Covid-19: Wer transportiert den Impfstoff?

Die ersten Impfzentren sollen Mitte Dezember betriebsfertig sein, doch zu den Logistikaufträgen dahinter sind einige Fragen offen.

Das Bundesgesundheitsministerium geht davon aus, dass erste Impfungen gegen Covid-19 frühestens ab Ende 2020 möglich sein werden. (Symbolbild; Foto: Eisenhans / Fotolia)
Das Bundesgesundheitsministerium geht davon aus, dass erste Impfungen gegen Covid-19 frühestens ab Ende 2020 möglich sein werden. (Symbolbild; Foto: Eisenhans / Fotolia)
Therese Meitinger

Mit Biontech / Pfizer, Moderna und AstraZeneca haben die ersten Pharmakonzerne in den letzten Wochen Impfstoffe gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 präsentiert. Nun nimmt die Impfstoff-Verteilung in Deutschland konkrete Züge an: Bund und Länder einigten sich dazu am 16. November auf eine „Nationale Impfstrategie COVID-19“, nach der die Vakzine vor allem über zentralisierte Impfzentren verimpft werden sollen, die die Länder betreiben. 27 davon sind nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums derzeit geplant. Die ersten sollen bereits Mitte Dezember betriebsfertig sein, wobei die Behörde mit einem Impfbeginn frühestens mit Ende des Jahres rechnet.

Die Vorbereitung läuft entsprechend auf Hochtouren, zahlreiche organisatorische Fragen sind zu klären. Wer übernimmt beispielsweise den Transport und die Lagerung der Impfstoffe? Klar in der Impfstrategie geregelt ist, dass das Bundesgesundheitsministerium die Covid-19-Vakzine über einen gemeinsamen EU-Beschaffungsmechanismus beschafft und deren Verteilung an feste Standorte in jedem Bundesland organisiert. Die Länder sind hingegen zuständig für die sachgerechte und sichere Lagerung und Verteilung von Impfstoffen vor Ort. Außerdem müssen sie Impfzubehör wie Pflaster, Spritzen, Kanülen oder Desinfektionsmittel beschaffen und vorhalten.

Welche Logistikdienstleister kommen zum Zug?

Welche privatwirtschaftlichen Partner in die Logistik hinter den Impfzentren eingebunden werden sollen, zeigt sich erst nach und nach. Das Bundesgesundheitsministerium äußerte sich auf Anfrage von LOGISTIK HEUTE nur sehr vage hierzu.

„Die Vorbereitung und Durchführung [von Impfzentren] kann dabei durch weitere externe Akteure wie zum Beispiel Hilfsorganisationen, die Bundeswehr oder Logistikunternehmen unterstützt werden“, erklärte eine Sprecherin.

Fragen zum Vergabeprozess und den dahinterstehenden Auswahlkriterien beantwortete sie nicht.

Medienberichten zufolge soll DHL und Kühne+Nagel eine Schlüsselrolle beim Transport des Impfstoffs zukommen. So berichtete etwa das Handelsblatt, beide hätten erste Logistikverträge zu Covid-19-Impfstoffen abgeschlossen. Eine gewichtige Rolle bei der Entscheidung für die beiden Unternehmen dürften ihre Fähigkeit spielen, temperaturgeführte Transporte bei extrem niedrigen Temperaturen durchzuführen. Schließlich benötigt einer der Impfstoffe eine dauerhafte Kühlung von -70 Grad Celsius. Der Schweizer Logistikkonzern Kühne+Nagel verfügt nach eigenen Angaben über eine Flotte von 200 klimatisierten Anhängern sowie ein Pharma-Distributionsnetzwerk mit 230 Standorten weltweit. DHL gab gegenüber n-tv an, mit Hinblick auf die Corona-Herausforderung mehrere Hundert Ultra-Tiefkühlschränke gekauft zu haben, die eine für bestimmte Impfstofftypen erforderliche Temperierung gewährleisten können.

Dass sich für Großaufträge im Impfstoff-Umfeld auch andere Unternehmen interessieren, darf als gesichert gelten. So sprach der Pharmalogistikdienstleister Trans-o-Flex kürzlich drei öffentliche Empfehlungen an die Politik aus. Unter anderem forderte er:

„Die Auftragsvergabe muss über ein transparentes und faires Vergabeverfahren erfolgen, das für alle Logistikspezialisten offen ist. Nur so kommen innovative und leistungsfähige Lösungen zum Zug, die eine reibungslose Verteilung des oder der neuen Covid-19-Impfstoffe gewährleisten.“  

Nicht mit dem Maschinengewehr streuen“, rät Carsten Knauer, Logistikexperte des Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) der Öffentlichen Hand. Vielmehr gelte es, gezielt die Versorgungsketten aufzubauren, um zunächst Risikogruppen beziehungsweise strategische Gruppen wie etwa medizinisches Personal zunächst zu versorgen.

Die Versorgungsketten müssen also gezielt organisiert und gesteuert werden. Das bedeutet: Strategie und Präzision statt Streufeuer“, erläutert Carsten Knauer. 

Für einen Coup jenseits des bundesrepublikanischen Vergabewesens sorgte am 26. November Skycell: Der Schweizer Hersteller von datengetriebenen, temperaturkontrollierten Hybrid-Containern für die pharmazeutische Industrie, gab bekannt, einen Vertrag mit dem Hope Konsortium in Abu Dhabi über den Transport von 1,8 Milliarden Covid-19-Impfdosen bis Ende 2021 unterzeichnet zu haben. Als Teil des Hope Konsortiums soll SkyCell ein regionales Servicezentrum in Abu Dhabi errichten. Noch diesen November will man die ersten Impfdosen über den Hub transportieren. Bis Ende 2021 ist geplant, die Kapazität des Zentrums auf sechs Milliarden Impfdosen zu erweitern. 

Update, 27.11.20, 13 Uhr: Das Statement von Carsten Knauer wurde ergänzt.                       

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