DHL Logistics Trend Radar: Diese Entwicklungen prägen künftig die Logistik

Der Bericht zeigt, welche Trends in den nächsten zehn Jahren die Logistikindustrie beeinflussen. Dazu gehören die Diversifizierung von Lieferketten, Robotik, die Dekarbonisierung und alternative Energielösungen.

Der aktuelle DHL Logistics Trend Radar analysiert, womit sich die Unternehmen beschäftigen, um künftige Herausforderungen in der Logistik zu bewältigen. (Bild: Adobe Stock, Maha Heang 245789)
Der aktuelle DHL Logistics Trend Radar analysiert, womit sich die Unternehmen beschäftigen, um künftige Herausforderungen in der Logistik zu bewältigen. (Bild: Adobe Stock, Maha Heang 245789)
Gunnar Knüpffer

Die Dekarbonisierung, die Robotertechnik, Big Data, die Diversifizierung von Lieferketten und alternative Energielösungen werden die Logistik am stärksten verändern. Zu diesem Ergebnis kommt die sechste Ausgabe des DHL Logistics Trend Radars, der am 25. Oktober vorgestellt wurde. Der Bericht beleuchtet 40 Trends, die in den nächsten zehn Jahren maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung von Unternehmen, Gesellschaften und Technologien für die globale Logistikindustrie haben sollen. Er beruht auf Erkenntnissen aus einem intensiven Austausch mit Kunden und einem großen Partnernetzwerk, das Forschungsinstitute, Technologieunternehmen und Start-ups umfasst.

„In der diesjährigen Ausgabe stellen wir neue Logistiktrends vor, die zuletzt stark an Bedeutung gewonnen haben, wie zum Beispiel Computer Vision, interaktive KI, Smart Labels und DEIB (Diversity, Equity, Inclusion & Belonging)“, sagte Klaus Dohrmann, VP Head of Innovation Europe, DHL Customer Solutions & Innovation.

Im Mittelpunkt der Transformation der Logistik stehen derzeit Maßnahmen zur Sicherstellung resilienter Lieferketten. „Im Supply Chain Management geht es nicht mehr nur um Effizienz und operative Exzellenz – die Erkenntnis, dass Lieferketten ein wesentlicher Treiber einer messbaren Wertschöpfung sind, setzt sich immer mehr durch“, meinte Dohrmann.

Unternehmen wollen Lieferketten diversifizieren

Angesichts der zunehmenden Häufung klimabedingter Katastrophen und geopolitischer Störereignisse bemühen sich Unternehmen um eine Diversifizierung ihrer Lieferketten zur Stabilisierung ihrer betrieblichen Abläufe. Mögliche Strategien für Unternehmen sind laut DHL Logistics Trend Radar das Multisourcing, bei dem mit unterschiedlichen, miteinander konkurrierenden Lieferanten zusammengearbeitet wird, und das Multishoring, bei dem auf Anbieter aus verschiedenen Ländern oder Regionen zurückgegriffen wird.

Durch eine breitere Lieferantenbasis und den Ausbau der Produktions- und Vertriebsnetze können demnach Resilienz, Agilität, Reaktionsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit verbessert werden. 76 Prozent der für den DHL Logistics Trend Radar befragten Unternehmen wollen ihre Lieferantenbasis in den nächsten zwei Jahren nennenswert anpassen, um ihre Lieferkette resilienter zu machen.

Der entscheidende Faktor für resiliente Lieferketten ist dabei die Transparenz. Durch Analysen großer Datenmengen – Stichwort Big Data – können bisherige Muster identifiziert, Veränderungen des Status quo in Echtzeit erkannt und Prognosen erstellt werden. Unternehmen, die in der Lage sind, permanent große Mengen unstrukturierter Daten zu analysieren, werden laut dem Trend Radar ganz klar im Vorteil sein, während diejenigen, die nur die wichtigsten Transaktionsdaten betrachten, enormes Potenzial ungenutzt lassen. Digitale Zwillinge vereinfachen die vorausschauende Wartung, wodurch Produktionsausfälle um 70 Prozent reduziert und Lieferketten am Laufen gehalten werden könnten, während Computer Vision effizientere Abläufe und einen sichereren Betrieb ermögliche.

Zusätzliche Trends im Bereich Visibility und Resilience sind:

  • Weltraumlogistik
  • Blockchain
  • Neue Übertragungstechnik

Investitionen fließen verstärkt in Elektromobilität

Dem Bericht zufolge gewinnt das Thema ökologische Nachhaltigkeit weltweit weiter an Bedeutung. Als besonders einflussreich wurden dabei die Trends Dekarbonisierung, alternative Energielösungen, Kreislaufwirtschaft und Umweltbewusstsein identifiziert.

Da viele Kunden mittlerweile bereitwillig mehr für nachhaltigere Optionen bezahlen, sondieren die Unternehmen die aktuell verfügbaren Lösungen zur Dekarbonisierung ihrer Lieferketten. 85 Prozent der Verbraucher sind in den vergangenen fünf Jahren umweltbewusster in ihrem Kaufverhalten geworden und 65 Prozent ändern ihre Lebensgewohnheiten grundlegend oder zumindest in einem gewissen Maße. Vor diesem Hintergrund prüfen die Unternehmen verschiedene Möglichkeiten, um ihre Produkte „grüner“ zu gestalten.

Dabei sind die Lieferketten ein wichtiger Hebel. Was alternative Energielösungen angeht, prüfen die Unternehmen die Umstellung auf eine elektrische Flotte. Von den 755 Milliarden US-Dollar, die 2021 in die Energiewende investiert wurden, flossen 36 Prozent in die Elektromobilität. Ein Trend, der laut Trend Radar neue Geschäftsmodelle erfordern könnte, ist die Kreislaufwirtschaft. Momentan werden nur 8,5 Prozent der Materialien, die wir verbrauchen, recycelt oder wiederverwendet. Für Logistikunternehmen bieten sich in allen Segmenten der Lieferkette enorme Möglichkeiten, durch Kreislaufwirtschaftsansätze nachhaltiger zu werden und so die Bedürfnisse ihrer Kunden zu erfüllen.

Zusätzliche Trends im Bereich Environmental Sustainability sind:

  • Sharing Economy
  • Neue Verpackungstechnologien
  • Biobasierte Materialien
  • Ökologische Verantwortung
  • Produkte as a Service

Um mit der wachsenden Verbrauchernachfrage Schritt zu halten, müssten sich Unternehmen laut Bericht mit produktivitätssteigernden Automatisierungs- und Effizienztechnologien befassen. Diesbezüglich wichtige Trends sind mobile Roboter für Innenbereiche sowie stationäre Roboter, die die Fachkräfte vor Ort unterstützen. Mobile Roboter für Innenbereiche sind in den vergangenen Jahren deutlich differenzierter geworden, bei kontinuierlichen technologischen Fortschritten. Sie können nun Waren von einem Ort zum anderen transportieren, beim Be- und Entladen von Containern oder Lastwagen helfen und sogar für die Reinigung und Gebäudesicherheit eingesetzt werden. Stationäre Roboter hingegen können strategisch in Lagern oder Hubs platziert werden, um Prozesse zu optimieren. Künftig seien automatisierte Prozesse mit kollaborativen Robotern aus der Logistik nicht mehr wegzudenken.

Weitere Trends im Bereich Automatisierung und Effizienz sind dem Radar zufolge:

  • Cloud und APIs
  • Physical Internet
  • Outdoor Autonomous Vehicles
  • Tube Systems
  • 3D-Printing Systems