Deutsche Seehäfen: Hafenarbeiter-Streik trifft auf Containerschiff-Stau

Der Rückstau von Containerschiffen hat in der deutschen Bucht zuletzt zugenommen. Für den 9. Juni sind nun in mehreren deutschen Seehäfen Warnstreiks angesetzt.

Auch der Burchardkai am Hamburger Hafen ist am 9. Juni vom Arbeitskampf betroffen. (Foto: Port of Hamburg)
Auch der Burchardkai am Hamburger Hafen ist am 9. Juni vom Arbeitskampf betroffen. (Foto: Port of Hamburg)
Therese Meitinger

Die Gewerkschaft Ver.di hat für den 9. Juni Warnstreiks an mehreren deutschen Seehäfen angekündigt: In den Terminals von Hamburg, Emden, Bremen, Bremerhaven und Wilhelmshaven sollen die Beschäftigten am Nachmittag über mehrere Stunden hinweg die Arbeit niederlegen. Hintergrund ist ein Tarifstreit der Gewerkschaft mit dem Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS): Ver.di fordert einen nicht genauer bezifferten „tatsächlichen Inflationsausgleich“, zudem sollen die Löhne von rund 12.000 Beschäftigten in 58 tarifgebundenen Betrieben in Niedersachsen, Bremen und Hamburg um 1,20 Euro angehoben werden. Die Arbeitgeberseite ist bereit, Tariflöhne 2022 um 3,2 Prozent sowie 2023 um 2,8 Prozent anzuheben. Hinzu kommt eine Einmalzahlung von 600 Euro. Dies entspreche im Zusammenwirken mit dem Entlastungspaket der Bundesregierung einem Inflationsausgleich, so der ZDS in einem Statement.

ZDS forderte Verzicht auf Arbeitskampf

Nach zwei erfolglosen Verhandlungsrunden soll nun der Druck auf die Arbeitgeberseite erhöht werden. Der ZDS hatte am 8. Juni die Gewerkschaft noch aufgefordert, angesichts der angespannten Supply Chains auf die Arbeitsniederlegung zu verzichten:

„Wir befinden uns mitten in einer absoluten Ausnahmesituation“, so ZDS-Verhandlungsführerin Ulrike Riedl in einem schriftlichen Statement. „Die weltweiten Lieferketten sind stark gestört. Von der einen Seite kommt eine große Welle verspäteter Schiff auf uns zu, auf der anderen Seite gibt es große Engpässe im Güterverkehr der Bahn.“

Jetzt zu Warnstreiks aufzurufen sei absolut verantwortungslos, so Riedl weiter.

Laut Angaben des Kiel Instituts für Welthandel (IfW) haben sich die Störungen in der Containerschifffahrt zuletzt verstärkt in der Nordsee bemerkbar gemacht.

„Der internationale Handel leidet wieder stärker unter den Staus und Verzögerungen der Containerschifffahrt, die nun auch die Nordsee erreicht haben“, so Vincent Stamer, Leiter Kiel Trade Indicator, zur aktuellen Ausgabe des Welthandelsindikators am 7. Juni.

Containerschiffe stauen sich demnach auch in der Nordsee vor den Häfen Deutschlands, Hollands und Belgiens. Hier stecken laut dem IfW aktuell knapp zwei Prozent der globalen Frachtkapazität fest und können weder be- noch entladen werden. Allein in der deutschen Bucht warteten etwa ein Dutzend große Containerschiffe mit einer Kapazität von insgesamt etwa 150.000 Standardcontainern auf das Anlaufen in Hamburg oder Bremerhaven, heißt es in einer Pressemitteilung.

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