von Hermes Germany.

Darüber hinaus sind laut der Erhebung fehlende personelle Ressourcen, für eine intensivere Zusammenarbeit besonders bei jedem zweiten kleineren Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern ein relevantes Hindernis (53 Prozent).

„Gerade kleineren Unternehmen fällt es schwer, Know-how langfristig im Unternehmen zu binden“, so Gborglah.

Zusätzlich erschwert nach wie vor der hohe Zeit- und Kostenaufwand für die Implementierung notwendiger Technologien die Transformation.

Vor allem bewährte Technologien gefragt

Der Einsatz von Technologien ist für die Supply-Chain-Planung globaler Lieferketten Hermes zufolge jedoch hochgradig relevant: 75 Prozent der Entscheider stimmten in der Umfrage der Aussage zu, dass digitale Technologien von entscheidender Bedeutung seien, um bei künftigen Krisen über eine widerstandsfähige Lieferkette zu verfügen.

Diese Auffassung spiegelt sich in der Erhebung auch in der Technologienutzung wider. Diese hat im Vergleich zum Jahr 2017 signifikant zugenommen. Einen besonders starken Zuwachs verzeichnen die Nutzung von Dashboards (plus 17 Prozent), Portalen und Plattformen (plus 16 Prozent) sowie Cloud-Lösungen (plus 13 Prozent). Innovative Technologien wie die Blockchain oder künstliche Intelligenz (KI) nutzen aktuell 10 Prozent der befragten Unternehmen. Diese Entwicklung zeigt deutlich, dass lediglich bereits erprobte Technologien in der Fläche Verwendung finden.

„Für die Anwendung innovativer Technologien braucht es mehr Best-Practice-Beispiele, an denen sich die Unternehmen orientieren können“, sagt Gborglah. So habe Hermes International beispielsweise gute Erfahrungen mit der Nutzung von Big Data gemacht, die nun an die Kunden weitergegeben werden könnten.

Rund die Hälfte der Befragten sehen ihre Unternehmen gut aufgestellt und auch für größere Disruptionen vorbereitet. So verneinten 55 Prozent die Aussage, dass infolge der Pandemie vorher nicht sichtbare Schwachstellen in der Lieferkette aufgedeckt wurden.

„Das Bewusstsein für die eigenen Prozesse und Limitationen scheint gewachsen zu sein“, sagt Gborglah und betont dabei, wie wichtig es sei, dass Unternehmen die hohe Bedeutung der eigenen Lieferkette für die gesamte Unternehmensperformance erkennen.

Das wachsende Wissen mag auch mit der vermehrten Transparenz innerhalb deutscher Lieferketten zusammenhängen. Der Umfrage zufolge verfügen aktuell 32 Prozent der befragten Unternehmen über eine digitale Echtzeit-Supply-Chain, um Risikofaktoren in der Lieferkette zu identifizieren. Im Jahr 2017 waren es noch 20 Prozent.

„Diese Entwicklung ist durchaus positiv zu bewerten“, sagt Gborglah. „Sie zeigt jedoch auch, welchen Weg knapp 70 Prozent der Unternehmen noch zu gehen haben, um langfristig erfolgreich am Markt bestehen zu können.“

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