COVID-19: DHL untersucht effektive Impfstoff-Lieferketten

Eine Studie sieht die Zusammenarbeit von öffentlichem und privatem Sektor als Schlüsselfaktor für Impfstoff-Transportlösungen.

Der Transport von COVID-19-Impfstoffen stellt Pharma-Lieferketten vor neue Herausforderungen. (Foto: DHL)
Der Transport von COVID-19-Impfstoffen stellt Pharma-Lieferketten vor neue Herausforderungen. (Foto: DHL)
Therese Meitinger

DHL und McKinsey & Company haben am 3. September eine Studie veröffentlicht, die sich mit dem Aufbau stabiler Lieferketten für Impfstoffe und medizinische Güter während der COVID-19-Pandemie sowie künftiger Gesundheitskrisen auseinandersetzt. Erste Notfallzulassungen von COVID-19-Impfstoffen, mit denen voraussichtlich im letzten Quartal des Jahres 2020 zu rechnen ist, stellten die Logistikindustrie vor die Herausforderung, medizinische Versorgungsketten für die weltweite Lieferung einer nie dagewesenen Menge von mehr als zehn Milliarden Einzeldosen in einem sehr kurzen Zeitraum zu organisieren, erläutern die Unternehmen den Hintergrund der Studie.

Aktuell werden DHL zufolge über 250 mögliche Impfstoffe auf sieben Forschungsplattformen entwickelt und getestet. Da im Fall von COVID-19-Impfstoffen Studienphasen teilweise übersprungen wurden, werden demnach an bestimmte Medikamente möglicherweise besonders strenge Temperaturanforderungen von bis zu -80 Grad Celsius gestellt, um ihre Wirksamkeit während des Transports und der Lagerung zu erhalten. Dies bedeute für bestehende medizinische Versorgungsketten neue logistische Herausforderungen, da üblicherweise die Distribution von Impfstoffen bei einer Temperatur von circa 2 bis 8 Grad Celsius erfolgt, so der Logistikdienstleister. In der Studie untersucht DHL nach Eigenangaben, wie dieser Transport von hoch-temperaturempfindlichen Impfstoffen effektiv gestaltet werden kann, um den Kampf gegen die weitere Ausbreitung des Virus zu unterstützen. Um eine weltweite Versorgung mit COVID-19-Impfstoffen sicherzustellen, werden DHL zufolge in den unterschiedlichen Lieferketten rund 200.000 Paletten-Transporte, 15 Millionen Lieferungen in Kühlboxen sowie 15.000 Flüge erforderlich sein.

„In der aktuellen Pandemie nehmen die Regierungen eine entscheidende Position bei der Gestaltung von medizinischen Versorgungsketten zur Rettung von Menschenleben ein“, erläutert Katja Busch, Chief Commercial Officer von DHL. „In den vergangenen Monaten wurde gezeigt, dass umsichtige Planung und geeignete Partnerschaften innerhalb solcher Versorgungsketten eine Schlüsselrolle spielen können, wenn Regierungen dazu übergehen, die Bereitstellung von kritischen medizinischen Gütern in Krisenzeiten wie diesen zu sichern.“

Öffentlich-private Partnerschaften für Krisenmanagement

Seit dem Ausbruch der Pandemie ist die Nachfrage nach medizinischen Hilfsgütern stark gestiegen. Die Versorgung mit medizinischen Hilfsgütern aus weit entfernten Produktionsquellen zur Verwendung in Kliniken und Praxen vor Ort war DHL zufolge gerade in der ersten Phase des Gesundheitsnotstands eines der zentralen Probleme bei der Bewältigung der Pandemie. Insbesondere im Bereich persönlicher Schutzausrüstungen sei die Beschaffungslogistik vor große Herausforderung gestellt gewesen, da die Produktion geographisch konzentriert und die Luftfrachtkapazitäten begrenzt gewesen sein und darüber hinaus beim Import teilweise keine ausreichenden Qualitätskontrollen hätten stattfinden können, argumentiert das Unternehmen. Um bei künftigen Gesundheitskrisen eine stabile medizinische Versorgung zu gewährleisten, müssen der Studie zufolge Regierungen gemeinsam mit Partnern aus dem öffentlichen und privaten Sektor ein umfassendes System von Krisenstrategien und -strukturen im öffentlichen Gesundheitswesen etablieren.

DHL will mit der Studie nach Eigenangaben ein Gerüst für die Zusammenarbeit von Logistikunternehmen mit Behörden, Politikern, NGOs und der Life-Sciences-Branche und soll den Dialog zwischen den verschiedenen Akteuren anstoßen, um die Resilienz in der medizinischen Versorgungslogistik in Pandemiezeiten zu verbessern. Dieses Rahmenwerk könne helfen, hochgradig stabile und sichere Lieferketten aufzubauen, so der Logistikdienstleister. Dazu gehören laut der Studie neben einem Notfallplan auch ein Kooperationsnetzwerk, eine starke physische Logistikinfrastruktur sowie eine IT-gestützte Lieferkettentransparenz. Nicht zuletzt müsse ein Krisenstab mit klarem Mandat eingerichtet werden, der sämtliche kritischen Aktivitäten kurzfristig umsetze, heißt es.

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