DHL Global Connectedness Report 2024: Globalisierung geht leicht zurück

Im Jahr 2023 nahm der Anteil der auf den internationalen Handel entfallenden globalen Wirtschaftsleistung gegenüber 2022 ab. Auch bei den globalen Informationsströmen gab es laut DHL Global Connectedness Report 2024 einen Rückgang.

Laut dem DHL Global Connectedness Report 2024 reduzierte sich 2023 der Anteil der auf den internationalen Handel entfallenden Wirtschaftsleistung gegenüber dem Wert von 2022. (Bild: Zinetron, AdobeStock)
Laut dem DHL Global Connectedness Report 2024 reduzierte sich 2023 der Anteil der auf den internationalen Handel entfallenden Wirtschaftsleistung gegenüber dem Wert von 2022. (Bild: Zinetron, AdobeStock)
Gunnar Knüpffer

Die Globalisierung ist im Jahr 2023 im Vergleich zu 2022 leicht zurückgegangen, als es einen Rekordwert gab. Das besagt der neue DHL Global Connectedness Report 2024, den die New York University Stern School of Business im Auftrag von DHL erstellt hat und der am 13. März veröffentlicht wurde.

Dieser Report zeigt, dass die Beziehungen zwischen den USA und China weiter bröckeln: Der Anteil der Handelsströme zwischen beiden Ländern ist seit 2016 um etwa ein Viertel reduziert worden. Dennoch seien beide Länder nach wie vor stark vernetzt und weisen größere Ströme auf als die meisten anderen Länderpaare.

Russland und Europa haben sich der Analyse zufolge entkoppelt – wobei Russland einen „beispiellosen Rückgang der Vernetzung verzeichnet“, der mehr als doppelt so hoch ist wie jeder zuvor verzeichnete Rückgang unter den 20 größten Volkswirtschaften der Welt. Gleichzeitig würden die Daten zeigen, dass keine weitere Aufspaltung der Weltwirtschaft zwischen rivalisierenden geopolitischen Blöcken stattfindet.

Im Jahr 2023 nahm der Anteil der auf den internationalen Handel entfallenden globalen Wirtschaftsleistung gegenüber 2022 ab.

„2023 führte die Verlangsamung des makroökonomischen Wachstums infolge der starken Zinserhöhungen in vielen Ländern zu einem leichten Rückgang der Intensität des Welthandels“, heißt es in der Studie.

Derzeit lassen aktuelle Daten zudem eine Stagnation beim Wachstum der Globalisierung von Informationsströmen erkennen, teilweise bedingt durch verringerte Forschungszusammenarbeit zwischen den USA und China. Diese Informationsströme sind bereits seit 2022 rückläufig.

Waren werden über leicht geringere Distanzen transportiert

Die internationalen Handelsströme bewegen sich dabei durchschnittlich über leicht geringere Entfernungen als im Jahr 2022, ergab der DHL Global Connectedness Report 2024. Dabei weise Nordamerika eine deutliche Verschiebung hin zu stärker regionalisierten Handelsmustern auf.

Ein Anstieg ist laut Global Connectedness Report derzeit bei der Globalisierung von Unternehmen zu verzeichnen. Diese erweitern ihre internationale Präsenz und erzielen mehr Umsatz im Ausland. Laut Report wird für 2024 auch wieder generell mit einer Beschleunigung des Handelswachstums gerechnet.

Der DHL Global Connectedness Report (ehemals DHL Global Connectedness Index) wird seit 2011 regelmäßig veröffentlicht. Mit der Analyse von 15 Arten internationaler Handels-, Kapital-, Informations- und Personenströme liefert er Erkenntnisse zu Globalisierungstrends. Die 2024-Ausgabe basiert auf knapp neun Millionen Datenpunkten. Sie misst die Vernetzung von 181 Ländern, die für 99,7 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts und 98,7 Prozent der Weltbevölkerung stehen.

Der Report zeigt beträchtliches Potenzial für eine weitere Zunahme der globalen Ströme auf. Dem Bericht zufolge liegt der derzeitige Grad der Globalisierung bei lediglich 25 Prozent – auf einer Skala von 0 Prozent (keine grenzüberschreitenden Ströme) bis 100 Prozent (Grenzen und Entfernungen spielen keine Rolle mehr).

143 der im Report analysierten Länder sind stärker global vernetzt als früher. Bei nur 38 Ländern ist die Vernetzung rückläufig. Europa ist die weltweit am stärksten global vernetzte Region, gefolgt von Nordamerika sowie dem Nahen Osten und Nordafrika.

Singapur führt dabei das Länderranking der am stärksten globalisierten Länder an. Die Niederlande und Irland folgen auf Platz 2 und 3.

„Singapur hat stark in den Ausbau der physischen und digitalen Vernetzung mit der Welt investiert“, kommentiert Ih-Ming Chan, Executive Vice President des Singapore Economic Development Board, das Ergebnis. „Handel ist unser Lebenselixier. Wir werden unsere Vernetzung und unsere Handelsbeziehungen weiter intensivieren, um auch künftig ein verlässlicher Knotenpunkt globaler Lieferketten zu sein und den internationalen Handel sowie die Kapital-, Informations- und Talentströme zu fördern. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit globalen Unternehmen, die eine Basis für Wachstum und einen Ausbau von Lieferketten im asiatisch-pazifischen Raum und darüber hinaus suchen.“